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Der Anstieg des Meeresspiegels ist eine der Folgen des Klimawandels, die für viele Inselstaaten schnell lebensbedrohlich werden kann. In Tuvalu im Südpazifik ist das heute schon zu spüren. Viele Bewohner haben bereits die Inseln verlassen und in Neuseeland eine neue Bleibe gesucht.
Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien
Der Inselstaat Tuvalu im Südpazifik droht zu versinken. Das Atoll Funafuti, auf dem die meisten der insgesamt 10.000 Einwohner leben, hat eine Landfläche von rund 2,5 Quadratkilometern und liegt nur knapp über dem Meeresspiegel. Die höchste Erhebung ist gerade mal drei Meter hoch. Klimawissenschaftler sagen einen Anstieg des Meeresspiegels um mehr als 50 Zentimeter in den nächsten Jahrzehnten voraus. Tuvalu würde dann von der Landkarte verschwinden.
Umweltminister Taufa Teii reist seit Jahren von einer Klimakonferenz zur anderen, um die internationale Gemeinschaft zum Handeln aufzurufen. Viel Hoffnung hat er nicht mehr: "Aufhalten können wir das wohl nicht mehr, höchstens noch verlangsamen. Durch das Abschmelzen der Gletscher und der Eiskappen über den Polen kommt so viel Wasser hinzu. Niemand ist in der Lage, das noch aufzuhalten."
Für die Einwohner von Tuvalu wird bereits nach einer neuen Heimat gesucht. Viele leben schon heute in Neuseeland. Andere suchen in Fidschi eine neue Bleibe, wenn der kleine Inselstaat, der aus insgesamt neun Inseln und Atollen besteht, unbewohnbar wird. Doch eigentlich wollen die Tuvaluer ihre Insel gar nicht verlassen, sagt Panapasi Nelesone, der Staatssekretär des Premierministers: "Wir lieben Tuvalu, das ist unser Zuhause. Wir müssen mit den Industriestaaten reden, die zur Erderwärmung beitragen. Das Problem wird nicht von uns verursacht. Wir sind nur die Opfer des Klimawandels."
Im Exil in der neuseeländischen Stadt Auckland ist Reverend Iosefa überzeugt davon, dass die Welt nicht zulassen wird, dass Tuvalu von der Landkarte verschwindet. Der kleine Staat habe durch sein Stimmrecht bei den Vereinten Nationen eine starke Position in der Welt, meint Iosefa. Gerade die großen Staaten würden auf Tuvalu nicht verzichten wollen. "Wir sind das kleinste Land auf der Welt, geradezu mikroskopisch", so der Reverend weiter. "Aber wir sind Mitglied des Commonwealth und Mitglied der Vereinten Nationen. Wir haben eine starke Stimme auf internationaler Ebene. Der Kampf gegen den Klimawandel ist auch unser Trumpf, um unseren Einfluss zu sichern und die Zukunft unserer Kinder."
Fala Haulangi, eine aus Tuvalu stammende Radiomoderatorin im neuseeländischen Rundfunk, macht den Klimawandel regelmäßig zum Thema ihrer Sendung über Tuvalu und für die in Neuseeland lebenden Menschen aus Tuvalu. Sie sagt über die neue Heimat: "Ich kann zwar damit leben, dass ich inzwischen ein echter Kiwi geworden bin, aber wenn die Leute meine dunkle Hautfarbe sehen, dann fragen sie mich, wo ich denn herkomme. Aus Tuvalu, sage ich, und dann fragen sie, wo ist das denn? Was soll ich sagen? Dass es uns nicht mehr gibt, dass wir wegen des Klimawandels von der Landkarte verschwunden sind?"
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