Ein 500-Euro-Schein wechselt den Besitzer | Bildquelle: picture alliance / dpa

Transparency International Populisten sorgen für noch mehr Korruption

Stand: 25.01.2017 07:07 Uhr

Populistische Anführer verschlimmern laut Transparency International die Korruption. Zwar versprächen diese Politiker, den Status quo zu ändern, installierten in der Regel aber zusätzliche korrupte Systeme, heißt es in dem Jahresbericht der Organisation.

Die ausufernde Korruption in vielen Ländern der Welt hat nach Einschätzung von Transparency International Populisten Aufwind gegeben. "Die Menschen sind die zu vielen leeren Versprechungen der Politiker, etwas gegen die Korruption zu tun, leid und wenden sich populistischen Politikern zu, die einen Systemwandel versprechen", heißt es im jüngsten Jahresbericht der Antikorruptions-Organisation. Damit verschlechtere sich die Lage aber meistens nur weiter.

"Statt den Vetternwirtschafts-Kapitalismus anzugehen, errichten diese Führer oft noch schlimmere Formen korrupter Systeme", sagte der Vorsitzende der in Berlin ansässigen Organisation, José Ugaz. Nur dort, wo es Meinungsfreiheit, Transparenz und starke demokratische Institutionen gebe, könne Korruption erfolgreich bekämpft werden.

Orban und Erdogan als Negativbeispiele

Ugaz verwies dabei auf Ungarn (jetzt Platz 57) und die Türkei (Platz 76). Die Werte beider Länder im Index für Korruptionswahrnehmung hätten sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Russland liegt auf Platz 131 - gemeinsam mit der Ukraine. In Argentinien habe sich nach der Abwahl der populistischen Regierung die Situation hingegen verbessert.

In dem Index werden die Länder nach einer Reihe von Faktoren bewertet. Unter anderem wird berücksichtigt, ob Regierungsvertreter nach Korruptionsfällen vor Gericht gebracht werden oder ungestraft bleiben. Eine Rolle spielt zudem die wahrgenommene Verbreitung von Bestechung und ob öffentliche Institutionen auf die Bedürfnisse der Bürger reagieren.

Ungarns Ministerpräsident Orban | Bildquelle: AFP
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Unter Orban hat sich die Korruption in Ungarn laut TI verschlimmert.

Dänemark und Neuseeland an der Spitze

Auf Grundlage dieser Daten werden Dänemark und Neuseeland im Transparency-Bericht als die am wenigsten korrupten Länder geführt. Auf den weiteren Plätzen folgen Finnland, Schweden, die Schweiz und Norwegen. Die Top Zehn der am wenigsten korrupten Länder werden von Deutschland, Luxemburg und Großbritannien abgerundet - die sich Platz zehn teilen.

Somalia gilt den Angaben zufolge als das korrupteste Land, gefolgt von Südsudan, Nordkorea und Syrien. Die Vereinigten Staaten sind von Platz 16 im Jahr 2015 auf Platz 18 abgerutscht.

Je dunkler die Einfärbung, desto schlimmer die Korruption: Weltkarte von Transparency International
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Je dunkler die Einfärbung, desto schlimmer die Korruption: Weltkarte von Transparency International

Trumps "Vetternwirtschaft"

Mit Hinblick auf die neue US-Regierung von Donald Trump zeigt sich Transparency International überdies zusätzlich besorgt: Der Präsident habe im Wahlkampf zwar angekündigt, "den Sumpf trockenzulegen" - also Korruption zu bekämpfen. Aber wenn man seine bisherigen Aktionen anschaue, "gibt es da Vetternwirtschaft", sagte der Forschungsdirektor der Organisation, Finn Heinrich, der Nachrichtenagentur AP. "Die Leute in seinem Kabinett haben viele Interessenskonflikte. Sie stehen nicht für Transparenz ein."

In dem Bericht wurden 176 Länder unter die Lupe genommen. Nahezu 70 Prozent dieser Staaten kamen auf eine Zahl von unter 50 von insgesamt 100 Punkten. Null meint dieser Berechnung zufolge hochgradig korrupt; 100 wird als sehr sauber oder transparent wahrgenommen. "In diesem Jahr sind mehr Länder auf dem Index abgerutscht als sich verbessert haben", schreiben die Autoren des Reports. Dies zeige, dass dringend gehandelt werden müsse.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Januar 2017 um 07:00 Uhr.

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