Die EU und die Roaming-Gebühren

Und wie oft telefonieren Sie so im Ausland?

Stand: 21.09.2016 20:53 Uhr

Die EU will die Roaming-Gebühren abschaffen. Aber nur dann, wenn der Nutzer diese Freiheit nicht zu oft nutzt. Doch was bedeutet das für die Kunden? Gibt es dann gute und schlechte "Roamer"?

Von Sebastian Schöbel, ARD-Studio Brüssel

Haben Sie schon das Fahrtenbuch für ihr Leben im kommenden Jahr angelegt? Vor allem für Reisen innerhalb der EU, seien sie geschäftlich oder privat, kurz oder lang, regelmäßig oder einmalig. Tun Sie das, Sie werden es brauchen, wenn im Juni 2017 Roaming-Gebühren in der Europäischen Union abgeschafft werden. Dann können Sie zwar überall in Europa ohne Zusatzkosten ihr Handy benutzen, zum gleichen Preis wie zu Hause. Doch im Gegenzug könnte Ihre Telefonfirma irgendwann einmal kommen und Sie zur Rede stellen: Weil Sie sich häufiger als üblich in ein ausländisches Handynetz eingewählt haben, oder weil sie - was Ihr Telefonanbieter nicht wusste - gerade länger im EU-Ausland sind.

Wenn es nach der EU-Kommission geht, gilt ab Sommer 2017 das Prinzip: Roaming-Gebühren fallen nur weg, wenn wir Nutzer von dieser neuen Freiheit nicht zu häufig Gebrauch machen. Ob das der Fall ist, sollen die Telefonanbieter selber prüfen - indem sie unsere Daten auswerten und abgleichen mit dem, was als legitime Nutzung verstanden wird. Im Verdachtsfall können Sie dann nachfragen bei uns Kunden. Und wir müssten uns dann erklären, um unser Privileg zu behalten, keine Roaming-Gebühren zahlen zu müssen. So ein Fahrtenbuch wäre dann ganz praktisch - man merkt sich ja nicht alles.

Überwachung? Damit hat das nichts zu tun

Die Kommission sagt: Mit Überwachung habe das nichts zu tun, und überhaupt wissen die Telefonanbieter doch eh schon, wo wir wohnen, mit wem wir wie lange telefonieren und von wo aus wir das tun. Damit sie uns eine Rechnung schicken können. Wen das beruhigt - schön. Aber für alle anderen heißt das: Statt einer Telefonrechnung erstellen Telekom und Co. in Zukunft regelrechte Kundenprofile, um die guten von den schlechten "Roamern" zu unterscheiden. Mit dem Segen der EU-Kommission. Und im Zweifel müssen wir Kunden uns auch noch rechtfertigen, wenn wir zum Beispiel gerade mal mehr in der EU unterwegs sind als sonst.

Das Versprechen, Roaming abzuschaffen, hält die EU-Kommission mit ihrem Vorschlag. Doch dafür verletzt sie die Idee eines grenzenlosen Europas, in dem wir eben nicht an einen Ort gebunden sein sollen - schon gar nicht durch so etwas Banales wie Handytarife und Profite von Telekom-Unternehmen.

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Der Roaming-Vorschlag der EU-Kommission
S. Schöbel, ARD Brüssel
21.09.2016 20:29 Uhr