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Ausland
Pastor Jones (Foto: AFP)
US-Medien debattieren über Umgang mit Pastor Jones
Debatte um Umgang mit Pastor Jones

Ein Provokateur im digitalen Zeitalter

Findet die Koran-Verbrennung statt oder nicht? Der evangelikale Pfarrer Jones gibt ein Dementi nach dem anderen. Was auch immer er am Ende tun wird, schon mit der Ankündigung hat die kleine Gemeinde in Florida weltweit für Aufruhr gesorgt. Die US-Medien debattieren, wie viel Anteil sie daran haben.

Von Nicole Markwald, ARD-Hörfunkstudio Washington

Für viele Journalisten in den USA war die Nacht lang. Der radikale Pastor Terry Jones aus Gainesville Florida blies zunächst seine für den 11. September geplante Koran-Verbrennung ab. Er habe einen Deal mit dem New Yorker Imam Feisal Abdul Rauf machen können, behauptete Jones völlig überraschend. Rauf habe sich bereit erklärt, das umstrittene islamische Kulturzentrum nun doch nicht nahe Ground Zero zu errichten, deshalb verzichte er darauf, den Koran anzuzünden.

Audio: Debatte um den medialen Umgang mit Pastor Jones

AudioNicole Markwald, HR-Hörfunkstudio Los Angeles 10.09.2010 21:47 | 3'18
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Doch diese angebliche Einigung wurde kurz darauf aus New York dementiert und Pastor Jones zog nun erneut in Erwägung, sein Feuer zu entfachen. Was denn nun, fragen die Moderatoren im Frühstücksfernsehen. Momentan sei die Veranstaltung ausgesetzt, heißt es nun aus Florida.

Jones einfach ignorieren?

In den amerikanischen Medien ist parallel eine andere Diskussion ins Rollen gekommen: Hätte man Pastor Jones und seinen Plan, den Koran zu verbrennen, vielleicht einfach ignorieren sollen? Der republikanische Stratege John Feehery meint: Ja! Es gebe so viele Verrückte, jeder hätte ihn ignorieren sollen und die Diskussion hätte im Internet bleiben sollen, wo sie hingehört, so Feehery im Fernsehsender CNN.

Wegsehen in den Zeiten des Internets nicht möglich

Das sei in der heutigen Zeit völlig unmöglich, kontert CNN-Kommentatorin Donna Brazile. "Heutzutage werden rund um die Uhr Nachrichten produziert. Leute schicken einen Satz über Twitter und erreichen damit Millionen. Wir konnten bei dieser Provokation von Pastor Jones, den Koran zu verbrennen, nicht wegsehen."

Terry Jones (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Terry Jones soll alleine im Juli und August mehr als 150 Interviews gegeben haben. ]
Die "New York Times" analysiert, dass der ständige Bedarf für frische Nachrichten das ideale Ventil für den radikalen Pastor ist. Mehr als 150 Interviews habe dieser allein im Juli und August gegeben. Einem ersten Artikel in der Lokalzeitung "The Gainesville Sun" folgten eine Meldung der "Associated Press", die wiederum von der Zeitung "USA Today" und dem arabischen Nachrichtensender "Al Arabija" übernommen wurde. Ende Juli tauchte Terry Jones erstmals im Fernsehen auf. Nun hält er die ganze Welt in Atem.

Mehr Journalisten als Teilnehmer am Gottesdienst

Regierungssprecher Robert Gibbs stellte bei einer Pressekonferenz die Verhältnismäßigkeit der Berichterstattung in Frage: "Hier in dem Raum sind mehr Menschen als bei einem Gottesdienst von Terry Jones. Einen Fernsehübertragungswagen vor die Kirche mit dem Banner zur Koranverbrennung zu stellen und ihm dieses Forum zu geben - worin steckt da der Nutzen?", fragt der Regierungsbeamte.

Doch die Nachrichtensender hatten da bereits eigene Entscheidungen getroffen. Sowohl CNN als auch Fox News und Associated Press gaben bekannt, keine Bilder vom brennenden Koran zeigen zu wollen. Die Freiheit zu berichten, schließe die Freiheit, auf bestimmte Berichte zu verzichten, mit ein, sagte Bill Keller, Chefredakteur der New York Times. Vielleicht sei man mit der ganzen Situation falsch umgegangen, räumt auch der demokratische Politikberater James Carville ein. Pastor Jones sei ein Schwachkopf, sagt Carville. Allerdings ein Schwachkopf, der vielen Menschen viel Ärger beschert hat.

Stand: 10.09.2010 21:01 Uhr
 

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