US-Botschaft in Havanna | Bildquelle: dpa

Kranke US-Diplomaten in Kuba Wie nach einer Gehirnerschütterung

Stand: 19.02.2018 16:16 Uhr

2017 klagten 21 Mitarbeiter der US-Botschaft in Kuba über Beschwerden, die auf einen mutmaßlichen akustischen Angriff hindeuten. Die Untersuchungsergebnissse machen den Fall noch rätselhafter.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio Washington

Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen und Tinnitus gehörten zu den Symptomen, die die Mitarbeiter beeinträchtigten. Die ersten hatte es Ende Dezember 2016 getroffen, die letzten im August 2017. Forscher der University of Pennsylvania haben die 21 betroffenen Angestellten der US-Botschaft in Havanna jetzt umfassend untersucht und die Ergebnisse im Fachblatt "Journal of the American Medical Association" (JAMA) veröffentlicht.

Geräusche und Druckgefühl

Dabei stellen sie fest, dass die Beschwerden am ehesten denen nach einer Gehirnerschütterung gleichen - ohne dass es je eine Erschütterung gegeben habe. Die meisten Betroffenen hatten ein durchdringendes Geräusch, wie ein Brummen oder Quietschen gehört, einige außerdem von ungewohntem Druck und Vibrationen gesprochen. Ohren zuhalten hatte dagegen nicht geholfen. Das hatte Spekulationen über einen gezielten Angriff ausgelöst.

Wenn einer dieser Patienten in einer Klinik für Gehirnverletzungen auftauchen würde, und der Arzt wüsste nichts über den Hintergrund, würde er von einem Schädel-Hirn-Trauma ausgehen, ausgelöst durch einen Autounfall oder eine Explosion, so einer der beteiligten Fachärzte.

US-Botschaft in Havanna | Bildquelle: dpa
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Botschaftsangestellte vor der US-Botschaft in Havanna (Archivbild September 2017)

Betroffene noch länger beeinträchtigt

14 der 21 Angestellten waren zum Zeitpunkt der Untersuchung noch nicht wieder voll arbeitsfähig und litten etwa unter Gedächtnisproblemen, wie Tests zeigten. Bei 18 Betroffenen konnten die Wissenschaftler objektive Beeinträchtigungen feststellen. Gehirnaufnahmen waren weitgehend unauffällig.

Das Geräusch selbst halten die Experten als Ursache für unwahrscheinlich. Es sei möglicherweise eine Begleiterscheinung einer Exposition gewesen, denn hörbare Geräusche würden in der Regel keine Hirnverletzungen auslösen. Hinweise auf einen Virus oder eine chemische Attacke fanden die Wissenschaftler nicht. Auch eine Art Massenhysterie halten die Forscher für unwahrscheinlich.

"Zirpen einer Grille"?

Kubanische Experten hatten nach Abhören einer Aufnahme des Geräuschs erklärt, es könne sich um das Zirpen einer Grille handeln. Die amerikanischen Mediziner sehen dagegen keine Anzeichen für eine Simulation. Die Betroffenen hätten im Gegenteil sehr dafür gekämpft, ihre Beschwerden loszuwerden.

US-Botschaft in Kuba: Symptome der Mitarbeiter bleiben weiter medizinisches Rätsel
Gabi Biesinger, ARD Washington
19.02.2018 15:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. September 2017 um 19:45 Uhr.

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