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Einschätzung zum Konflikt zwischen Nord- und Südkorea

Zu Gesprächen gibt es keine Alternative

Südkorea ringt im Konflikt mit dem verfeindeten Norden um den richtigen Kurs: Zwar hat Präsident Lee seinen Ton verschärft. Doch im Fall eines Krieges stünde zu viel auf dem Spiel. Eine militärische Auseinandersetzung widerspricht zudem den Interessen Chinas und der USA.

Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Das See-Manöver zwischen den USA und Südkorea wird wie geplant fortgesetzt. Die Kriegsrhetorik scheint aber ein wenig nachzulassen, wenn auch die diplomatischen Bemühungen Chinas bisher keine Früchte tragen. Noch wollen sich die USA, Südkorea, aber auch Japan nicht wieder an den Verhandlungstisch mit Nordkorea setzen.

Südkoreanischer Soldat tritt auf Flagge Nordkoreas
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Die Stimmung der Südkoreaner gegenüber dem Norden wird zunehmend aggressiv.

Die große Mehrheit der südkoreanischen Bevölkerung ist mittlerweile der Meinung, dass die Armee nach dem tödlichen Artillerie-Angriff der Nordkoreaner schneller und deutlicher hätte zurückschlagen müssen. Vor weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen schrecken viele Menschen im Süden aber zurück. Zu viel steht für sie auf dem Spiel, angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung, die Südkorea in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hat. Südkorea ist eine boomende Exportmacht mit sehr gut ausgebildeten und hochmotivierten Menschen. Dieser selbst erarbeitete Reichtum wäre wieder verloren, sollte die koreanische Halbinsel wie schon in den 1950er-Jahren in einen alles zerstörenden Krieg hineingezogen werden.

Begrenzte, militärische Schläge des Südens kann Nordkorea nach seinem Selbstverständnis nicht hinnehmen. Schon um die Legitimation der herrschenden Familie Kim zu sichern, müsste dann tatsächlich der erbarmungslose Gegenangriff folgen. Wahrscheinlich deshalb hat der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak bei seiner Ansprache zwar deutliche Worte der Warnung ausgesprochen, aber keine konkreten Handlungen erwähnt.

Südkoreas Präsident Lee hat Politik der Kooperation aufgekündigt

Es ist notwendig und richtig, den nordkoreanischen Angriff, bei dem auch Zivilisten ums Leben gekommen sind, aufs schärfste zu verurteilen. Aber bei den jüngsten Provokationen Nordkoreas darf nicht vergessen werden, dass es von 2000 bis 2008 eine Phase der relativen Stabilität zwischen den beiden koreanischen Staaten gab. Die damalige Politik der Kooperation hatte Lee nach seinem Amtsantritt aufgekündigt. Wie die USA forderte er zuerst eine Aufgabe des nordkoreanischen Atomprogramms, ehe sich der Süden weiter engagieren wollte.

An einem Krieg haben auch die USA und China kein Interesse

Semmanöver der südkoreanischen und US-Marine
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Südkoreaner und die USA führen ihr Seemanöver trotz der angespannten Lage durch.

Präsident Lee weiß, dass diese Politik der harten Haltung von späteren Generationen auf ihre Wirkung hin untersucht werden wird. Seiner Überzeugung nach wird das Regime in Nordkorea dann zusammenbrechen, wenn es von den Hilfslieferungen abgeschnitten und international isoliert wird. Selbst wenn die Volksrepublik China als der engste Verbündete Nordkoreas diesen Kurs unterstützen würde, ist die nordkoreanische Bevölkerung an Entbehrungen gewöhnt, schreibt die Ideologie der Kims sogar vor, dass das Land entweder ruhmreich bleibt oder mit seinen Führern zugrunde gehen muss. Eine Opposition in Nordkorea, das sind sich alle Experten einig, existiert derzeit nicht. Bräche auf der koreanischen Halbinsel ein echter Krieg aus, stünden sich zwangsläufig auch die USA und China militärisch gegenüber. Daran aber haben beide Großmächte kein Interesse.

Lösung am Verhandlungstisch

Die nordkoreanischen Atomwaffen sind eine Bedrohung, auch für die asiatische Region. Aber mit seinen nuklearen Ambitionen zielte Nordkorea immer auf die USA, die es endlich zu direkten Verhandlungen, zu einem Friedensvertrag zwingen wollte. Da sich der jetzige südkoreanische Präsident im Gegensatz zu seinen Vorgängern so eng an die USA anlehnt, liegt der Ball in Washington, kann es am Ende zu Gesprächen in welchem Rahmen auch immer überhaupt keine Alternative geben.

Hintergrund

Auf der koreanischen Halbinsel stehen sich am 38. Breitengrad mehrere Hunderttausend verfeindete Soldaten gegenüber. Die massiv gesicherte Waffenstillstandslinie trennt dort den kommunistischen Norden vom westlich orientierten Süden. Nach dem Koreakrieg 1953 hat es nie einen Friedensvertrag gegeben.

1953 wurde quer durch Korea eine rund 240 Kilometer lange und vier Kilometer breite "Entmilitarisierte Zone" geschaffen. Im Grenzdorf Panmunjom mit einer "Gemeinsamen Sicherheitszone" gibt es Gespräche zwischen den verfeindeten Seiten in Gebäuden mit je einer Tür nach Norden und einer nach Süden. Mitten durch die Häuser verläuft faktisch die Grenze

An der Westküste beider Staaten im Gelben Meer schließt sich am 38. Breitengrad eine rund 200 Kilometer lange Seegrenze an. Ein Kommandant der UN-Truppen legte 1953 diese "Northern Limit Line" einseitig fest. Die Insel Yeonpyeong im Gelben Meer gehört demnach zu Südkorea. Nordkorea hat die Seegrenze aber nie anerkannt.

Auf der Insel hat die südkoreanische Armee einen Stützpunkt. Sie wurde bereits mehrfach Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen südkoreanischer und nordkoreanischer Marine.

Stand: 30.11.2010 09:48 Uhr

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