Endstation Costa Rica: Viele Flüchtlinge werden in Notunterkünften untergebracht.

Flucht von Kuba in die USA Endstation Costa Rica

Stand: 04.12.2015 03:09 Uhr

Ihr Ziel sind die USA: Tausende Flüchtlinge brechen von Kuba auf. Doch für viele endet die Reise bereits an der Grenze zu Nicaragua. Denn die Regierung verweigert die Durchreise. In Notunterkünften harren die Menschen aus.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Maidely Fernández wohnt seit Tagen im Garten des Gemeindehauses von La Cruz in Costa Rica. Hier schläft die Kubanerin neben vielen anderen unter freiem Himmel auf einem Stück Schaumstoff. 21 Tage und Tausende Kilometer liegen hinter ihr: Von Kuba ging es per Flug nach Ecuador, dem einzigen Land, in das Kubaner bisher ohne Visum reisen durften.

Dann weiter mit dem Bus nach Kolumbien, zu Fuß durch den Dschungel, im Boot nach Panama und schließlich kam sie an ihre unfreiwillige Endstation: Costa Rica. Bis hierher hat die Altenpflegerin 4000 Dollar ausgegeben, vor allem für Transport und Schleuser. Das Geld hatte sie, weil sie ihr Haus in Havanna verkaufte. Jetzt ist alles aufgebraucht.

"Ich kann endlich reden, mit wem ich will"

Maidely Fernández bereut es nicht, Kuba verlassen zu haben. Dort habe sie zuviel ertragen müssen.
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Maidely Fernández bereut es nicht, Kuba verlassen zu haben. Dort habe sie zuviel ertragen müssen.

Maidely sitzt an der Grenze fest, weil Nicaragua keine Kubaner mehr durchlässt. Trotzdem leuchten ihre Augen, wenn sie erzählt. Die 50-Jährige unternimmt die erste Reise ihres Lebens: "Das Gefühl, als ich in Ecuador aus dem Flugzeug stieg, war überwältigend. Ich hatte Lust laut zu schreien: 'Ich bin frei!'"

In Kuba hätte sie soviel aushalten müssen, sagt Maidely weiter. "Nun können wir unsere Meinung frei äußern und reden, mit wem wir wollen. Auch mit der Presse, auch mit dir. Das mache ich zum ersten Mal in meinem Leben. Ich bereue nichts. Und nach Kuba gehe ich nie wieder zurück."

Schon immer habe sie von einem besseren und freien Leben in den USA geträumt. Maidely wollte es über Ecuador und Mittelamerika dorthin schaffen - so wie Tausende Kubaner vor ihr. Aber seit Mitte November ist Nicaraguas Grenze für Kubaner dicht. Weil Präsident Ortega mit Kubas kommunistischem Präsidenten Castro befreundet ist, vermutet Maidely, ähnlich wie auch Ecuadors linke Regierung. Die hatte am ersten Dezember die Visapflicht für Kubaner wieder eingeführt.

Kubanisches Flüchtlingsdrama in Mittelamerika
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko Stadt
04.12.2015 03:51 Uhr

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Die Länder "streiten wie Kinder"

Im Schatten, gegenüber vom Gemeindehaus, sitzen Anwohner und die Nicaraguanerin Ardiely Espinoza und beobachten die Kubaner. Beeindruckt sind sie von deren langer Reise und dass alle ausgebildet sind, sogar studierte Ärzte und Lehrer sind unter ihnen. Ardiely kommt fast täglich über die Grenze, um Gemüse zu verkaufen. Das viel ärmere Nicaragua lebe von Costa Rica, sagt sie. Sie macht sich Sorgen um ihr Geschäft, weil beide Länder nun über die Kubaner streiten: "Angeblich haben sie gegen das Gesetz verstoßen, aber das stimmt nicht. Die Kubaner wollen doch einfach nur in die USA. An Nicaraguas Grenze sind jetzt überall Soldaten. Die beiden Länder streiten sich wie Kinder."

Verhandlungen zwischen Costa Rica und Nicaragua waren bisher ergebnislos. Die Nachbarländer pflegen ihre alte Feindschaft. Noch kommt Costa Rica mit der Flüchtlingskrise klar, Freiwillige bringen die Kubaner in Notunterkünfte und das Rote Kreuz hilft.

Viele Kubaner warten jedoch lieber am Grenzübergang. Sie schlafen dort auf dem nackten Boden, damit ihr Problem nicht in Vergessenheit gerät. Vor der Ausreisestelle bitten Kubaner Touristen um Spenden für Essen und Trinken. Für die Tausenden Kubaner an der nicaraguanischen Grenze geht es nicht vor und nicht zurück. Von der Regierung der USA, aus dem Land ihrer Träume, ist nichts zu hören. Jede Einmischung würde den Annäherungsprozess mit Kuba gefährden.

Dieser Beitrag lief am 04. Dezember 2015 um 05:54 Uhr im Deutschlandfunk.

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