Seitenueberschrift
Rebellen auf dem Vormarsch
Katastrophe im Osten Kongos befürchtet
Auch wenn der Völkermord in Ruanda schon fast 20 Jahre zurückliegt, schwelt der Konflikt zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi weiter. Im Nachbarland Kongo wird wieder gekämpft. Die M23-Miliz - von Tutsi geprägt - des gefürchteten Rebellenchefs "Terminator" ist im Osten des Landes auf dem Vormarsch.
Vor den Kämpfen zwischen der M23 und der Armee sind Tausende Zivilisten auf der Flucht. Auch die in der Region stationierten UN-Blauhelmtruppen griffen in die Kämpfe ein.
Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi
Die Rebellen stehen in Sichtweite von Goma. Auf einem Hügel vor der Provinzhauptstadt im Osten des Kongo haben sie ihre Stellungen aufgebaut. Die Vereinten Nationen fürchten, dass die Stadt bald fallen könnte.
Am Wochenende beriet der Sicherheitsrat auf einer Dringlichkeitssitzung über die Lage. Der Vorsitzende, Hardeep Singh Puri, sagte: "Wir sind sehr besorgt darüber, wie schnell die Krise sich zuspitzt. Der Sicherheitsrat verurteilt die Angriffe der M23 und fordert, dass die Rebellen ihren Vormarsch auf Goma stoppen. Wir verlangen, dass jede Unterstützung für die M23 sofort eingestellt wird."
UNO warnt vor humanitärer Katastrophe im Kongo
tagesschau 20:00 Uhr, 19.11.2012
Der "Terminator" - gesucht wegen Kriegsverbrechen
Die M23-Miliz besteht zu einem großen Teil aus früheren Regierungssoldaten. Anfang des Jahres desertierten sie aus der Armee. Einer ihrer Anführer ist Bosco Ntaganda, der unter dem Namen "Terminator" bekannt ist. Er wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen gesucht.
20.000 Blauhelmsoldaten mit robustem Mandat
Den Rebellen steht die Armee gegenüber, die von Kräften der Vereinten Nationen unterstützt wird. Im Osten des Kongo ist die größte UN-Friedenstruppe mit mehr als 20.000 Blauhelmsoldaten stationiert. Die Mission hat inzwischen ein sehr robustes Mandat.
Mit Angriffen aus der Luft versuchten die UN-Kräfte am Wochenende, den Vormarsch der M23 aufzuhalten. Doch die Rebellen kamen trotz einiger Verluste weiter voran. Der Sprecher der UN-Truppen, Kieran Dwyer, erklärte: "Sie können jederzeit wieder im Dschungel verschwinden. Wenn sie sich gesammelt haben, kommen sie raus und kämpfen. In den vergangenen zwei Tagen hat sich die Situation rapide verschlechtert. Die UN-Friedenstruppen versuchen, die Gebiete um Goma zu sichern und vor allem auch die vielen Flüchtlinge in der Region zu schützen. Allein 60.000 sind durch diese Angriffe vertrieben worden."
Rebellen im Osten des Kongo auf dem Vormarsch
A. Diekhans, ARD Nairobi
19.11.2012 10:49 Uhr
Hintergrund der Gewalt: Konflikt zwischen Hutu und Tutsi
Hintergrund der Auseinandersetzungen im Osten des Kongo sind die Konflikte zwischen Hutu und Tutsi, die seit dem Völkermord in Ruanda 1994 noch immer anhalten. Die M23 ist von den Tutsi geprägt, genau wie die Regierung des Nachbarlandes.
Es gibt Hinweise, dass die Rebellen ihre Waffen von dort bekommen. "Zu diesem Zeitpunkt können wir nicht mit Bestimmtheit sagen, ob Ruanda in die Angriffe verwickelt ist oder nicht", erklärt der Chef aller UN-Friedensmissionen Hervé Ladsous, "aber die M23 ist sehr gut ausgerüstet. Die Kämpfer setzen Nachtsichtgeräte ein und Granatwerfer, die sie bis vor kurzem nicht hatten. Das ist eine Tatsache."
Für die Regierung ist Ruanda der Feind
Für die Führung des Kongo steht fest, dass Ruanda die M23 unterstützt. Regierungssprecher Lambert Mende beschreibt die Auseinandersetzungen schon jetzt wie einen Grenzkrieg mit dem Nachbarland: "Wir werden gewinnen. Auch wenn es Jahre dauert - Ruanda wird niemals die Kivu-Region einnehmen."
Die vergangene Nacht war für die Einwohner von Goma vergleichsweise ruhig. Es waren nur vereinzelt Schüsse zu hören. Die Rebellen scheinen ihre Stellungen vorerst zu halten, bevor sie entscheiden, ob sie weiter angreifen.
Stand: 19.11.2012 11:24 Uhr
