Der koptische Papst Tawadros II. mit Ägyptens Staatspräsidenten Abdel Fattah al-Sisi | Bildquelle: AFP

Koptische Weihnachten in Ägypten Heiligabend unter strengen Sicherheitsvorkehrungen

Stand: 06.01.2018 22:50 Uhr

Begleitet von strengen Sicherheitsvorkehrungen haben die Kopten in Ägypten Heiligabend gefeiert. Der koptische Papst Tawadros II. zelebrierte eine Messe in einer neuen Kathedrale im Beisein von Staatspräsident Al-Sisi, der ein Zeichen gegen den Terror im Land setzen wollte.

Die koptischen Christen in Ägypten haben Heiligabend gefeiert. Zu einer Messe mit dem koptischen Papst Tawadros II. und Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi in Kairo kamen Hunderte Gläubige erstmals in einer neuen Kathedrale östlich von Kairo zusammen.

Die Veranstaltung war von strengen Sicherheitsvorkehrungen begleitet und diente als provisorische Einweihung des Gotteshauses. Sie sei eine Botschaft des Friedens, der Sicherheit und der Liebe aus Ägypten an die ganze Welt, sagte Al-Sisi. Die Kopten feiern das Weihnachtsfest am 7. Januar.

Die größte Kirche im Nahen Osten

Die noch im Bau befindliche Kathedrale trägt den Namen Christi Geburt und liegt rund 45 Kilometer von Kairo entfernt in Ägyptens neuer Verwaltungshauptstadt, die dort errichtet wird. Bislang ist erst rund die Hälfte des Gebäudes fertiggestellt. Nach Abschluss der Bauarbeiten sollen dort mehr als 8000 Gläubige Platz finden, wie es in ägyptischen Medienberichten heißt. Es handelt sich demnach um die größte Kirche im Nahen Osten.

Ägypten gilt als Wiege des christlichen Mönchtums. Doch die Christen des Landes sind in Gefahr. Allein seit Dezember 2016 haben Terroristen bei Angriffen auf Kirchen und auf Gläubige mehr als hundert Menschen getötet. Al-Sisi hatte nach einem schweren Anschlag auf eine Kirche nahe der Markus-Kathedrale in Kairo im Dezember 2016 mit mehr als 25 Toten die Errichtung der neuen Christi-Geburt-Kathedrale angeordnet. Sie soll ein Symbol für die Koexistenz und die Einheit des nordafrikanischen Landes sein.

Der Staatspräsident beschwört immer wieder die Einheit von Muslimen und Christen im Land. Ägyptische Menschenrechtler, auch koptische, werfen seinem Regime allerdings vor, dass es beim Kampf gegen muslimischen Extremismus und beim Schutz der Christen nur zwei Mittel kenne: den repressiven Polizeistaat sowie demonstrative Aktionen wie etwa der Bau der neuen Kirche. Doch die Probleme sitzen tiefer. Christen werden in vielen Gesellschaftsbereichen immer noch benachteiligt.

Ein koptischer Priester in dem Kloster des Heiligen Simon, dem Gerber im Osten Kairos | Bildquelle: REUTERS
galerie

Ein koptischer Priester an Heilig Abend in dem Kloster des Heiligen Simon, dem Gerber - im Osten Kairos.

Kopten zweifeln am Sicherheitsapparat

Aus Angst vor Terroranschlägen verschärfte Ägyptens Regierung zum koptischen Weihnachtsfest die Sicherheitsmaßnahmen für Kirchen massiv. Immer mehr Kopten bezweifeln allerdings, dass Al-Sisis Sicherheitsapparat überhaupt dazu fähig ist, sie zu beschützen.

Bei einem Angriff auf eine Kirche bei Kairo kurz vor dem Jahreswechsel wurden sieben Menschen getötet, darunter ein Polizist, der die Kirche bewachte. Nach der Tat war der Attentäter noch eine knappe Viertelstunde lang unbehelligt in dem Viertel unterwegs - bevor er von einem muslimischen Zivilisten überwältigt wurde. Der Imam der Nachbarmoschee soll zuvor, so berichteten ägyptische Medien, über Lautsprecher dazu aufgerufen haben, die Kirche zu verteidigen. Im Frühjahr 2017 waren bei einem Doppelanschlag auf zwei Kirchen mehr als 40 Menschen getötet worden. Wie zu dem Angriff im Dezember des Jahres zuvor bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" auch zu diesem Terrorakt.

Christen machen nach Schätzungen rund zehn Prozent der mehr als 90 Millionen Ägypter aus.

Mit Informationen von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Frieden hinter Mauern - Kloster des Heiligen Bishoi in Ägypten
Jürgen Stryjak, ARd Kairo
06.01.2018 21:00 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Januar 2018 um 07:50 Uhr.

Darstellung: