Der Spitzenkandidat der korsischen Nationalisten, Gilles Simeoni, jubelt nach der Wahl zum Präsidenten des Exekutivrats. | Bildquelle: AFP

Nationalisten auf Korsika Kurs: mehr Autonomie

Stand: 02.01.2018 21:17 Uhr

Nach ihrem Wahlsieg übernehmen die Nationalisten auf Korsika die Macht: Ihr Spitzenkandidat Simeoni wurde zum Präsidenten des Exekutivrats der neuen Super-Region gewählt. Simeoni rief Frankreichs Präsidenten Macron zu Gesprächen über eine weitgehende Autonomie der Insel auf.

Gut drei Wochen nach den Regionalwahlen auf Korsika nehmen die Nationalisten die Zügel in die Hand: Der Spitzenkandidat der korsischen Nationalisten, Gilles Simeon, wurde zum Präsidenten der neuen Super-Region gewählt.

Simeoni sagte im Radiosender France Inter, Macron solle ein "Signal der Öffnung" an die Korsen senden. Der "demokratische Erdrutsch" bei der Regionalwahl am 10. Dezember habe gezeigt, dass die Bürger mehr Eigenständigkeit wollten.

Das nationalistische Bündnis Pè a Corsica (Für Korsika) unter Simeoni und Jean-Guy Talamoni hatte bei der Wahl 56,5 Prozent der Stimmen errungen. Damit stellen die Nationalisten nun 41 der 63 Sitze in der Regionalversammlung der neu geschaffenen einheitlichen Gebietskörperschaft (CTU). Die Super-Region vereint die bisherige Inselverwaltung mit den beiden historischen Départements Haute-Corse und Corse-du-Sud.

Mittelmeerkarte Frankreich Korsika
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Seit Jahrzehnten streben viele Korsen nach mehr Eigenständigkeit vom Festland Frankreich.

Keine vollständige Loslösung angestrebt

Macron äußerte sich bisher nicht konkret zur Zukunft Korsikas. Wie die Regierung in Paris bekannt gab, wird die neue Korsika-Beauftragte Jacqueline Gourault aber am Freitag erstmals auf die Insel reisen.

Die Nationalisten streben eine größere Autonomie für die Geburtsinsel des früheren französischen Kaisers Napoleon an. Anders als die Katalanen im Nachbarland Spanien wollen sie aber derzeit keine vollständige Loslösung von Frankreich, nicht zuletzt wegen der Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung.

Frankreichs Präsident Macron | Bildquelle: dpa
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Macron äußerte sich bisher nicht konkret zur Zukunft Korsikas

Vielmehr fordern sie unter anderem eine gleichwertige Anerkennung der korsischen Sprache neben dem Französischen und eine Amnestie für Häftlinge, die sie als politische Gefangene betrachten. Zudem wollen sie ein Vorrecht für die Inselbewohner gegenüber Immobilienspekulanten erreichen.

EU-Regionen wollen Unabhängigkeit

Auf Korsika kämpften militante Gruppen jahrzehntelang gewaltsam für eine Unabhängigkeit von Frankreich. Die wichtigste Untergrundgruppe, die nationale Befreiungsfront Korsikas (FLNC), erklärte im Sommer 2014 das Ende des bewaffneten Kampfes. Aus dieser Zeit sind noch zahlreiche Gefangene in Haft - unter anderem Yvan Colonna, der wegen Mordes an einem früheren französischen Präfekten Ende 2007 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Simeoni vertrat Colonna in dem Prozess als Anwalt.

In ganz Europa gibt es derzeit Regionen, die entweder ganz weg vom Zentralstaat wollen oder mehr Autonomie fordern. In Katalonien hatten die Separatisten bei der auf Anweisung von Madrid angesetzten Neuwahl ihre absolute Mehrheit im Parlament verteidigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Dezember 2017 um 09:10 Uhr in der Sendung "Europa heute". Am 01. Januar 2018 berichtete MDR aktuell um 05:17 Uhr.

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