Umstrittener Aktionstag gegen Kony Uganda kämpft um sein Image

Stand: 20.04.2012 01:10 Uhr

Millionen Menschen sahen den Film "Kony 2012", mit dem eine US-Organisation den ugandischen Milizenchef Kony vor Gericht bringen will. Für heute ist ein weltweiter Aktionstag geplant. Doch Uganda ist wenig erfreut über die Aktion. Daher hat das Land eine eigene Kampagne gestartet.

Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Ostafrika

Joseph Kony | Bildquelle: dapd
galerie

Ziel der Aktion ist es, den ugandischen Milizenchef Kony vor Gericht zu bringen.

Der Aufruf zum Aktionstag am 20. April ist wie alles andere im Film "Kony 2012": Ein bisschen dramatisch, ein bisschen übertrieben, aber doch mitreißend - vor allem für junge Leute. Am Abend sollen sie auf die Straße gehen. Sie sollen Plakate kleben und Wände besprühen. Weltweit. Das alles soll helfen, den ugandischen Milizenchef Joseph Kony zu schnappen. Der Film der Organisation "Invisible Children" über ihn hat einen Hype im Internet ausgelöst. Millionen sahen sich das Video an.

Der große Zuspruch, aber auch die Kritik an dem Film sind Thema in "Kony 2012 - Teil Zwei". Viele hatten bemängelt, dass die Lage in Uganda falsch dargestellt wird. Kony und seine so genannte "Lord's Resistance Army" - die Widerstandsarmee des Herrn - hatten dort rund 20 Jahre lang die Bevölkerung terrorisiert. Zehntausende Kinder wurden von den Kämpfern entführt und zu Soldaten gemacht.

"Was haben wir davon?"

Kony wird deswegen und wegen anderer Verbrechen vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht. Im Video scheint es, als habe sich die Lage bis heute nicht verändert. Das führte in Uganda zu wütenden Protesten. Eine Vorführung des Films musste abgebrochen werden. "Was haben diese Leute getan, als wir tatsächlich gelitten haben?", fragt ein Opfer der Miliz. "Jetzt leiden wir nicht mehr, aber es gibt dieses Video. Es macht Kony bekannt - nur was haben wir davon?"

Der Milizenchef ist seit Jahren untergetaucht. Viele vermuten ihn jetzt in der Zentralafrikanischen Republik. Einige seiner Kämpfer treiben ihr Unwesen noch im Osten des Kongo. Der Norden Ugandas versucht dagegen, wieder auf die Beine zu kommen.

"Uganda, wie es wirklich ist"

Als Reaktion auf "Kony 2012" hat die ugandische Regierung selbst einen Film produziert. Darin erzählt eine junge Frau über das ostafrikanische Land. Denn die Leute sollten schließlich die Wahrheit wissen. Der Film heißt "Visible Uganda" - eine Anspielung auf den Namen der Organisation "Invisible Children", aber zugleich der Hinweis, dass Uganda sich nicht verstecken will. Ministerpräsident Amama Mbabazi will das große Interesse nutzen, um für sein Land als Wirtschaftsstandort und sogar als Urlaubsziel zu werben. "Alles hat auch sein Gutes. Weil mehr als 100 Millionen Leute "Kony 2012" gesehen haben, ist Uganda plötzlich in aller Munde. Also nutzen wir jetzt die selben Wege, um den Menschen zu sagen, wie Uganda heute ist."

Zuschauer in Uganda bei einer Vorführung des Films "Kony 2012" | Bildquelle: REUTERS
galerie

Zuschauer in Uganda bei einer Vorführung des Films "Kony 2012".

Im Video der Regierung sind grüne Landschaften zu sehen, schicke Hochhäuser mit funkelnden Glasfassaden und glückliche Menschen. Ein geschöntes Bild. Trotzdem kommt dieser Film bei vielen Ugandern besser an als "Kony 2012". "Mir gefällt das Konzept von 'Visible Uganda'", sagt ein Mann in der Hauptstadt Kampala. "Wir brauchen mehr Filme in dieser Art, die all das Schöne und die liebenswerten Menschen zeigen."

"Wo sonst Terror und Angst herrschte, haben wir jetzt schon mehr als sechs Jahre Frieden erfahren", sagt die Hauptperson im Video der Regierung. "Mein Name ist Ann, ich komme aus dem Norden und ich zeige euch mein Uganda." Bisher guckt ihr dabei allerdings kaum jemand zu. Während "Kony 2012" alle Rekorde bei den Klickzahlen gebrochen hat, wollten "Visible Uganda" bisher gerade einmal knapp 2000 Leute sehen.

Darstellung: