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Kommentar

Nordkoreas Herrscher und die Medien

Seltsame Kimologie: Es gab doch bloß eine Heirat

Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Die einzig verlässlichen Nachrichten kommen ausgerechnet aus Nordkorea. In einer achtminütigen Radiosendung wurden offiziell Kim Jong Un und seine Frau genannt. Auch die staatliche, nordkoreanische Nachrichtenagentur berichtete, dass Kim Jong Un und seine Frau, Ri Sol Ju, während der Eröffnungsfeier eines Vergnügungsparks anwesend waren. Nordkorea hat also eine First Lady.

Mehr an verlässlichen Informationen gibt es nicht. Das hindert die Medien in Südkorea und anderswo aber nicht daran, wild zu spekulieren. Eine südkoreanische Zeitung will zum Beispiel wissen, dass es sich bei der Frau des autoritären Führers des abgeschotteten Landes um eine Sängerin handelt und sie bereits ein Kind mit ihm habe.

Kommentar zur Hochzeit von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un
P. Kujath, ARD Tokio
26.07.2012 11:21 Uhr

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Man spräche besser von Klatsch und Tratsch

Seit den ersten, offiziellen Bildern von Kim Jong Un und seiner Begleiterin wird über ihre Beziehung gerätselt. Von einer Missstimmung zwischen Kim Jong Uns Vater, dem verstorbenen Diktator Kim Jong Il, ist die Rede, die eine frühere Bekanntmachung des Verhältnisses verhindert habe. Dieses mediale Interesse an etwas, das man besser als Klatsch und Tratsch beschreibt, ist schon erstaunlich und wird – wenn man nachfragt – meist mit der Gefahr für den Weltfrieden begründet, die von Nordkorea und seinem Atomwaffenprogramm ausgeht.

Aber was hat das bitte schön mit der Ehefrau des 28- oder 29-jährigen Führers des Landes zu tun? Vielleicht beeinflusst sie die Entscheidungen ihres Mannes! Auch das wäre nichts Ungewöhnliches und kommt in den besten politischen oder unpolitischen Ehen vor. Abgesehen davon ist es derzeit nicht mit Sicherheit zu sagen, wer wen in Nordkorea beeinflusst, wer wirklich zur inneren Führungs-Clique um Kim Jong Un und seinen Onkel Jang Song Thaek gehört.

Interessant ist allenfalls der erneute Besuch im Vergnügungspark

In der Meldung der nordkoreanischen Nachrichtenagentur werden neben der Ehefrau die weiteren, anwesenden Personen aufgeführt, so dass wer immer sich der "Kimologie" verschrieben hat, seine interne Beziehungshierarchie aktualisieren kann. Interessant ist, dass der junge Herrscher des verarmten Landes schon wieder einen Vergnügungspark besucht, nachdem er vor einiger Zeit während einer anderen Stippvisite – untypisch für den Führungsstil seines Vaters – die Verhältnisse dort öffentlich kritisierte und die Verantwortlichen tadelte.

Als eines der zentralen Themen wird von allen Beobachtern die Frage der wirtschaftlichen Entwicklung Nordkoreas gesehen. Wird Kim Jong Un das Land ein wenig öffnen? Jenseits der herausgeputzten Hauptstadt leben die Menschen in bitterer Armut, ist eine Modernisierung dringend geboten. Mit dem abrupten Wechsel an der Spitze des Militärs hat die Clique um Kim Jong Un den Einfluss der Armee vielleicht zurückgedrängt, möglicherweise um wirtschaftliche Reformen vorzubereiten.

Nötig ist die politische Stabilisierung der Lage auf der Halbinsel

Dafür müsste das international isolierte Land auch wieder auf die USA und wahrscheinlich erst nach den Präsidentschaftswahlen in Südkorea auf den ungeliebten Nachbarn zugehen. Das könnte zu der dringend nötigen Stabilisierung der Situation auf der koreanischen Halbinsel führen. Wenn bei diesen Vorhaben der öffentliche Auftritt der Ehefrau von Kim Jong Un hilft, mag das ein paar Worte wert sein. Mehr aber auch nicht.

Stand: 26.07.2012 11:21 Uhr

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