Seitenueberschrift

Flutkatastrophe in Russland

Nach der Flutkatastrophe in Russland

In die Trauer mischt sich Wut über die Behörden

Nach der Flutkatastrophe in Russland mit mehr als 170 Toten begeht das Land heute einen nationalen Trauertag. In den Medien sollen keine Unterhaltungsprogramme laufen. Doch in die Trauer mischt sich auch Wut über die Behörden, die nur scheibchenweise Fehler einräumen.

Von Christina Nagel, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Russland trauert. Überall im Land gibt es Gedenkgottesdienste. Radio und Fernsehen verzichten auf Unterhaltungsprogramme. Die Fahnen hängen auf Halbmast. Die Flutkatastrophe in der Region Krasnodar gilt als eine der schwersten in der Geschichte Russlands - mit mehr als 170 Toten, mehr als 300 Verletzten und Tausenden, die über Nacht ihr Hab und Gut verloren haben.

Wie groß der Sachschaden ist, lässt sich noch nicht beziffern. Ganze Straßenzüge wurden von den Fluten weggespült, Häuser dem Erdboden gleich gemacht.

Staatstrauer in Russland
C. Nagel, ARD Moskau
09.07.2012 09:57 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Sie versprechen viel - und tun nichts"

Bewohner der Stadt Krimsk berichten von einer bis zu sieben Meter hohen Flutwelle, die mitten in der Nacht im Schlaf über sie hereinbrach. Jetzt, nachdem der erste Schock überwunden ist, regt sich die Wut über die Untätigkeit der Behörden: "Niemand hat etwas gewusst. Niemand wurde gewarnt. Das Wasser kam einfach. Die Leute ertranken. Seit anderthalb Tagen tut sich hier nichts. Sie versprechen viel - und tun nichts."

Dass die regionalen Justizbehörden ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt eingeleitet haben, besänftigt in Krimsk kaum jemanden. Die Behörden würden niemals zugeben, Fehler gemacht zu haben, heißt es.

1/

Flutkatastrophe in Russland

Die Ferienregion Krasnodar an der Schwarzmeerküste wurde nach tagelangen Regenfällen überschwemmt.

Übereflutetes Gebiet

Bei den verheerenden Überschwemmungen im Süden Russlands kamen mindestens 170 Menschen ums Leben. (Foto: AFP)

Auch den offiziellen Beteuerungen, dass kein Wasser aus einem nahe gelegenen Stausee abgelassen wurde, begegnen die meisten mit Hohn.

Der Stausee versorgt die Schwarzmeerstadt Noworossisk mit Trinkwasser. Betroffene werfen den Behörden vor, den Staudamm in der Nacht zu Samstag in Richtung Krimsk geöffnet zu haben, um eine Überschwemmung der wichtigen Öl-Hafenstadt zu verhindern. Deshalb habe es die Flutwelle gegeben.

Behörden haben Bevölkerung offenbar nicht rechtzeitig gewarnt
tagesschau 15:00 Uhr, 09.07.2012, Ina Ruck, ARD Moskau

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Örtliche Behörden weisen die Vorwürfe zurück

Behördenvertreter hatten die Vermutungen als "Märchen" zurückgewiesen. Es sei nicht möglich, aus dem Stausee künstlich zusätzliche Mengen an Wasser abzulassen. Es gebe keine Schleusen.

Iwan Sengerow vom regionalen Ermittlungskomitee gab allerdings zu: "Es wurde zwar automatisch Wasser abgelassen, aber portionsweise, nicht in einem gewaltigen Strom. Inwieweit sich das auf das Ausmaß der Naturkatastrophe ausgewirkt hat, müssen wir noch klären."

Der russische Zivilschutzminister Wladimir Putschkow sagte nach Angaben der Agentur Interfax hingegen, die Bevölkerung sei vor der nahenden Gefahr nicht in vollem Umfang und wie vorgeschrieben alarmiert worden. "Seitens der Leiter vor Ort sowie der Dienststellen sind Fehler gemacht worden", sagte er.

Putin ordnet Untersuchung an

Präsident Wladimir Putin, der noch am Samstagabend in die Krisenregion gereist war, hatte eine umfassende Untersuchung angeordnet. Den Betroffenen versprach er schnelle und unbürokratische Hilfe. Bereits heute sollen erste Gelder ausbezahlt werden.

Stand: 09.07.2012 11:01 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

5 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:
Darstellung: