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Seit 2007 ist Sinan Krause verschwunden. Anfang 2007 wurde er gemeinsam mit seiner Mutter in Bagdad verschleppt. Sie kam später frei, ihr Sohn nicht. Inzwischen ist es die längste Geiselnahme eines Deutschen. Die Hoffnung der Eltern schwindet, dass Sinan noch lebt. Doch sie suchen weiter.
Von Ulrich Leidholdt, ARD-Hörfunkstudio Amman
Bis zum 6. Februar 2007 war die Welt von Familie Krause-Khadim in Ordnung. Das Saddam-Regime, Kriege, amerikanische Luftangriffe und ethnisch-religiöse Konflikte hatte sie schadlos überlebt. Dann drangen Vermummte in ihr Haus in Bagdad ein und verschleppten Hannelore Krause und ihren Sohn Sinan. Vater Mohammed war nicht zu Hause und entging der Entführung.
Einen Monat später meldete sich Hannelore Krause per Video. "Ich bitte Euch: unternehmt was", sagte sie. "Die Forderungen sind: Deutschland soll aus Afghanistan mit seinen Truppen rausgehen - sonst werden Dein Bruder und ich getötet."
Raus aus Afghanistan - diese Forderung hatte die bis dahin unbekannte Gruppierung "Brigade der Pfeile der Rechtschaffenheit" der damals 61-Jährigen aus Teltow bei Berlin diktiert, die mit ihrem Mann schon Jahrzehnte im Irak lebte. Vier Monate nach der Entführung ließen die Kidnapper Hannelore Krause frei - bekannt gegeben vom damaligen deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier. "So sehr wir erleichtert sind über die Freilassung von Frau Krause, so bleibt doch die drängende Ungewissheit über das Schicksal ihres Sohnes, der sich weiter in Geiselhaft befindet", sagte Steinmeier. Er versicherte zugleich, "dass wir alles tun werden, um auch die Freilassung des Sohnes von Frau Krause - Sinan - zu erreichen. Wir werden mit aller Kraft dafür arbeiten".
Das verlief bis heute jedoch ergebnislos. Der jetzt 28-jährige Sinan bleibt verschwunden. Das letzte Lebenszeichen erhielten deutsche Behörden vor mehr als vier Jahren.
Hannelore Krause lebt inzwischen in Berlin. Ihr Mann Mohammed Khadim, der in den sechziger Jahren dort Maschinenbau studierte, hielt die Ungewissheit schließlich nicht mehr aus. Er macht sich immer wieder nach Bagdad auf, um Sinan auf eigene Faust zu suchen. Er berichtet, dass ihn die meisten Leute im Westen Bagdads auslachten, wenn er ihnen von der Entführung erzähle - "und ich ihnen sage, dass ich immer noch denke, dass mein Sohn noch lebt".
Für den Einzelkämpfer im Dschungel der irakischen Hauptstadt, wo fast jeden Tag Bomben explodieren und Menschen getötet werden, ist die Suche nach Sinan, seinem Sohn, nicht nur ein gefährliches, sondern auch ein frustrierendes Unternehmen. "Die irakischen Behörden, die sind so beschäftigt mit täglichen Problemen, Morden - für die ist unser Fall einer von Tausenden", erzählt er.
[Bildunterschrift: Der damalige Außenminister Steinnmeier gab 2007 die Freilassung von Hannelore Krause bekannt. (Archivbild) ]
Das Auswärtige Amt in Berlin gibt - wie üblich bei Entführungsfällen - keine konkrete Auskunft. Es teilt lediglich mit, es sei weiter dran an dem Fall - nichts Neues zur inzwischen längsten Entführung eines Deutschen.
Dafür versuchen Trittbrettfahrer, Kasse zu machen. "Einer hat einen Freund von Sinan angerufen und behauptet, dass Sinan mit einer Gruppe von Entführern in der Nähe von Samara bei einem amerikanischen Angriff getötet wurde", sagt Khadim. Die ganze Gruppe sei dort begraben worden. Als Gegenleistung für die Information, wo Sinans Grab genau sei, habe der Anrufer eine Million Dollar verlangt.
Fast fünf Jahre ist Sinan Krause jetzt verschwunden. Der Glaube an Behörden ist bei Vater Mohammed längst geschwunden, die Hoffnung, dass er seinen Sohn lebend wiedersieht, inzwischen auch. "Meine Frau lebt mit dem Gedanken, als ob er morgen schon kommt. Aber ich habe nach der Zeit kaum noch Hoffnung", sagt er.
Zugleich bleiben Fragen. "Wichtig für mich ist die Frage: warum wurde nur Sinan nicht befreit? Bis jetzt wurden alle Deutschen befreit - nur Sinan nicht", sagt Khadim. Er nehme niemanden etwas übel, denn die Lage im Irak sei chaotisch. "Ich möchte an die Gewissheit kommen: Ist er tot? Dann trauere ich für zwei, drei Monate und die Sache ist erledigt. Aber wenn wir nicht gewiss sind, dass er tot ist - können Sie sich das vorstellen? Das ist furchtbar!"
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