Präsidenten Obama und Castro nach ihrer Pressekonferenz in Havanna | Bildquelle: AP

Castro empfängt Obama in Havanna Neuanfang mit alten Dissonanzen

Stand: 21.03.2016 21:19 Uhr

Dieser Besuch soll die Beziehungen zwischen den USA und Kuba grundlegend ändern: US-Präsident Obama ist in Kuba mit Staatschef Castro zusammengekommen. Obama sprach von einem "neuen Tag", doch Castro machte deutlich: Die Differenzen in Sachen Menschenrechte bleiben.

Als erster US-Präsident seit fast 90 Jahren ist Barack Obama nach Kuba gereist und dort mit Präsident Raul Castro zusammengekommen. Das Gespräch im Revolutionspalast markiert das Ende der Eiszeit zwischen beiden Staaten, doch deutliche Differenzen bleiben bestehen.

Castro empfing Obama im Palast mit militärischen Ehren, anschließend reichten sich beide Staatschefs symbolträchtig die Hände. Nach der Begegnung mit Castro sagte Obama: "Das ist ein neuer Tag." Er kündigte weitere Schritte für eine Annäherung der langjährigen Feinde an: So werde American Airlines noch in diesem Jahr Direktflüge von den USA nach Kuba aufnehmen. Zudem soll unter anderem Google am Ausbau des Breitbandnetzes beteiligt werden, gab Obama bekannt.

Auch soll es Abkommen in den Bereichen Landwirtschaft und Gesundheit geben. So wollen die USA und Kuba künftig verstärkt im Kampf gegen das Zika-Virus oder Krebs zusammenarbeiten.

Historischer Staatsbesuch Obamas in Kuba
tagesthemen 22:15Uhr, 21.03.2016, Peter Sonnenberg, ARD Mexico-City, zzt. Havanna

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Streitpunkt Menschenrechte

Zugleich machten Obama und Castro deutlich, dass es weiter fundamentale Meinungsunterschiede zwischen ihnen gibt. Obama warb in der Pressekonferenz für Demokratie und Meinungsfreiheit. Er unterstrich zugleich, dass die Zukunft Kubas von den Kubanern entschieden werde - "und nicht von irgendjemand anders".

Castro bestritt, dass es politische Gefangene in Kuba gibt und verbat sich eine Einmischung in innere Angelegenheiten: "Alles was sich ändern sollte, ist exklusive Sache der Kubaner."

Der kubanische Präsident forderte Obama zur Aufgabe des Militärstützpunkts Guantanamo Bay sowie zur Aufhebung von Handelssanktionen auf. Die USA sollten das für die Marinebasis im Osten Kubas verwendete Land zurückgeben. Das größte Hindernis für eine positive Entwicklung Kubas bleibe das Wirtschaftsembargo, das nach wie vor in Kraft sei. Allerdings sehe er auch, dass der Präsident vom republikanisch dominierten Kongress an der Aufhebung des Embargos gehindert werde, betonte Castro.

Ein langer Weg zur Annäherung

Das Treffen der beiden gilt als Meilenstein in der neuen Ära engerer Beziehungen zwischen beiden Ländern. Erstmals hatten sie sich 2013 bei der Bestattungsfeier von Nelson Mandela in Südafrika die Hände geschüttelt.

Vor Obama war als US-Präsident nur Calvin Coolidge 1928 zu Besuch im Karibikstaat. Nach der Revolution von 1959 und dem Wandel Kubas zum Sozialismus gab es eine jahrzehntelange Feindschaft zwischen beiden Staaten. Kuba band sich eng an die Sowjetunion, 1962 war die Welt wegen der Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba am Rande eines Atomkrieges. 

Beide hoffen auf gute Geschäfte

Der US-Präsident war am Sonntag in Kuba eingetroffen. Er wird neben seiner Familie von rund 40 Abgeordneten und einer Delegation von Geschäftsleuten aus den USA begleitet, die nach der politischen Öffnung in Kuba Fuß fassen wollen.

Am Rande des Besuches wurden nach Angaben von Aktivisten rund 180 Dissidenten vorübergehend festgenommen, die meisten kamen aber nach einigen Stunden wieder frei. Ein Sprecherin der Menschenrechtler sagte, einige Demonstranten seien brutal geschlagen worden. Die Behörden hatten viele Dissidenten aufgefordert, während des Obama-Besuchs zu Hause zu bleiben.

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