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Rebellen im Kongo verüben Gräueltaten
Gewaltmarsch auf Kinshasa
Im Kongo zieht die Rebellengruppe M23 weiter in Richtung Kinshasa - unter einem Anführer, dem der Internationale Strafgerichtshof Morde, Vergewaltigungen und den Einsatz von Kindersoldaten vorwirft. Die Menschen im Land sind nervös. Präsident Kabila zeigt sich dennoch kompromissbereit.
Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi
Die Rebellen feiern ihren Sieg: "Präsident Kabila hat Kampfflugzeuge und Waffen gekauft", sagt der Sprecher der M23. Aber er habe es nicht geschafft, die Kämpfer aufzuhalten. Am Dienstag hatte die Rebellengruppe die Provinzhauptstadt Goma im Osten des Kongo eingenommen. Von dort aus wollen sie nun weitere Landesteile erobern. Ihr Marsch geht zunächst Richtung Süden. Doch sie sagen, dass sie bis in die Hauptstadt Kinshasa wollen.
Kongo: Rebellen weiter auf dem Vormarsch
A. Diekhans, ARD Nairobi
22.11.2012 13:09 Uhr
Kabila steht unter Druck
Der kongolesische Präsident Joseph Kabila ist unter Druck. Manche meinen, seine Zeit sei schon abgelaufen. Vermutlich auch deswegen zeigt sich der Präsident plötzlich kompromissbereit. Er will den Beschwerden der M23 nachgehen. Diese sagen, die kongolesische Führung halte sich nicht an die Vereinbarungen eines Friedensabkommens mit den Rebellen von 2009. Kabila will das jetzt prüfen: "Wir haben einen Bericht darüber bekommen, was in den vergangenen Jahren unternommen wurde", sagt er. "Auf dieser Grundlage werden wir über Kontakte zwischen der Regierung und der M23 entscheiden."
Die Frage ist allerdings, ob die Rebellen an den Gesprächen noch interessiert sind. Die Gruppe, der erst nur ein paar hundert Mann angehörten, wächst jeden Tag. Regierungssoldaten und Polizisten laufen zur M23 über.
Es gibt Hinweise, dass die Kämpfer auch Kinder rekrutieren. Der UN-Gesandte für den Kongo, Roger Meece, unterrichtete den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zudem über Gräueltaten der Rebellen: "Wir haben mehrere Berichte über gezielte Hinrichtungen bekommen", so Meece. "Sie haben Regierungsvertreter und Stammesführer getötet, die nicht bereit waren, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Wir hören auch von sexueller Gewalt und anderen schweren Verstößen gegen die Menschenrechte."
Rebellenführer wegen schwerster Vergehen gesucht
Die M23 besteht aus früheren Armeesoldaten, die Anfang des Jahres desertiert sind. Ihr Anführer Bosco Ntaganda, genannt der "Terminator", wird vom Internationalen Strafgerichtshof bereits wegen des Einsatzes von Kindersoldaten gesucht. Ihm werden auch Morde und Vergewaltigungen vorgeworfen.
Die Rebellen sind Tutsi - genau wie die Regierung des Nachbarlandes Ruanda. Der Kongo wirft der Führung in Kigali vor, die M23 zu unterstützen und mit Waffen zu versorgen. Der ruandische Präsident Paul Kagame wies das nach Gesprächen mit Kabila in Uganda erneut weit von sich: "Mit den Problemen im Kongo müssen die Kongolesen selbst fertig werden - so ist es und so sollte es bleiben. Die anderen Probleme haben mit der Wahrnehmung zu tun. Aber wir sind zusammengekommen, um darüber zu sprechen." Greifbare Ergebnisse hat das Treffen der Präsidenten nicht gebracht.
"Die Leute sind nervös"
Im Südosten des Kongo bereiten sich die Menschen auf den Ansturm der Rebellen vor. Jean-Christophe Pegon, der für die Europäische Kommission dort ist, berichtet über die Lage in Bukavu, der Hauptstadt der Provinz Süd-Kivu: "Die Leute sind nervös. Sie stellen sich auf das Schlimmste ein. Sie kaufen Nahrungsmittel und Benzin, um eine Belagerung durchzustehen."
Der letzte Rebellenführer, der es tatsächlich schaffte, bis nach Kinshasa zu ziehen, war Laurent Kabila - der Vater des heutigen Präsidenten.
Stand: 22.11.2012 12:17 Uhr
