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Kommentar

Debatte über US-Waffengesetze

Jetzt muss endlich etwas passieren!

Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington

Es ist schwer vorstellbar, dass es Schlimmeres geben könnte als die Tragödie von Newtown - dieser sinnlose, wahllose Mord an Grundschulkindern und ihren Lehrerinnen. Aber machen wir uns nichts vor: Es kann noch schlimmer kommen. Nämlich dann, wenn Amerika auch aus dieser Tat nichts lernt, wenn wieder nichts passiert, wenn nicht mal 20 tote Erstklässler die Amerikaner zum Umdenken bewegen.

Bisher war das Ritual nach allen Amokläufen das gleiche - bestenfalls ein paar Wochen lang war die Nation geschockt, diskutierte über schärfere Waffengesetze und ging dann unverrichteter Dinge zum Alltag über. Weil die politische Klasse entweder zu verbohrt oder zu feige war, zu handeln - und weil die Mehrheit der Bürger das nicht einforderte.

Natürlich, das Recht auf Waffenbesitz gehört zum amerikanischen Selbstverständnis dazu, das Recht, zu jagen und sich verteidigen zu können, wenn man angegriffen wird. Aber das stellt hier auch niemand ernsthaft in Frage, auch wenn Amerikas Waffennarren das gerne so darstellen.

Kein Zivilist braucht ein Sturmgewehr

Worum es hier geht, das sind die Auswüchse dieses Rechts auf Waffenbesitz. Ganz ehrlich: Niemand, der sich gegen einen Einbrecher wehren will oder zur Jagd geht, braucht dafür ein Sturmgewehr - eine semiautomatische Waffe, die in kürzester Zeit dutzende Menschen töten kann. Niemand außer Soldaten im Krieg und Massenmördern braucht Magazine, die hundert und mehr Schuss abgeben können, bevor man nachladen muss.

Und niemand, der auch nur einen Moment nachdenkt, kann es für richtig halten, dass in den USA teilweise Waffen verkauft werden, ohne dass die Person des Käufers in irgendeiner Weise überprüft wird. Wer meint, all das gehöre zum Recht auf Waffenbesitz dazu, der hat ein völlig falsches Verständnis davon, was die vielgerühmte amerikanische Freiheit bedeutet. Denn das ist eine Freiheit auf Kosten des Lebens anderer.

Kein absoluter Schutz - aber doch entscheidend mehr

Wir müssen uns keinen Illusionen hingeben: Schärfere Waffengesetze sind kein absoluter Schutz vor Amokläufen - das haben im gut waffenregulierten Deutschland die Taten in Erfurt und Winnenden bewiesen. Aber solche Massentötungen sind schwieriger mit Messern oder auch "einfachen" Pistolen.

Und vielleicht würden es schärfere Gesetze ja auch schaffen, die ganz alltägliche Waffengewalt in den USA einzudämmen, die jedes Jahr 30.000 Menschen das Leben kostet. Amerikanische Kinder haben eine 13 mal höhere Wahrscheinlichkeit, von einer Schusswaffe getötet zu werden als Kinder in anderen Industrienationen.

Karin Dohr (ARD Washington) zur Debatte über US-Waffengesetze
ARD-Morgenmagazin, 17.12.2012

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Was macht Obama?

Aber ist Amerikas Bevölkerung bereit für ein neues Denken, haben die Politiker endlich den Mut zu handeln? Präsident Barack Obama hatte ihn vier Jahre lang nicht. Seinem Wahlkampfversprechen, sich für härtere Waffengesetze einzusetzen, ließ er nie Taten folgen, nach jedem großen Amoklauf hielt er zwar bewegende Reden, aber handelte nicht.

Jetzt scheint Obama gewillt, sich mit der mächtigen Waffenlobby NRA anzulegen - vielleicht deshalb, weil er nicht mehr um seine Wiederwahl bangen muss. Aber klar ist: Alleine kann Obama gar nichts ausrichten, er braucht die Unterstützung des US-Kongresses und ob er die bekommt, steht in den Sternen. Selten war die Gelegenheit so günstig, im waffenstarrendsten Land unseres Planeten etwas zu ändern. Wenn Amerika es jetzt nicht schafft, seine Waffengesetze sinnvoll zu verschärfen, dann wohl nie mehr.

Stand: 17.12.2012 06:57 Uhr

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