Russland schickt Soldaten auf die Krim. (Bildquelle: AP)

Krise in der Ukraine Die Soldaten stehen bereit

Stand: 01.03.2014 10:21 Uhr

Der politische Konflikt zwischen der neuen Führung in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und der vorwiegend von ethnischen Russen bewohnten Halbinsel Krim droht in eine militärische Auseinandersetzung zu eskalieren.

Der neue pro-russische Regierungschef der autonomen Teilrepublik, Sergej Aksjonow, forderte Unterstützung aus Moskau an: "Aus Verantwortung für das Leben und die Sicherheit der Bürger bitte ich den russischen Präsidenten Wladimir Putin um Hilfe bei der Sicherung von Frieden und Ruhe auf dem Gebiet der Krim." Um welche Art von Unterstützung es sich handeln könnte, ließ er offen. Der Kreml reagierte prompt und will das Ersuchen prüfen. Aksjonow betonte zudem, er habe die Befehlsgewalt über die Sicherheitskräfte auf der Halbinsel übernommen. Dazu zählen alle Einheiten der Polizei.

Russische Soldaten auf der Krim

Als Reaktion auf die Entsendung russischer Soldaten auf die Halbinsel, versetzte die Ukraine ihr Militär auf Krim nun in Alarmbereitschaft. Wie viele Soldaten Moskau entsandte, ist unklar. Die russische Regierung äußerte sich nicht zu Details, und die ukrainischen Angaben sind widersprüchlich. Das Verteidigungsministerium in Kiew sprach zuletzt von 6000 russischen Soldaten.

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow rief Putin auf, die "nackte Aggression gegen die "Ukraine" zu stoppen.

Udo Lielischkies, ARD Moskau zzt. Kiew, zur Lage auf der Krim
tagesschau24 12:00 Uhr, 01.03.2014

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Die ukrainische Vorwürfe einer Militärintervention auf der Halbinsel Krim wies Russland zurück. "Wir haben einen Vertrag mit der Ukraine über die Präsenz der russischen Schwarzmeerflotte. Und wir handeln im Rahmen dieser Vereinbarung", verteidigte der russische UN-Botschafter, Vitali Tschurkin, das Vorgehen. Die Führung in Moskau hatte erklärt, lediglich den Schutz seiner Schwarzmeerflotte zu verstärken.

Beide Flughäfen besetzt

Bereits in der Nacht zu Freitag waren etwa 50 bewaffnete und uniformierte Männer in Geländewagen ohne Kennzeichen sowie mit russischen Fahnen auf dem Krim-Flughafen Simferopol aufmarschiert und hatten die Kontrolle übernommen. Inzwischen patrouillieren dort und auf dem zweiten wichtigen Flughafen nahe Sewastopol Soldaten mit nicht markierten Uniformen. Laut der Website des Flughafens Simferopol wurde der Flugbetrieb eingestellt. Lediglich zwei Verbindungen nach Moskau sollen abgewickelt werden - allerdings mit Verspätung.

Moskau hatte versprochen, die Interessen seiner Bürger auf der Krim zu schützen, ohne dabei militärisch vorzugehen. Präsident Wladimir Putin rief dazu auf, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Die Krim gehört seit 1954 zur Ukraine. Da sich dort eine Bevölkerungsmehrheit russisch fühlt, gibt es Abspaltungstendenzen.

Obama warnt Russland vor Militärintervention

Die Regierung in Kiew rief die Vereinten Nationen auf, das Einschreiten Russlands verurteilen. Der ukrainische UN-Botschafter Juri Sergejew sagte: "Wir betrachten das als Aggression."

Die USA warnten Russland vor einer militärischen Intervention auf der Krim. Das würde seinen Preis haben, sagte Präsident Barack Obama. Angesichts der angespannten Lage erwägt Obama offenbar einen Verzicht der Teilnahme am G8-Gipfel im Juni im russischen Sotschi.

Washington und London für Task-Force

Die USA sprachen sich ebenso wie Großbritannien für die schnelle Schaffung einer Task Force mit Vermittlern aus. Als mögliche Vermittler sind Mitglieder der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie der UN-Funktionär Robert Serry im Gespräch, der der erste Botschafter der Niederlande in der Ukraine war.

Der britische UN-Botschafter Mark Lyall Grant sagte, eine solche Vermittlungsmission könne auch unabhängig vom UN-Sicherheitsrat gestartet werden. In dem Gremium hat Russland ein Veto-Recht, und der russische UN-Vertreter, Vitali Tschurkin, hatte bereits erklärt, er sei gegen "eine auferlegte Mediation".

Krise auf Halbinsel Krim spitzt sich zu
tagesschau 11:20 Uhr, 01.03.2014, Norbert Hahn, WDR

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