Bus mit Flüchtlingen kommt in Ungarn an | Bildquelle: REUTERS

Kroatien schickt Flüchtlinge nach Ungarn Im Bus an die Grenze

Stand: 18.09.2015 21:14 Uhr

Kroatien ist überlastet, knapp 17.000 Flüchtlinge erreichten den Balkanstaat in den vergangenen beiden Tagen. Deshalb lässt die Regierung die Migranten in Bussen nach Ungarn bringen. Überraschend durften Hunderte Flüchtlinge die Grenze passieren.

Entgegen anderslautender Ankündigungen hat Ungarn nun doch die Grenze für Hunderte Migranten aus Kroatien geöffnet. Die Sicherheitskräfte ließen 19 voll besetzte Busse mit jeweils etwa 60 Menschen an Bord passieren.

An der Grenze trafen die Busse auf etwa 200 ungarische Polizeibeamte und rund 50 Soldaten. Die Flüchtlinge wurden in die ungarische Grenzstadt Beremend gebracht. Wie es von dort für sie weitergeht, war zunächst nicht klar.

Kroatien will Flüchtlinge durchreisen lassen

Zuvor hatte Kroatien erklärt, angekommende Flüchtlinge nicht mehr registrieren zu wollen, wie es das EU-Recht vorsieht. Der kroatische Ministerpräsident Zoran Milanovic erklärte, sein Land könne den Andrang der Flüchtlinge nicht mehr bewältigen: "Ich sehe kein Problem, dass diese Leute durch Ungarn und Slowenien nach Österreich und Deutschland reisen."

In einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel besprach Milanovic die Lage. Laut Bundesregierung stimmten beide "überein, dass das Problem an den Außengrenzen der Europäischen Union gelöst werden müsse".

Die EU-Kommission kritisierte Kroatien für seine Haltung. Migranten weiterreisen zu lassen, ohne sie zu registrieren, sei "nicht mit den EU-Regeln vereinbar", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission. Nach den so genannten Dublin-Regeln ist dasjenige EU-Land für einen Asylbewerber und dessen Asylverfahren zuständig, in dem dieser erstmals europäischen Boden betreten hat. Das Land muss den Flüchtling registrieren und seine Fingerabdrücke nehmen. Die Sprecherin sagte, wenn Flüchtlinge sich weigerten, Asyl zu beantragen, könnte ihnen die Einreise verweigert werden.

Chaotische Zustände auf neuer Flüchtlingsroute durch Kroatien
tagesthemen 21:45 Uhr, 18.09.2015, Darko Jakovljevic, ARD Wien

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"Ihr seid kein Parkplatz für die Flüchtlinge"

Unterdessen sicherte EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn den Balkanländern die Unterstützung Brüssels bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu. "Ihr seid kein Parkplatz für die Flüchtlinge, Ihr seid auch das Opfer der Situation, wir werden Euch nicht aufgeben", sagte der Österreicher bei einem Besuch in der mazedonischen Hauptstadt Skopje.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR reisen täglich etwa 4000 Flüchtlinge von Griechenland nach Norden. Wenn Ungarn und Kroatien sie nicht durchreisen ließen, würden sie sich in Serbien stauen.

In der EU haben in diesem Jahr bereits Hunderttausende Menschen Zuflucht vor Krieg, Unterdrückung und Verfolgung, aber auch vor Hunger und Armut gesucht. Laut UNHCR überquerten 2015 mehr als 442.440 Menschen das Mittelmeer, 2921 ertranken dabei.

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