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Kommentar

US-Präsidentschaftswahl

Der Kulturkampf hat erst begonnen

Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington, zurzeit in Tampa

Eins muss man Mitt Romney zu Gute halten: Der Mann verbiegt sich nicht, er versucht nicht, jemand zu sein, der er nicht ist. Immer wieder hatte es vor der Rede geheißen, Romney müsse den "Menschen Mitt" in den Mittelpunkt stellen, müsse unbedingt ausführlich über seinen mormonischen Glauben reden und dürfe gerne sehr gefühlsduselig werden - dem hat sich der Kandidat weitestgehend verweigert.

Zwar spickte er seine Rede mit persönlichen Anekdoten, aber er verlor nie seinen eigentlichen Fokus aus den Augen: die Lage der Wirtschaft. Der Mann, der da am Rednerpult stand, war nicht der Roboter-Romney, als der er so oft beschimpft wird, er war gut, aber er war nicht brillant. Wenn das die wichtigste Rede seines Lebens war, auf die er sich vorbereitet hat wie auf keine andere, dann haben wir wohl den besten Mitt Romney gesehen, den es zu sehen gibt. Ob das reicht, um die Wechselwähler in der Mitte der Gesellschaft zu erreichen, ohne die Romney im November nicht gewinnen kann, bleibt abzuwarten.

Kommentar: Üble Phase des Wahlkampfs steht noch bevor
S. Müller, HR Washington
31.08.2012 09:35 Uhr

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Aber wer weiß, vielleicht ist es diesen Wählern auch völlig egal, ob Romney ein hervorragender Redner ist, weil sie verstehen, dass dies kein Schönheitswettbewerb zwischen zwei Männern ist, sondern eine Wahl zwischen zwei sehr unterschiedlichen Zukunftsentwürfen für dieses Land. Denn das ist nach drei Tagen Parteitagsreden in Tampa klarer denn je. Wollen die Amerikaner so wenig Staat wie möglich mit geschrumpften Sozialleistungen für die Schwachen oder wollen sie bewahren, was noch existiert an sozialem Netz? Setzen sie auf pure Marktgläubigkeit oder legen sie dem Kapitalismus zumindest ansatzweise Zügel an? Wollen sie eine moderne Gesellschaftspolitik mit Homo-Ehe und dem Recht auf Abtreibung oder bleiben sie irgendwo im letzten Jahrhundert stehen?

Das sind die Wahlmöglichkeiten für Amerika - und mit diesem Parteitag hat die richtig heiße Phase im Wahlkampf begonnen. Für alle, die sich schon längst abgestoßen fühlen von der Schlammschlacht zwischen Obama und Romney gibt es eine schlechte Nachricht: In diesem Kulturkampf steht mit ziemlicher Sicherheit das Übelste noch bevor.

Stand: 31.08.2012 08:59 Uhr

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