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Flutkatastrophe in Russland
Blieben Warnungen der Behörden aus?
Einen Tag nach der Flutkatastrophe in der Region Krasnodar am Schwarzen Meer halten sich hartnäckig die Gerüchte, die Behörden hätten die Bevölkerung nicht rechtzeitig gewarnt und zudem einen Staudamm geöffnet. Präsident Putin versprach Aufklärung. Mindestens 170 Menschen kamen in dem Hochwasser ums Leben.
Von Christina Nagel, ARD-Hörfunkstudio Moskau
Rund um die Uhr sind die Helfer im Einsatz, um die Folgen der Flutkatastrophe zu beseitigen - doch noch immer ist das ganze Ausmaß der Tragödie nicht abzusehen. In der Krisenregion Krasnodar werden immer mehr Tote geborgen. Nach Angaben des Katastrophenschutzministeriums rissen die Wassermassen mindestens 170 Menschen in den Tod. Mehr als 300 seien verletzt worden.
In Krimsk wurden Hunderte Häuser regelrecht dem Erdboden gleichgemacht. Die Fluten rissen ganze Straßenzüge mit sich. Überlebende erhoben im russischen Staatsfernsehen schwere Vorwürfe gegen die Behörden, die versäumt hätten, die Menschen zu warnen: "Um 2.20 Uhr am Morgen rief uns ein Nachbar an. Wir sind ihm so dankbar. Offiziell gewarnt wurden wir nicht. Es herrschte Funkstille, obwohl bereits eine Stadt vor uns überschwemmt worden war. Und wir schliefen noch. Deshalb sind in anderen Häusern Menschen ums Leben gekommen", berichtete eine Frau.
Aufräumarbeiten nach Flutkarastrophe gehen nur langsam voran
tagesschau24 9:00 Uhr, 09.07.2012, Heike Keuthen, ARD-aktuell
Wurde der Staudamm geöffnet?
Viele in Krimsk bezweifeln, dass allein die sintflutartigen Regenfälle die bis sieben Meter hohe Flutwelle in der Nacht ausgelöst haben. Es wird vermutet, dass man zwischen Noworossijsk und Krimsk gewählt hat. Um Krimsk zu retten, hätte man Noworossijsk überschwemmen müssen - oder eben andersherum. "Es gibt in den Bergen einen Stausee, der Noworossijsk mit Trinkwasser versorgt. Wegen der Niederschläge ist er vollgelaufen, das Wasser musste raus. Entweder hierhin oder dorthin. Einfacher war hierher", erzählt ein Anwohner.
"Wie ein Tsunami"
Auch dem russischen Präsidenten standen bei einem Besuch der Krisenregion die Zweifel ins Gesicht geschrieben. Gemeinsam mit dem Gouverneur der Region, Alexander Tkatschow, überflog er das Gebiet. Woher das Wasser gekommen sei, fragte Putin. Es sei der Regen gewesen, lautet die Antwort. "Regen?", hakte Putin nach. Gouverneur Alexander Tkatschow erwidert: "Von den Bergen. Es hat stark geregnet. Das Wasser sammelt sich an und fließt plötzlich herunter in einer riesigen Überschwemmungswelle. " Darauf Putin: "Eine Welle - bis zu sieben Meter hoch?" Der Gouverneur nickt. "Ja. Wie ein Tsunami."
Auch Putin hat offenbar Zweifel an Erklärung der Behörden
Bei einer Krisensitzung wenig später fragt Präsident Putin erneut nach. Dieses Mal gezielt nach dem Stausee: "Wurde das Wasser irgendwie abgelassen - künstlich, technisch?" Vertreter der Stadtverwaltung verneinen dies. Der Stausee habe keine Schleuse. "Der Damm ist blind, hat nur ein eingemauertes Rohr, wie in einer Badewanne oben. Über das Rohr fließt Wasser in den Fluss", erklärt ein Beamter. Der Gouverneur fügt hinzu, dass all die Gerüchte über eine Öffnung des Staudamms Märchen seien, die von absichtlich von der Opposition gestreut würden.
Hilfe für die Betroffenen
Präsident Putin versprach den Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe, finanziell wie materiell. Die Behörden haben bereits begonnen, Ersatzpapiere auszustellen - Pässe und Führerscheine. Morgen sollen dann erste finanzielle Hilfen ausgegeben werden. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft, um Plünderungen zu verhindern. Für morgen wurde für die Region Trauer angeordnet.
Flutkatastrophe in Russland
Die Ferienregion Krasnodar an der Schwarzmeerküste wurde nach tagelangen Regenfällen überschwemmt.
Stand: 08.07.2012 16:35 Uhr
