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19.03.2010

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Klima
Guatemala: Zuviel Regen und Dürre im Wechsel
Klimawandel weltweit (13)

Guatemala - zuviel Regen ist auch keine Hilfe

Die Bauern in den Bergen Guatemalas wissen, was der Klimawandel bedeutet. Insgesamt ist es dramatisch trockener geworden, die nächste Ernte könnte komplett ausfallen. Und wenn es mal regnet, dann gleich in solchen Mengen, dass die Folgen für Mensch und Natur katastrophal sind.

Von Michael Castritius, ARD-Hörfunkstudio Mexiko, zzt. Guatemala Stadt

Schlammpfade, nichts als rutschige Schlammpfade, steil rauf, steil runter. Tief unten rauscht der Fluss Cahabón. Vor seiner halsbrecherischen Hängebrücke mussten wir das Auto stehen lassen.

Verdreckt und abgekämpft erreichen wir die Ortschaft Chioyal in den Bergen Guatemalas. Eine Bretterkirche, ein Brettergemeinderaum und eine Kochgelegenheit für Feste – mehr ist zunächst nicht zu sehen. Die Familien des Maya-Volkes der Q'egchi leben traditionell auf den Parzellen, die sie an den steilen Hängen beackern.

Ein Maisfeld in der Nähe von Jalapa, Guatemala (Foto: picture alliance / landov) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein Bauer in seinem Maisfeld in der Nähe von Jalapa ]

Es reicht gerade mal für den Eigenbedarf

Wir besuchen Ortencia Paau Sub und Tomás Tzalam Choc, 33 und 39 Jahre alt. Mit ihren vier Kindern leben sie in einer Zwei-Raum Hütte, zusammen mit Hund, Huhn und Ente. Die Wände sind aus dickeren Ästen zusammengebunden, ein Häuflein Maiskolben dient als Sitzgelegenheit. Strom, Telefon oder Wasser gibt es nicht.

Mutter mit Kindern vor ihrer Hütte in La Fuente, Guatemala (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mutter mit Kindern vor ihrer Hütte in La Fuente, Guatemala ]
Ortencia bringt heißen Kakao aus eigener Ernte und wirklich süße Süßkartoffeln. "Wir leben von dem, was wir auf unserem Stückchen Land anbauen", sagt sie. "Wir kaufen selten im Dorf ein, da braucht man doch Geld. Aber wir haben ja unsere Hühner. Und die ganze Familie hilft, damit wir was zu essen haben." Subsistenz-Wirtschaft nennen das die Ökonomen. 20 Hektar Land an extrem steilen Hängen haben unsere Gastgeber zu beackern, Geld verdienen sie selten, es reicht gerade für den Eigenbedarf.

Die Ernten sind überlebensnotwendig

Ortencias Mann Tomás hat Angst vor dem Frühjahr. "Wenn Anfang des Jahres kein Regen kommt, verlieren wir den ganzen Mais und andere Gemüse. Wir haben eigentlich zwei Ernten im Jahr, nur so können wir überleben. Aber in den letzten Jahren ist es heißer geworden, die Sonne scheint an viel mehr Tagen als früher. Jetzt droht die Trockenzeit wieder schon im Januar anzufangen, statt im April. Das würde unser Herz sehr betrüben, denn was sollen wir dann essen?"

Studien des UN-Ernährungsprogramms bestätigen Tomás Beobachtungen und Sorgen. Schon jetzt ist jedes zweite guatemaltekische Kind unterernährt, so UN-Mitarbeiterin Karin Antje Schmid. "Die Tendenz ist, dass sich die Regenzeiten und die Trockenzeiten verändern. Die Daten, die ich dieses Jahr bekommen habe, zeigen, dass die Temperatur in dieser Region um ein Grad gestiegen ist im Vergleich zu den vorherigen Jahren."

Die Naturkatastrophen häufen sich

Mädchen aus Guatemala (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Jedes zweite Kind in Guatemala ist unterernährt. ]
Der permanente Nahrungsnotstand wird verschärft durch die sich häufenden Naturkatastrophen. Es regnet viel zu lange gar nicht, und dann plötzlich zu viel auf einmal, berichtet Carlos Mansilla, der sich im Umweltministerium mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt.

Allein in den letzten zehn Jahren habe es vier verheerende Katastrophen in Guatemala gegeben. Mansilla zählt auf: "Erst Hurrikan "Mitch" 1998, bei dem sich der Klimawandel mit Überschwemmungen und Erdrutschen, Zerstörungen und Todesfällen zeigte. 2001 dann eine lange Dürre mitten in der Regenzeit, die eine Hungersnot hervorrief. 2005 töteten die Wassermassen des Tropensturms "Stan" hunderte Menschen, und jetzt haben wir wieder Trockenheit. Das Klima wandelt sich in unserem Land eindeutig."

Oben in den abgelegenen Bergen bedankt sich Ortencia Paau Sub in ihrer Sprache Q'egchi bei der heiligen Maria für das karge Essen, das sie ihren Kindern noch auf den Tisch stellen kann. Und bittet um Regen für den Jahresanfang, damit das auch so bleibt.

Stand: 07.12.2009 02:45 Uhr

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