Kommentar

Donald Trump mit kleiner US-Flagge beim ASEAN-Gipfel | Bildquelle: REUTERS

Führungsrolle in Gefahr Trump macht die USA bedeutungslos

Stand: 14.11.2017 05:01 Uhr

Donald Trumps Asien-Reise sollte zeigen, welche Bedeutung die USA der Region beimisst. Doch der Präsident kommt mit leeren Händen zurück nach Washington. Zu beobachten ist die Marginalisierung einer Weltmacht - eine schlechte Nachricht.

Ein Kommentar von Gabi Biesinger, ARD-Studio Washington

Eines ist in den knapp zehn Monaten von Donald Trumps Amtszeit noch an keiner Stelle so deutlich geworden wie auf seiner Asien-Rundreise: Die USA sind in rasendem Tempo dabei, ihre Führungsrolle in der Welt selbst abzuwickeln.

Man reibt sich noch immer verwundert die Augen: Beim APEC-Gipfel in Vietnam verkündet der chinesische Präsident Xi die Unaufhaltsamkeit der Globalisierung - wenn auch nach chinesischen Regeln getreu der Vorgabe des Parteikongresses: "Mehr Staat, weniger Markt." Doch der US-Präsident hat dem nichts entgegenzusetzen als engstirnigen Protektionismus nach dem Motto: Wenn jeder nur an sich selbst denke, sei ja schließlich an alle gedacht.

Trump feiert sich, die Anderen reiben sich die Hände

Trump feiert sich und seine Reise als großen Erfolg: Man habe ihm einen roten Teppich ausgerollt, wie ihn vielleicht niemand jemals bekommen habe, sinniert er vor Journalisten. Stimmt, seine Gastgeber wussten genau, wie sie Trump einwickeln können.

Man kann sich nur ausmalen, wer sich gerade alles zufrieden die Hände reibt: die Chinesen, weil sie Trumps Narzissmus mit ihrem "Staatsbesuch Plus" und ein paar windigen Wirtschaftsdeals so gekonnt genährt haben, dass er jegliche Politik vergaß. Der philippinische Staatschef Duterte, weil Trump mit ihm rumscherzte - aber ihm keinen Druck machte mit dem Thema Menschenrechte.

Oder der russische Präsident Putin, weil Trump zeitweise wie dessen eigener Pressesprecher durch die Gegend lief und beteuerte, Russland hätte an der US-Wahl garantiert nichts gefingert. Hätte Putin ihm versichert. Ehemalige CIA-Direktoren machen sich im US-Fernsehen Sorgen, was es für die nationale Sicherheit der USA bedeutet, wenn der US-Präsident sich dermaßen leicht einwickeln lässt.

Das Gegenprogramm besteht aus TPP und "PESCO"

In Brüssel haben EU-Staaten gestern ein Gründungsdokument für eine ständige militärische Zusammenarbeit auf den Weg gebracht. Die Europäer müssten sich eigenständig aufstellen, gerade nach der Wahl des US-Präsidenten, sagt die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Die nach dem Austritt der USA im Freihandelsabkommen TPP verbliebenen elf Pazifik-Anrainer-Staaten schnüren gerade ein neues Paket. Und könnten gar erwägen bei Chinas alternativem Handelsabkommen RCEP mit ins Boot zu steigen. Obwohl sie mit TPP China ja ursprünglich ausbooten wollten. Und auf der Klimakonferenz in Bonn isolieren die USA sich als inzwischen einziges Land der Erde, das dem Pariser Klimaschutzabkommen nicht beitreten will.

In allen Ecken der Welt wird neuerdings ohne die USA geplant, verteidigt und gehandelt. Stattdessen kumpelt Trump mit Autokraten und Diktatoren herum, trinkt Champagner mit Duterte und nennt Xi einen ganz besonderen Mann. Dieser Präsident beschädigt auch das Ansehen der USA als moralische Autorität.

Denken bis zum nächsten Tweet

Während die asiatischen Nationen, die Trump besuchte - allen voran China - einen politischen und wirtschaftlichen Masterplan für die kommenden Jahre und Jahrzehnte im Kopf haben und umsetzen, denkt Trump nur bis zum nächsten Deal - oder bis zum nächsten Tweet.

Den Bedeutungsverlust, den die USA sich gerade selbst zufügen, wird selbst ein andersdenkender US-Präsident ab 2020 oder - im schlimmeren Fall ab 2024 - in den kommenden Jahrzehnten nicht wieder aufholen können. Trump hat die USA marginalisiert. Und machen wir uns nichts vor: Mit denen, die in das Machtvakuum drängen, das die USA jetzt hinterlassen, werden Europa und die Welt künftig nicht besser fahren.

Kommentar zur Reise von US-Präsident Trump: Abschied von der Weltmacht?
Gabi Biesinger, ARD Washington
14.11.2017 06:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. November 2017 um 05:57 Uhr.

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