ELN-Rebellen mit rot-schwarzem Tuch vor dem Gesicht | Bildquelle: dpa

Kolumbianische ELN-Guerilla Beginn der Friedensgespräche verschoben

Stand: 27.10.2016 22:37 Uhr

Nach der FARC strebt Kolumbiens Regierung nun auch den Friedensschluss mit der zweitgrößten Rebellengruppe im Land - der ELN - an. Doch die Friedensgespräche wurden verschoben. Hintergrund ist der Streit über eine noch von den Kämpfern festgehaltene Geisel.

In wenigen Stunden hätten sie in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito beginnen sollen - nun hat Kolumbiens Regierung den Beginn der Friedensgespräche mit der Guerillagruppe Nationales Befreiungsheer (ELN) verschoben. Als Voraussetzung für die Verhandlungen hatte die Staatsführung die Freilassung aller Geiseln, die sich noch in der Gewalt der Gruppierung befinden, gefordert.

Kolumbianischer Präsident Santos | Bildquelle: REUTERS
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Kolumbiens Präsident Santos will auch mit der ELN Frieden schließen.

Konkret wurden die Gespräche nun wegen des ehemaligen Abgeordneten Odin Sanchez ausgesetzt. Dieser befinde sich laut Präsident Juan Manuel Santos noch in den Händen der Rebellen. Die Gespräche könnten aber nur beginnen, wenn Sanchez freigelassen werde, betonte Santos in einer Rede. Dem stimmte auch Innenminister Juan Fernando Cristo zu: Die Verhandlungen könnten "morgen Samstag oder irgendwann beginnen" - aber nicht ohne die Freilassung.

Sanchez hatte sich als Geisel gegen seinen Bruder Patrocinio Sanchez austauschen lassen. Dieser war im August 2013 entführt worden und in der Geiselhaft schwer erkrankt.

Erst im September offizieller Frieden mit FARC

Santos will durch einen Friedensschluss mit der ELN einen "vollständigen Frieden" für sein Land erreichen. Im September war nach vierjährigen Verhandlungen der Friedensvertrag mit der FARC-Rebellengruppe unterzeichnet worden. Für seinen Einsatz ist Santos mit dem diesjährigen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Das Abkommen mit der FARC soll aber nochmals überarbeitet werden - die Bevölkerung Kolumbiens hatte den Vertrag per Volksreferendum abgelehnt.

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Die FARC und die ELN hatten beide 1964 ihren Kampf gegen die Regierung, Paramilitärs und Großgrundbesitzer aufgenommen. In dem Konflikt wurden mehr als 220.000 Menschen getötet. Die nun angestrebten Friedensgespräche mit der ELN sollen mit der Unterstützung der Regierungen Ecuadors, Venezuelas, Kubas, Chiles, Norwegens und Brasiliens geführt werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Oktober 2016 um 05:20 Uhr

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