Rebellen im Kongo kündigen Vormarsch auf Hauptstadt Kinshasa an

Katastrophe im Osten Kongos befürchtet

Konflikt im Osten Kongos

Rebellen kündigen Vormarsch auf Kinshasa an

Nach der Einnahme der Stadt Goma im Ostkongo durch die Rebellenmiliz M23 hat der UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen deren Anführer verlangt. Die Rebellen drohten mit dem Vormarsch auf Kinshasa. Und die UN-Truppen im Land warten ab - sie wollen nicht in den Bürgerkrieg hineingezogen werden.

Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

Tausende Menschen haben sich im Stadion in Goma versammelt. In der Mitte stehen die Anführer der M23. Die Rebellengruppe hatte gestern die Provinzhauptstadt im Osten des Kongo eingenommen. Jetzt hat sie größere Pläne.

"Wollt ihr, dass wir hier stoppen? Oder sollen wir weiter marschieren?“, fragt der Sprecher der Rebellen. Ein großer Teil der Menge jubelt. Polizisten, die auch ins Stadion gekommen sind, geben ihre Waffen ab.

Bisher 2500 Kämpfer in Rebellentruppe

Die M23 bestand erst nur aus ein paar hundert Kämpfern. Jetzt wird ihre Zahl schon auf 2500 geschätzt. Nach Aussage der Rebellen schließen sich jeden Tag mehr frühere Regierungssoldaten oder Polizisten an.

Mit diesem Trupp will die M23 jetzt Richtung Kinshasa ziehen. Auch die Hauptstadt solle befreit werden, sagte ein Sprecher der Gruppe.

Rebellen drohen mit Marsch auf Kinshasa
A. Diekhans, ARD Nairobi
21.11.2012 16:20 Uhr

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Premierminister Ponyo ruft zur Ruhe auf

Der Weg ist zwar weit - vom Osten des Landes mehr als 1500 Kilometer. Aber die kongolesische Regierung hat schon jetzt Mühe, ihre Position zu verteidigen. In mehreren Städten des Landes gab es Demonstrationen und Kundgebungen gegen die Führung.

In Kisangani im Nordosten brannten Partei- und Regierungsgebäude. Premierminister Augustin Matata Ponyo rief zur Ruhe auf: "Die Regierung wird alles tun, um das Land zu sichern. Wir haben einen Kampf verloren, aber noch keinen Krieg. Am Ende werden wir mit Unterstützung der Kongolesen siegreich sein."

Entscheidende Rolle Ruandas

Der Osten des Kongo kam seit dem offiziellen Kriegsende 2003 nicht zur Ruhe. Zuvor hatten sieben Jahre lang heftige Kämpfe getobt. Zeitweise waren Armeen aus acht Ländern in die Auseinandersetzungen verwickelt. Auch damals hatte der Krieg mit einem Vormarsch von Rebellen begonnen.

Ob diesmal aus dem Funken ein Flächenbrand wird, hängt ganz entscheidend von Ruanda ab. Der Kongo beschuldigt das Nachbarland, die M23 zu unterstützen. Die Rebellenbewegung setzt sich vor allem aus Tutsi zusammen, genau wie die Regierung Ruandas. Der Präsident des Landes, Paul Kagame, weist die Vorwürfe zurück. Doch auch eine Expertengruppe der Vereinten Nationen fand Hinweise darauf, dass Ruanda die M23 mit Waffen beliefert.

Heute kamen Kagame und der kongolesische Präsident Joseph Kabila in Uganda zu Gesprächen zusammen. Ein letzter Versuch, die Krise vielleicht doch noch auf diplomatischem Weg zu beenden.

Blauhelmeinsatz im Kongo (Bildquelle: AFP)
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UN-Friedenstruppe mit mehr als 20.000 Blauhelmsoldaten im Osten Kongos

Flüchtlinge im Osten des Kongo (Bildquelle: AFP)
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Aus Angst vor den Rebellen flüchten immer mehr Menschen aus der Stadt Goma.

UN-Truppen warten ab

Die Vereinten Nationen, die im Osten des Kongo mit der MONUSCO die größte Friedensmission weltweit unterhalten, sind nicht mehr bereit, direkt einzugreifen. Die rund 1500 Soldaten in und um Goma verhalten sich abwartend. "Es ist nicht die Aufgabe von MONUSCO in einem Bürgerkrieg zu kämpfen“, verteidigte der Ständige Vertreter Frankreichs bei den Vereinten Nationen, Gerard Araud, die Entscheidung. "Die Blauhelme sollen nicht die Aufgaben einer nationalen Armee übernehmen."

Weil die Regierungsarmee in der Region nur noch ein trauriger Haufen ist, trifft die M23 zumindest vorläufig nicht auf Widerstand. Ihr nächstes Ziel ist Bukavu, die Hauptstadt der Provinz Süd-Kivu. Eine kleinere Stadt auf dem Weg dorthin haben die Rebellen schon erobert.

Rebellengruppe "M23" setzt Vormarsch fort
tagesschau 20:00 Uhr, 21.11.2012, Klaus Kunde-Nimöth, ARD Nairobi

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Stand: 21.11.2012 16:38 Uhr

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