Kommentar

Kommentar zum US-Waffenrecht Es ist egal, was noch passiert

Stand: 04.10.2017 00:39 Uhr

Sandy Hook, Orlando, Las Vegas und viele andere Massaker hat es in den vergangenen Jahren gegeben - doch das laxe US-Waffenrecht wird bleiben, wie es ist, meint Martina Buttler. Kein Massaker kann offenbar grausam genug sein, um den Einfluss der Waffenlobby auszuhebeln.

Ein Kommentar von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Auch mehr als 50 Tote und mehr als 500 Verletzte werden das Waffenrecht in den USA nicht ins Wanken bringen. Ein Gewehr oder eine Pistole tragen zu dürfen - das ist vielen Amerikanern heilig. Das ist in der Verfassung verankert. Donald Trump hat seine Basis schon beruhigt, er werde daran nicht rütteln - aber auch Hillary Clinton hätte das Second Amendment nicht angefasst, sondern nur Kontrollen verschärft.

Denn das Recht, Waffen tragen und sich verteidigen zu dürfen, hat viel mit dem amerikanischen Selbstverständnis zu tun. Damit, ein Land zu erobern und zu verteidigen. Mal ganz abgesehen von der mächtigen Waffenlobby NRA, die auch in Washington großen Einfluss hat. Es ist auch der Glaube an deren Philosophie, einen bösen Typen mit einer Waffe könne nur ein Guter mit einer Waffe stoppen.

Der Musiker Caleb Keeter ist die Ausnahme, wenn er seine Meinung zu den Waffengesetzen ändert. Er kauerte während des Anschlags auf das Festival mit seinen Kollegen in Las Vegas im Crewbus. Jetzt fordert er schärfere Gesetze. Denn er hat erlebt, wie nutzlos die Waffen im Tourbus waren. Damit ist er nicht allein.

Auch andere Promis und Politiker wie der ehemalige Vizepräsident Joe Biden fordern, dass sich endlich etwas ändert. Dass die Gesetze geändert werden. Doch nächstes Jahr sind Kongresswahlen und kaum ein Politiker wird Stimmen riskieren, indem er sich für schärfere Waffengesetze einsetzt.

Nichts wird sich ändern

Natürlich stellt sich die Frage: Was muss noch passieren? Realistisch und resignierend muss man aber auch die Antwort geben: Es ist egal, was noch passiert - es wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Denn spätestens nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School vor fünf Jahren, bei dem 20 Grundschüler und sechs Lehrer getötet wurden, ist klar: Offenbar kann kein Massaker grausam genug sein, um am Second Amendment zu rütteln.

Barack Obama kamen die Tränen, als er von den Kindern sprach und eine Reform des Waffenrechts forderte, doch ihm fehlte die Mehrheit dafür. Eine der Mütter, die ihre Tochter bei dem Amoklauf verlor, twittert nach Las Vegas zu Recht, der Kongress sei daran schuld, dass sich nichts ändert.

Keine Chance vor dem Obersten Gericht

Auch beim Thema Waffenrecht ist das Land tief gespalten. Selbst wenn sich die Mehrheiten im Kongress ändern und es schärfere Waffengesetze geben sollte, wird das kein Grund zum Feiern sein. Denn das Gesetz landet dann sicher vor Gericht und wird kassiert. Am Ende wird der Supreme Court entscheiden müssen. Dessen Richter sind auf Lebenszeit berufen. Sollte Trump in seiner Amtszeit noch einen Richter ersetzen müssen, könnten hier auf Dauer die Erzkonservativen die Mehrheit und das letzte Wort haben.

Und dann wären wir wieder da, wo wir jetzt schon sind: eine Situation, in der einem die Tränen kommen, wenn man kurz vor dem fünften Jahrestag des Amoklaufs an der Sandy Hook Grundschule Fotos von den ermordeten Sechs- und Siebenjährigen sieht und persönlich hofft, dass sich etwas am Waffenrecht in den USA ändert und die Initiativen unter anderem der Eltern von Sandy Hook Erfolg haben.

Und realistisch weiß man: Das wird wohl nichts. Nicht nach Sandy Hook und auch nicht nach Las Vegas.

Waffen bleiben in den USA weiter heilig
Martina Buttler, ARD Washington
04.10.2017 00:19 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 03. Oktober 2017 um 23:15 Uhr.

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