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Kommentar

Nach dem Anschlag in Damaskus

Kämpfen bis zum bitteren Ende

Von Jens Wiening, ARD-Hörfunkstudio Amman

Das Regime von Präsident Baschar al Assad ist am Ende. Es geht nur noch um die Frage: Wie lange hält sich der Präsident und sein Machtapparat? Niemand kann da eine ernsthafte Prognose geben, ob das letzte Zucken Stunden, Tage, Wochen oder vielleicht auch noch Monate dauern wird. Klar ist nur: Es wird viele Opfer geben. Vor allem unter der Zivilbevölkerung.

Assad steht mit dem Rücken zur Wand. Die Opposition verweigert alle Gespräche mit ihm und seinem Regime. Er selbst wird auch keine führen wollen - eine politische Lösung bedeutet automatisch auch sein Ende. Also geht er weiter mit aller Gewalt gegen die Opposition vor. Und da liegt sein Dilemma: Er kann auch diesen Kampf nicht mehr gewinnen, es würde nie ein Ende geben. Also wird er bis zum bitteren Ende kämpfen. Getreu dem Motto: Wenn ich Syrien nicht haben darf, bekommt ihr es erst Recht nicht. Gaddafi lässt grüßen.

Kommentar: Assad ist am Ende, UNO muss Nachfolge regeln
J. Wiening, ARD Amman
19.07.2012 20:53 Uhr

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Die  Rebellen sind eigentlich zu schwach, um gegen das Militär zu gewinnen. Der Anschlag auf den inneren Machtzirkel Assads war der Katalysator für den Zerfall des Regimes, den sie gebraucht haben. Dieser Anschlag ist für sie mehr wert, als ein paar Siege bei den Straßenkämpfen im Land. Bis zu dem Tag waren es einfache Soldaten, ein paar Offiziere und Generäle die desertiert sind. Alles außerhalb des eigentlichen Machtbereichs.

Die Angst geht im inneren Machtzirkel um

Seit dem Attentat ist der Konflikt ganz unmittelbar ganz oben in der Regierung angekommen. Wer ist der Verräter? Wem kann ich trauen? Jeder im Regime weiß: Er kann selbst ein Opfer dieses Konflikts werden. Es dürfte die blanke Angst im innersten Zirkel der Macht umgehen. Niemand dort kann dort noch einen Kaffee trinken, ohne sich die Frage zu stellen, ob vielleicht Gift im Glas ist.

Als der neue Verteidigungsminister nur ein paar Stunden nach dem Tod des alten seine ersten Worte im Staatsfernsehen kund tat, hatte er einen seltsamen Blick. Er sah ein bisschen so aus als würde er mit seinen Augen sagen: Ich will diesen Posten überhaupt nicht haben. Selbst der Präsident dürfte schwer getroffen sein. Er hat ein Familienmitglied verloren - näher geht nicht mehr. Näher ist nur noch der Bruder des Präsidenten oder der Präsident selbst.

Auch die Opposition hat sich entschieden: Nieder mit dem Regime mit aller Gewalt. Wenn niemand von außen hilft, dann machen wir es eben selbst. Auch die Rebellen zeigen jetzt ihr hässliches Gesicht. Auch Sie nehmen inzwischen Opfer in der Zivilbevölkerung nur noch mit einem müden Schulterzucken in Kauf.

Hilfe von außen ist nicht mehr möglich

Die internationale Gemeinschaft kann Syrien nicht mehr aus diesem Konflikt retten. Es gab eine Zeit für Druck auf Opposition und Regierung. Doch dieser Zeitpunkt wurde verpasst. Egal, was die UNO noch entscheidet - die Konfliktparteien haben sich entschieden, mit Gewalt zu klären, wer der Stärkere ist. Da helfen keine Resolutionen mehr.

Die internationale Gemeinschaft kann jetzt nur noch eines tun: die Zeit nach Assad regeln. Damit muss sie jetzt beginnen. Jetzt müssen die richtigen Leute aufgebaut werden, die Syrien vor einer Krise nach der Krise bewahren können. Nach dem Ende der jetzigen Kämpfe ist das Land mit Waffen überschwemmt - das totale Chaos droht. Nicht nur für Syrien. Der Konflikt dürfte übergreifen, erst in den Libanon und dann in weitere Nachbarländer.

Das zu verhindern, das ist die Aufgabe der Vereinten Nationen. Um die Formulierung von Resolutionen geht es schon längst nicht. Hoffentlich verpasst die UNO nicht auch noch diesen Zeitpunkt.

Stand: 19.07.2012 18:53 Uhr

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