Flugzeugabsturz in Kolumbien | Bildquelle: AFP

Kolumbien Zu wenig Treibstoff an Bord?

Stand: 30.11.2016 21:32 Uhr

Die Anzeichen scheinen sich zu verdichten: Ursache des verheerenden Flugzeugabsturzes in den kolumbianischen Bergen war wohl Treibstoffmangel. Genaues weiß man aber wohl erst, wenn die Flugschreiber ausgewertet sind.

Nach dem Flugzeugunglück in Kolumbien mit 71 Toten verdichten sich Hinweise, dass die Maschine der bolivianischen Gesellschaft Lamia wegen Treibstoffmangels abstürzte.

Auf Aufnahmen ist zu hören, wie der Pilot wegen eines "totalen elektrischen Versagens" und mangelnden Treibstoffs mehrmals um Landeerlaubnis bat. Die Audios veröffentlichte ein Radiosender. Darin ist auch eine Lotsin zu hören, die Anweisungen gibt, während das Flugzeug knapp 13 Kilometer vor dem Flughafen von Medellín an Geschwindigkeit und Höhe verliert. W Radio erklärte nicht, wie es an die Aufnahme gelangte. Das Material scheint aber Angaben zu bestätigen, die ein anderer Pilot eines Flugzeugs in der Nähe ebenso gemacht hatte wie eine Überlebende des Unglücks.

Bolivianische Medien zitierten einen Vertreter der Fluggesellschaft mit der Aussage, die Maschine hätte zwischen dem Start im bolivianischen Santa Cruz und der Landung im kolumbianischen Medellín noch einmal in Bogotá zwischenlanden und tanken müssen. Der Pilot habe aber gemeint, dass der Treibstoff reiche.

Auch in brasilianischen Zeitungen hieß es, der Treibstoff habe für die Strecke möglicherweise nicht ausgereicht.

Von Anfang an Spekulationen über Treibstoffmangel

Die Chartermaschine war in der Nacht zu Dienstag abgestürzt. Das Flugzeug hatte zuvor einen Notruf abgesetzt. Laut einem Sprecher der Luftfahrtbehörde gab es Hinweise auf Fehler in der Bordelektronik. Experten vertraten allerdings schon am Montag die Ansicht, dass auch Treibstoffmangel als Unglücksursache in Betracht komme. "Es ist sehr verdächtig, dass es trotz des Aufpralls keine Explosion gab", sagte ein Vertreter des kolumbianischen Militärs. Auch eine überlebende Stewardess berichtet von Treibstoffmangel.

An Bord der Maschine war fast die gesamte Mannschaft des brasilianischen Fußball-Erstligisten Chapecoense. Die Sportler waren auf dem Weg zum Hinspiel des Finales um den Südamerika-Cup gegen das kolumbianische Team Atlético Nacional. Sechs Menschen überlebten das Unglück, darunter drei brasilianische Fußballspieler.

Die Flugschreiber, die Aufschluss über die Unglücksursache geben könnten, sind geborgen, aber noch nicht ausgewertet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Dezember 2016 um 05:30 Uhr.

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