Kommentar

Weißes Haus kurz vor Ankunft des neues US-Präsidenten Trump | Bildquelle: AP

Düstere Zukunftsvision Gute Nacht, Amerika!

Stand: 21.01.2017 11:05 Uhr

Mit Trump sitzt erstmals ein rechtspopulistischer Demagoge im Weißen Haus. Der US-Präsident setzt auf Nationalismus und Protektionismus. Die Stimmung nach der ersten Rede: nicht hoffnungsvoll, sondern düster.

Ein Kommentar von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Es sollte ein Feiertag des friedlichen Machtwechsels in den USA werden. Doch nach Donald Trumps erster Rede als 45. US-Präsident bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Eine Amtseinführungsrede muss nach einem harten Wahlkampf versuchen, die Wunden der Nation zu heilen, die Gräben zwischen den Lagern zu überbrücken und vor allem Hoffnung machen und an Ideale appellieren.

Trumps Rede war das krasse Gegenteil: aggressiv, düster und unversöhnlich. Während hinter ihm auf der Ehrentribüne vier Ex-Präsidenten und führende Kongressabgeordnete mit zunehmend versteinerter Miene saßen, schimpfte Trump über das Establishment in Washington. Mit seiner Bewegung werde er dem Volk die Herrschaft über die Nation zurückgeben, versprach der neue Präsident eine populistische Revolution. Anstelle der angekündigten "philosophischen" Rede war es eine Fortsetzung seiner Wahlkampfauftritte.

Nationalismus und Protektionismus als Prinzipien

Immerhin ist jetzt allen US-Bürgern und der ganzen Welt klar, dass sich Donald Trump nicht ändern will und vermutlich auch nicht ändern kann. So bitter dies klingt: Mit Trump sitzt jetzt erstmals ein rechtspopulistischer Demagoge im Weißen Haus. Ein Immobilien-Löwe, der sich als Volkstribun gibt.

Die Rezepte, mit denen er Amerika wieder großartig machen will, haben die Welt im vergangenen Jahrhundert schon einmal an den Abgrund geführt: Nationalismus und Protektionismus. "Kauft amerikanisch und stellt Amerikaner ein!", appellierte Trump. Und jede ausländische Hauptstadt solle wissen: "Vom heutigen Tag an wird es nur noch Amerika zuerst heißen, Amerika zuerst!"

Welten vom Republikaner-Idol Reagan entfernt

Um die Außenpolitik ging es nur an einer Stelle: den radikal-islamischen Terrorismus will Trump vom Erdboden ausradieren. Ansonsten soll sich Amerika nicht mehr so viel um andere Länder kümmern. Das große Idol der Republikaner, Ronald Reagan, wird sich nach Trumps Amtseinführungsrede im Grab umgedreht haben. Standen die Republikaner doch jahrzehntelang für eine aktive Rolle in der Weltpolitik, für freien Handel und internationale Wirtschaftsbeziehungen.

Auch sprachlich trennen Reagan und Trump Welten. Reagan beschwor einen "neuen Morgen in Amerika" und weitete die Herzen seiner Bürger. Donald Trump dagegen zeichnete ein Zerrbild Amerikas voller "rostiger Fabriken" und er sprach sogar von einem "Gemetzel" ausufernder Kriminalität. Ronald Reagan sah eine aufgehende Sonne. Nach Trumps Rede hat man das Gefühl: Gute Nacht, Amerika!

Kommentar zu Trumps Amtseinführungsrede: "Gute Nacht Amerika!“
M. Ganslmeier, ARD Washington
21.01.2017 11:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Januar 2017 um 09:06 Uhr.

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