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Konflikt im Osten Kongos
Rebellen nehmen Provinzhauptstadt Goma ein
Die Rebellen der Miliz M23 sind fast ungehindert in die Millionenstadt Goma im Osten des Kongo eingedrungen. Nachdem zuvor noch heftig gekämpft worden war, fielen nach Angaben von Augenzeugen nur noch vereinzelt Schüsse. Die Einwohner von Goma fürchten nun Morde und Plünderungen.
Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi
Es gab nicht mehr viel Widerstand. Fast ungehindert drangen die Rebellen der M23 in die Provinzhauptstadt Goma im Osten des Kongo ein. Nachdem zuvor noch heftig gekämpft worden war, fielen nach Angaben von Augenzeugen jetzt nur vereinzelt Schüsse.
Viele Soldaten der kongolesischen Armee sind inzwischen geflüchtet. Nichtsdestotrotz richtete der Kommandant der Regierungstruppen einen Appell an die Einwohner in Goma. "Ich rufe dazu auf, ruhig zu bleiben. Wir werden uns um die Bevölkerung kümmern", erklärte General Buhuma Ambamba. Auch der Flughafen und der Grenzübergang nach Ruanda fielen in die Hand der Rebellen.
Rebellen dringen in Provinzhauptstadt Goma im Ostkongo ein
A. Diekhans, ARD Nairobi
20.11.2012 15:19 Uhr
Zehntausende Menschen vertrieben
Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam berichteten, dass Hunderte Menschen versuchen, in das Nachbarland zu fliehen. Seit Beginn dieser Kämpfe sind nach Angaben der UN rund 60.000 Menschen vertrieben worden, viele von ihnen schon zum wiederholten Mal in ihrem Leben."Jedesmal wenn Krieg ausbricht, gibt es Morde und Plünderungen. Die Leute hier haben große Angst", sagt ein Einwohner von Goma.
Der Osten des Kongo ist sehr rohstoffreich - hier gibt es Diamanten, Kupfer und das für die Mobilfunkindustrie so wichtige Coltan. Rebellengruppen kämpfen seit Jahren um Zugang zu den Minen und terrorisieren die Bevölkerung.
Goma galt allerdings bisher als vergleichsweise sicher, weil hier die UN-Blauhelm-Soldaten ihren Hauptstützpunkt hatten. Etwa 1.500 Kräfte sind in der Provinzhauptstadt stationiert. Die Mission ist mit insgesamt rund 20.000 Kräften die größte weltweit. Bei den Auseinandersetzungen jetzt geht es auch um den Zugang zu Rohstoffen.
Unterstützt Ruanda die Rebellen?
Hintergrund ist aber vor allem der alte Konflikt zwischen Hutu und Tutsi. Die M23 setzt sich aus Tutsi zusammen – genau wie die Regierung des benachbarten Ruanda. Der Kongo beschuldigt die ruandische Führung darum, die Rebellen zu unterstützen. Auch eine Expertengruppe der Vereinten Nationen fand Hinweise darauf.
Ruanda wiederum wirft Kongo vor, gestern eine Grenzstadt wenige Kilometer von Goma entfernt angegriffen zu haben. „Das ist eine Tatsache: Die kongolesische Armee hat Gisenyi mit Panzergeschossen und Granaten attackiert. Es ist eine sehr unbefriedigende Situation, dass Kongo unser Territorium bombardiert", erklärt ein Sprecher der ruandischen Armee.
Die Auseinandersetzungen um Goma drohen sich zu einem Konflikt zwischen den Nachbarländern auszuweiten. Als Vermittler soll jetzt Uganda eingeschaltet werden. Der kongolesische Präsident Joseph Kabila machte sich auf den Weg zu Gesprächen mit Staatschef Museveni.
Stand: 20.11.2012 16:14 Uhr
