Ermittlungen an der Absturzstelle | Bildquelle: AP

Kolumbien Absturzursache: Treibstoffmangel

Stand: 01.12.2016 17:59 Uhr

"LaMia 2933 hat einen Totalausfall, ohne Treibstoff": Kurz nach dem Funkspruch des Piloten verschwand das Flugzeug vom Radar. Die Absturzursache in Kolumbien war Ermittlungen zufolge Treibstoffmangel. Der Fluglinie wurde nun die Lizenz entzogen.

Das Flugzeug mit dem brasilianischen Fußballteam Chapecoense an Bord ist wegen Treibstoffmangels abgestürzt. Das teilte die kolumbianische Luftfahrtbehörde auf Basis vorläufiger Untersuchungen am Unglücksort mit. Bei dem Absturz waren 71 Menschen ums Leben gekommen, sechs Insassen der Maschine überlebten. Als Konsequenz entzog die bolivianische Luftfahrtbehörde der betroffenen Fluggesellschaft "LaMia" nun die Betriebslizenz. Die Entscheidung gelte auf unbestimmte Zeit, hieß es in einer entsprechenden Erklärung.

Tankstopp ausgelassen?

"Wir haben Ermittlungen eingeleitet, um herauszufinden, warum es nicht genug Treibstoff gab", sagte der für Flugsicherheit zuständige Sekretär Freddy Bonilla. Bolivianische Medien berichteten unter Berufung auf die Fluggesellschaft Lamia, das Flugzeug hätte zwischen dem Start im bolivianischen Santa Cruz und der Landung im kolumbianischen Medellín noch einmal in Bogotá zwischenlanden und tanken müssen. Der Pilot sei aber der Meinung gewesen, der Treibstoff reiche.

Der Sohn des gestorbenen Copiloten sagte dagegen einer örtlichen Zeitung, es sei ein Stopp im nordbolivianischen Tropenort Cobija geplant gewesen. Da ein Flug nach Santa Cruz aber verspätet war, habe der Tankstopp ausfallen müssen - da es bereits dunkel war und die Piste in Cobija keine ausreichende Beleuchtung habe.

Flugzeugabsturz in Kolumbien | Bildquelle: AFP
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Mehr als 70 Menschen starben bei dem Absturz.

Dramatischer Funkverkehr

Zuvor war der Funkverkehr zwischen Piloten und dem Tower des Flughafens bei Medellín bekannt geworden, der dramatische Szenen kurz vor dem Absturz am Montagabend offenbart. Um 21.49 Uhr (Ortszeit) wurden erstmals die großen Probleme gemeldet. "LaMia 2933 hat einen Totalausfall, Totalausfall der Elektronik, ohne Treibstoff", sagt der Pilot laut den von Medien veröffentlichten Aufnahmen. Das war wenige Minuten, bevor das Flugzeug vom Radar verschwand.

Gestartet war der Charterflug im bolivianischen Santa - offenbar schon verspätet. Von hier startete der Flug der Gesellschaft LaMia. Das Flugzeug vom Typ Avro RJ85 hat eine Reichweite von 2600 Kilometern. Medellín ist rund 2450 Kilometer Luftlinie entfernt. Warum nicht ein Tankstopp in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá eingelegt wurde, ist ein großes Rätsel. Ebenso, warum im Anflug auf Medellín nicht sofort ein Notfall durchgefunkt wurde.

Warten auf Flugdatenschreiber und Stimmrekorder

Gesicherte Erkenntnisse über die Absturzursache könnten Blackbox mit Flugdatenschreiber und Stimmrekorder geben. Beide seien in "perfektem Zustand", sagte der Chef der Luftfahrtbehörde, Alfredo Bocanegra. Es könne aber mindestens sechs Monate dauern, bis sie ausgewertet seien.

Die Chartermaschine vom Typ British Aerospace 146 war in der Nacht zum Dienstag in den Bergen im Nordwesten Kolumbiens abgestürzt. An Bord der Maschine war fast die gesamte Mannschaft des brasilianischen Fußball-Erstligisten Chapecoense. Die Sportler waren auf dem Weg zum Hinspiel des Finales um den Südamerika-Cup gegen den kolumbianischen Rivalen Atlético Nacional. Nur sechs Menschen überlebten das Unglück, darunter drei brasilianische Fußballspieler.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Dezember 2016 um 05:30 Uhr.

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