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Glaubt man Tierschützern in Australien, gibt es in 30 Jahren dort keine Koalas mehr. Bauprojekte zerstören zunehmend die Lebensräume der Tiere und rauben ihnen Nahrung. Die australische Koala-Stiftung fordert, dass die Beuteltiere in die Liste der bedrohten Tierarten aufgenommen werden.
Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien
Tierschützer in Australien haben vor einem Aussterben der Koalas gewarnt. Der Bestand der kleinen grauen Beuteltiere habe sich in den vergangenen sechs Jahren durch Klimawandel, Krankheiten und die fortschreitende Zerstörung des Lebensraumes halbiert, erklärte die Australian Koala Foundation.
Von 100.000 Exemplaren im Jahr 2003 sei der Bestand auf 43.000 zurückgegangen. In rund 30 Jahren könnten die Koalas vollständig ausgestorben sein, sagte Deborah Tabart von der Koala Foundation im australischen Rundfunk: "Ich will nicht sagen, dass sie morgen verschwunden sind. Aber wenn es so weiter geht, dann ist in 30 Jahren keiner mehr da. Im Jahr 1986 ging man noch davon aus, dass es mehr als 400.000 Koalas in Australien gibt. Heute zeigen unsere Daten, dass es möglicherweise nur noch 43.000 sind. Ich war vor kurzem im Westen von Queensland. Dort haben acht Tierschützer vier Tage lang die Gegend abgesucht und sie haben nicht einen einzigen gesehen."
Koalas ernähren sich fast ausschließlich von Blättern und Früchten der Eukalyptus-Bäume. Durch fortschreitende menschliche Besiedlung und große Entwicklungsprojekte in den Lebensräumen der Säugetiere, die bis zu 85 Zentimeter groß und 14 Kilo schwer werden können, wurde ihr Bestand drastisch reduziert.
Bauprojekte führen bei Koalas zu Stress. Der kann wiederum eine Chlamydien-Infektion auslösen: Augen, Atemwege und die Geschlechtsorgane werden dabei beeinträchtigt. Dies kann zu Unfruchtbarkeit, Erblindung und zum Tod führen.
Deborah Tabart kämpft darum, die Koalas auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten zu setzen. Doch es gebe großen Widerstand aus der Wirtschaft und der Politik: "Wenn die Koalas als bedrohte Tierart anerkannt würden, dann hätte das Auswirkungen auf Entwicklungsprojekte, Straßenbau und vieles andere. Koalas leben fast überall verstreut und die Bauprojekt-Unternehmen fürchten sich vor ihnen, ebenso wie die Politiker. Denn viele Projekte könnten dann nicht mehr verwirklicht werden."
Im Jahr 2006 kam ein Regierungsausschuss für bedrohte Tierarten zu dem Schluss, dass der Populationsrückgang der Koalas nicht unbedingt das ganze Land betreffe. Außerdem seien die Beuteltiere belastbar genug, um in kleinen, nicht zusammenhängenden Gebieten zu leben, hieß es damals. Umweltminister Peter Garrett ordnete aber inzwischen eine Überprüfung der staatlichen Schutzmaßnahmen an. Die Situation habe sich offenbar geändert.
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