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Bei Ausschreitungen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind 24 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 200 weitere wurden bei den Kämpfen zwischen koptischen Christen, Muslimen und Sicherheitskräften verletzt. Für Teile Kairos galt eine nächtliche Ausgangssperre. Unterdessen nahmen die ägyptischen Behörden Dutzende Menschen fest. Ob es sich bei den Festgenommenen um Christen oder Muslime handelt, ist nicht bekannt.
Von Jürgen Stryjak, ARD-Hörfunkstudio Kairo
Am Sonntagnachmittag marschieren mehrere Hundert koptische Christen aus dem Stadtteil Shubra zum Gebäude des Staatsfernsehens. Dort wollen sie friedlich gegen die jüngsten Übergriffe auf Kirchen im Land demonstrieren. Sie fordern vom Militär die Absetzung des Gouverneurs der Provinz Assuan. Hier wurde vor anderthalb Wochen der Neubau einer Kirche von radikalen Muslimen zerstört, die behaupten, dass es für ihn keine Genehmigung gebe. Die Kopten wollen, dass die Schuldigen bestraft werden. In Sprechchören fordern sie den Rücktritt von Feldmarschall Tantawi. Er steht dem Hohen Militärrat vor und hat die Macht im Land.
Am frühen Abend eskaliert die Situation. Es kommt zu Straßenschlachten, die in den Medien später als die gewalttätigsten seit dem Rücktritt von Ex-Präsident Husni Mubaraks bezeichnet werden. Was sie auslöst, ist unklar.
Soldaten, die das Fernsehgebäude bewachen, sollen aus den Reihen der koptischen Demonstranten mit Steinen beworfen worden sein. Das Militär habe daraufhin versucht, die Demonstration mit Gewalt aufzulösen.
Ob das stimmt, wird kaum geklärt werden können. Tatsache ist, dass von Beginn an Schlägertrupps in Zivil mit Knüppeln auf Christen einprügeln. Sie werfen Steine und Brandbomben und treiben die Demonstranten in die Seitenstraßen. Mindestens sieben Fahrzeuge, darunter ein Bus, werden angezündet und brennen aus. Das Militär schießt eine Viertelstunde lang ununterbrochen in die Luft. Soldaten machen Jagd auf Demonstranten und prügeln mit enormer Brutalität auf sie ein. Ein gepanzertes Militärfahrzeug fährt in eine Menschenmenge. Insgesamt sollen 24 Menschen getötet worden sein, unter ihnen auch Soldaten. Das Staatsfernsehen berichtete, dass einer der Soldaten von einem Demonstranten erschossen wurde.
Bis in die Nacht hinein halten die Straßenschlachten in benachbarten Vierteln an, unter anderem am Ägyptischen Museum. Die Armee verhängt eine Ausgangssperre. Für heute hat sie das Kabinett zu einem Dringlichkeitstreffen einberufen.
Im Programm des Fernsehsenders Al-Dschasira appellierte der populäre muslimische Prediger Al-Qaradawi am Abend an seine Landsleute. Es gebe keinerlei Rechtfertigung dafür, sich gegenseitig zu töten. Christliche wie muslimische Ägypter seien Söhne ein und desselben Landes.
Das Staatsfernsehen machte hingegen Stimmung gegen die Christen. Sie seien für den Gewaltausbruch verantwortlich. "Soldaten zu töten, sei verwerflich", sagte Hassan Abu Saada, der als Politologe vorgestellt wird, dem Fernsehsender Nile TV. Die christlichen Demonstranten hätten sich auf die Gewalt vorbereitet. Sie müssten hart bestraft werden. Es sei Zeit dafür, die Notstandsgesetze gegen sie einzusetzen.
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