Kommentar

US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: dpa

US-Präsident Trump Kenntnislose Kehrtwenden

Stand: 13.04.2017 13:45 Uhr

Die Volten von US-Präsident Trump im Umgang mit seinen internationalen Partnern offenbaren vor allem eins: Der Mann hat schlicht keine Ahnung. Europa sollte sich daher warm anziehen: Die Achterbahnfahrt hat gerade erst begonnen.

Ein Kommentar von Holger Romann, ARD-Studio Brüssel

Man kann sich nur verwundert die Augen reiben. Noch Anfang des Jahres herrschte in Europas Hauptstädten das blanke Entsetzen. Donald Trump, der Mann, der gerade gegen alle Prognosen der Buchmacher und Meinungsforscher die Wahl zum US-Präsidenten gewonnen hatte, bezeichnete die NATO in einem Interview als "obsolet" und "astronomisch teuer". Die EU: Für den blondierten Immobilien-Tycoon aus Manhattan nur ein "Mittel zum Zweck" deutscher Machtinteressen und letztlich dem Untergang geweiht.

Trumps Kehrtwende in der Außenpolitik
tagesthemen 23:15 Uhr, 13.04.2017, Volker Steinhoff, ARD Washington

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Die Wirkung auf die Verbündeten war durchschlagend: Besorgte, ja verstörte Minister und Regierungschefs trafen sich zu hastig anberaumten Krisengipfeln in Brüssel, um über die veränderte Lage zu beraten.

Provokationen sind Schnee von gestern

Heute, nur wenigen Wochen später, hat sich das Bild komplett gewandelt. Die unverschämten Provokationen, die endlosen Verbalattacken gegen die europäischen Partner scheinen plötzlich Schnee von gestern. Jetzt hört man aus dem Weißen Haus, die NATO sei ein "Bollwerk des internationalen Friedens und der Sicherheit". Auch die Europäische Union leiste "sehr gute Arbeit" und werde die aktuellen Schwierigkeiten gewiss überstehen. Dafür befiehlt der vermeintliche Isolationist und Russland-Versteher Trump nun Militärschläge gegen die syrische Armee und äußert sich kritisch über den Kurs von Kremlchef Wladimir Putin.

Dass der mächtigste Mann der Welt, Oberbefehlshaber über ein riesiges Atomarsenal und Anführer des erfolgreichsten Militärbündnisses aller Zeiten, seine Ansichten über zentrale Punkte in derart atemberaubendem Tempo ändert, ist - unabhängig von Form und Inhalt der Aussagen - höchst beunruhigend. Wirft es doch die Frage auf, ob man sich im Ernstfall auf das Wort des US-Präsidenten verlassen kann. Und, wer in Washington eigentlich die Richtlinien der Politik bestimmt. Fragen, die angesichts der zunehmend unübersichtlichen Großwetterlage für Europa von vitalem Interesse sind.

Verwirrspiel als Methode

Die Antworten sind bitter, doch man muss ihnen ins Auge sehen. Sicher hat Trumps Verwirrspiel zum Teil Methode: Wer stets unberechenbar bleibt, hat im Verhandlungspoker das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Wer Freund und Feind vor den Kopf stößt und sein Gegenüber erst einmal mit Maximalforderungen schockiert, um ihm dann plötzlich entgegenzukommen, dem gesteht man am Ende mehr zu und hat noch das Gefühl, gut davon gekommen zu sein.

Wer freilich Donald Trump bei seinen öffentlichen Auftritten beobachtet, ob mit Kanzlerin Angela Merkel, Chinas Staatspräsident Xi Jingping oder zuletzt mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, und wer dazu noch seine haarsträubenden Tweets liest, mit denen er das Weltgeschehen kommentiert, den beschleichen starke Zweifel am Image des knallharten "Dealmakers".

Trump hat schlicht keine Ahnung

Die Wahrheit ist: Dieser US-Präsident hat nichts von der Bauernschläue eines Adenauer, der die Devise "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?" seinerzeit zur Regierungsmaxime erhob. Die ständigen Kehrtwenden und intellektuellen Loopings des Donald Trump haben vielmehr damit zu tun, dass der Mann zum Beispiel von der Bedeutung und Funktionsweise der NATO keinen Schimmer hat und auch von jeder Geschichtskenntnis weitgehend unbeleckt ist. Auf seine chaotische Entourage scheint leider dasselbe zuzutreffen, wie der jüngste Fehltritt seines Sprechers Sean Spicer zeigt - er verglich Syriens Machthaber Bashar al-Assad mit Adolf Hitler.

Für Amerikas europäische Verbündete heißt das, sie müssen sich warm anziehen. Die Achterbahnfahrt im transatlantischen Verhältnis hat gerade erst begonnen, auch wenn Trump die Allianz inzwischen nicht mehr für überflüssig hält. Schon Ende Mai, beim NATO-Gipfel in Brüssel, wird es ans Eingemachte gehen, nämlich ans Geld für neue Rüstungsprojekte und ans berühmte "Burden Sharing", die faire Lastenverteilung im Bündnis. Und dann wird uns der verwirrte ältere Herr mit der komischen Frisur sicher wieder mit einem starken Auftritt überraschen.

Kommentar: Trumps neue Nähe zur NATO
H. Romann, ARD Brüssel
13.04.2017 12:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2017 um 12:00 Uhr.

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