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Klimaschau
UN-Klimakonferenz steht vor Jahrhundert-Projekt
UN-Klimakonferenz eröffnet

Das Jahrhundert-Projekt von Kopenhagen

Zwei Grad Celsius - das ist laut Experten ein Temperaturanstieg, der noch überschaubare Folgen für die Welt hätte. Um dieses Ziel zu erreichen, wäre die massive Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes nötig. Doch ob sich die Staaten darauf einigen können, ist fraglich.

Von Werner Eckert, SWR-Umweltredaktion

Klima ist was anderes als das Wetter von Morgen. 30 Jahre betrachten die Wissenschaftler im Überblick, ehe sie über Klima reden. Und da zeigt sich: Derzeit macht der Temperaturanstieg zwar Pause, aber das lässt sich wohl einigermaßen damit erklären, dass die Sonne derzeit schwach strahlt und bestimmte Meeresströmungen für Abkühlung sorgen. Auf mittlere Sicht zeigen die Modelle aber eher mehr Hitze als bisher erwartet.

Neue bedrohliche Prognosen

Der aktuelle Bericht des IPCC, des Weltklimarates, geht von maximal 4,5 Grad Celsius höheren Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts aus. Doch neuere Studien zeigen, das könnte zu optimistisch sein. Das Hadley-Center für Meteorologie hat gerade jetzt berechnet: Es könnten auch plus sieben Grad Celsius werden, wenn nichts dagegen geschieht. Zum Vergleich: Das ist mehr als der Anstieg, der die Welt aus der letzten Eiszeit geführt hat - damals aber in 5000 Jahren - nicht in nur 100.

Wie groß ist der Dominoeffekt?

Qualmender Schornstein und Sonnenaufgang in Frankfurt an der Oder. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Treibhausgase heizen die Atmosphäre auf ]
Die neuen Prognosen rechnen mit ein, dass bei steigenden Temperaturen bestimmte natürliche Prozesse in Gang kommen, die niemand mehr aufhalten kann. Wenn das helle Polareis schmilzt, wird mehr dunkles Land und Wasser frei. Das strahlt weniger Sonnenenergie zurück und nimmt mehr Wärme an. Wenn die Dauerfrostböden in Sibirien und Kanada schmelzen, dann wird viel Methan frei, das wiederum ein Klimagas ist. Und offenbar haben auch die Meere "den Rand voll". Sie können nicht mehr all das zusätzliche Kohlendioxid (CO2) aufnehmen. Dadurch steigt die Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre schneller als erwartet.

Die Wissenschaftler im IPCC machen deutlich, dass maximal zwei Grad Celsius höhere Temperaturen noch einigermaßen zu überschauen sind. Mit den Folgen könnte man umgehen, mehr halten sie für kritisch.

Industriestaaten in der Pflicht

Daraus folgt indirekt ein Klimaziel: Um die kritische Marke nicht zu überschreiten, dürfte die Menschheit Mitte des Jahrhunderts nur noch halb so viel Klimagas produzieren wie 1990. Und weil die Entwicklungs- und Schwellenländer ohnehin pro Kopf deutlich weniger Kohlendioxid produzieren als die Industriestaaten, kann man das kaum allen Menschen gleich abverlangen. Deshalb müsste in den Industriestaaten der Ausstoß an Treibhausgasen um 80 Prozent zurückgehen.

Dieses Ziel erkennen viele Staaten an, aber längst nicht alle. Es ist unklar, ob es in einem Abschlusspapier der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen so klar formuliert werden wird.

Blog:

Link Klimakonferenz

SWR-Umweltexperte Werner Eckert bloggt aus Kopenhagen. [swr]

Schwieriger aber ist es noch, kurzfristige Ziele zu vereinbaren. Etwa für die Zeit bis 2020 - und das jetzt schon fest zu legen, damit der Klimaschutz sofort anfängt und nicht vertagt werden kann. Da tun sich viele schwer. Vor allem aber die Amerikaner.  

Sorgenkind USA 

Sonnenuntergang hinter Strommasten in Wesseling bei Köln (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Zum Schutz des Klimas muss die Energieversorgung neu strukturiert werden. ]
Die USA erkennen unter der Regierung von Barack Obama zwar an, dass sie Klimaschutz machen müssen. Aber Obama will den Fehler seines Vor-Vorgängers Bill Clinton nicht wiederholen. Er will zuerst im Senat ein Gesetz zum Klimaschutz durchbringen und dann einen internationalen Vertrag unterzeichnen. Clinton hat es umgekehrt versucht und ist im Senat gescheitert. Doch die Gesetzgebung in Washington zieht sich. Die USA verweisen zwar auf das was sie vorhaben, aber sie werden das in Kopenhagen nicht völkerrechtsverbindlich zusagen. Ihre Planung läuft darauf hinaus, dass sie etwa vier Prozent Treibhausgase zurückfahren (bis 2020, gemessen an 1990).

Das ist aus Sicht der EU wenig. Die Europäische Union hat - 20 Prozent im gleichen Zeitraum zugesagt. Und sogar - 30 Prozent in Aussicht gestellt, wenn andere mitmachen. Ein vergleichbares Ziel wirft überraschend auch die neue japanische Regierung in die Waagschale.

China bewegt sich

Smog in der chinesischen Hauptstadt Peking (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Smog in der chinesischen Hauptstadt Peking ]
China hat ebenfalls konkrete Klimaziele angekündigt. Das ist ein Novum bei den Klimakonferenzen und für viele Anlass zur Hoffnung. Das sind zwar keine absoluten Obergrenzen. Aber gemessen an der Wirtschaftsleistung soll der Ausstoß bis 2020 im Vergleich zu 2005 nahezu halbiert werden. Bei den Wachstumsraten der Chinesen bedeutet das zwar dann immer noch, dass mehr CO2 freigesetzt wird. Der Anstieg wird jedoch deutlich begrenzt. Das ist auch politisch ein großes Zugeständnis. Denn die Chinesen wissen, dass sich die USA nur verpflichten werden, wenn auch sie etwas tun. Sie gehen hier sogar den ersten Schritt.

Vertrag kommt voraussichtlich später

Aus diesen und den Positionen der vielen anderen UN-Mitglieder wird die Konferenz in Kopenhagen versuchen ein Paket zu schnüren. Keinen fertigen juristisch verbindlichen Vertrag, aber eine politische Festlegung. Die könnte dann im kommenden Jahr - wenn vor allem die USA ein Klimaschutzgesetz verabschiedet haben - zum Kopenhagen-Protokoll "nachgerüstet" werden.

Zu verhandeln gibt es auch sonst in Kopenhagen genug: Wieviel Geld werden die reichen Staaten den ärmeren zur Verfügung stellen, damit die sich an die schon unvermeidlichen Folgen des Klimawandels anpassen können? Wer kontrolliert dieses Geld? Wie werden der Raubbau am Urwald aber auch die Aufforstung eingerechnet in den Klimaschutz? Es wird immer deutlicher: Das ist keine Eintagsfliege, die mit dem sogenannten Kyoto-Protokoll ein für alle Mal erledigt wäre: Das ist ein Jahrhundert-Projekt.

Stand: 07.12.2009 10:48 Uhr

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