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Klima
Abu Dhabi: In dem Ölstaat wird die erste CO2-neutrale Stadt gebaut
Klimawandel weltweit (5)

Die erste CO2-neutrale Stadt der Welt

Abu Dhabi verfügt über riesige Ölvorkommen. Das ist bekannt. Nun macht das arabische Emirat aber auch auf einem anderen Gebiet von sich reden: Erneuerbare Energien. Genauer gesagt geht es um Masdar City. Sie soll die erste CO2-neutrale Stadt der Welt werden.

Von Carsten Kühntopp, ARD Hörfunkstudio Amman

Der deutsche Maschinenbauingenieur Olaf Göbel hilft bei der Errichtung der ersten CO2-neutralen Stadt: Masdar City. Er nennt sich einen "Öko". Als er im Sommer vor zwei Jahren nach Abu Dhabi zog, da war das so, als würden Welten aufeinander prallen. “Es gibt keine Mülltrennung, und man kriegt im Supermarkt - selbst wenn man nur eine kleine Menge einkauft - mindestens vier Plastiktüten. Zu  unserem Siedlungssupermarkt gehe ich immer brav mit meinen Baumwolltaschen hin, und das erste, was ich beim Kassierer sage, ist: No plastic bag! Und ich hatte nach einer Woche meinen Namen weg: Mister No-plastic-bag, erzählt Olaf Göbel.

Die Skyline von Abu Dhabi. (Foto: picture-alliance/ ZB) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das arabische Emirat Abu Dhabi will Vorreiter auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien werden. ]
Abu Dhabi sitzt auf einem Zehntel der weltweit bekannten Ölreserven. Das bedeutet Reichtum für Generationen. Benzin kostet keine 30 Cent pro Liter. Beliebt sind große, schwere Geländewagen. Das Wohnhaus, das Büro, das Einkaufszentrum - alles wird mit einem gewaltigen Stromverbrauch heruntergekühlt. Doch ausgerechnet Abu Dhabi will nun mithilfe der sogenannten Masdar-Initiative weltweit führend werden im Bereich erneuerbare Energien. Masdar heißt "Quelle" oder "Ursprung". “Die Verantwortlichen hier haben erkannt, dass erneuerbare Energien ein großes Potenzial haben und dass früher oder später sowieso der Umschwung weg vom Öl gemacht werden muss, und dann hat man gesagt: besser früher als später“, erklärt Göbel.

Solarzellen kommen aus Erfurt

Masdar ist eine staatliche Firma. Vor rund drei Jahren ging es los, mit einem Startkapital von 15 Milliarden US-Dollar. Olaf Göbel baut nun das erste Solarkraftwerk, es wird 100 Megawatt leisten. Die Solarzellen dafür werden in Erfurt gefertigt, in einer Fabrik, die Masdar dort derzeit hochzieht. Später will man die gesamte Anlagentechnik zuhause in Abu Dhabi produzieren. Im Jahr 2020 soll ein Fünftel des Stroms des Emirats aus erneuerbaren Energien kommen - ein ambitioniertes Ziel, weil es jetzt noch null Prozent sind. “Wenn man alle Flächen, die verfügbar sind, nutzen würde, könnte man hier etwa zehnmal so viel Solarenergie erzeugen, wie ganz Abu Dhabi heute verbraucht“, meint Göbel.

Besonders spannend ist das Projekt "Masdar City" - eine Stadt, in der in wenigen Jahren 50.000 Menschen leben sollen. Die Energie, die die Stadt verbraucht, wird sie selbst herstellen, CO2-neutral. Im Februar 2008 gab es den ersten Spatenstich.

Masdar City setzt auf Nachhaltigkeit

Solarzellen in "Masdar City" in Abu Dhabi (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Zur Zeit lässt Masdar die Solarzellen noch in Erfurt produzieren ]
Razan al-Mubarak ist Chefin des WWF in Abu Dhabi und berät Masdar. “Damit wird ein Traum wahr. Wir alle wollen eine hohe Lebensqualität, wir wollen die Umweltressourcen schonen, und wir wollen unseren Kindern und Kindeskindern einen gesunden Planeten hinterlassen“, sagt Razan al-Mubarak. Masdar City beruhe auf zehn Prinzipien, und zwar unter anderem: Null CO2-Ausstoß und vollständiges Recycling des Mülls. Dazu kommen Prinzipien, die - wenn es um Nachhaltigkeit geht - häufig vernachlässigt werden: Fairer Handel, Gesundheit und Glück, Respekt für örtliche Traditionen und Kultur. Auf diesen Grundlagen baut Masdar City auf.

Die Klimaanlagen werden mit Sonnenstrom angetrieben, Autos gibt es nicht, aber Elektro-Karts auf Schienen. 1500 Firmen sollen sich in der Stadt ansiedeln - und eine Öko-Hochschule, die man gemeinsam mit dem Massachusetts Institute of Technology errichtet. Sultan al-Jaber, Vorstandsvorsitzender von Masdar, sagt dazu: “Es wird Firmen aus der ganzen Welt anziehen, genauso wie Banken und Beteiligungsgesellschaften - und Unternehmen, die ihre Forschung und Entwicklung hier machen möchten. Masdar City ist ganz einfach die Lösung für die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich erneuerbare Energien.“

Nach wie vor ist Energie in Abu Dhabi unglaublich billig. Pläne, dies zu ändern, gibt es nicht. Also fehlt ein finanzieller Druck auf die Bürger, weniger zu verbrauchen.

Lebensqualität sinkt trotz Ölreichtums

Razan al-Mubarak vom WWF glaubt dennoch, dass immer mehr Menschen für die grüne Botschaft empfänglich sind - denn trotz des Ölreichtums sinke die Lebensqualität in den Emiraten: “Das kollektive Bewusstsein, wie die Umwelt früher war und wie sie heute aussieht, ist da. Da muss man gar nicht erst seiner Großmutter zuhören, die einem berichtet, dass damals, als sie jung war, das Meer noch sauber war. Stattdessen merkt das jeder selbst: Vor fünf Jahren hat man für die Fahrt nach Dubai in der Rush-hour noch eine Stunde gebraucht, und heute sind's drei Stunden“, erklärt Razan al-Mubarak.

Über die gewaltigen Straßenkreuzer, mit denen die Emiratis so gerne durch die Stadt schippern, schüttelt Olaf Göbel, der grün angehauchte Ingenieur aus Deutschland, noch immer den Kopf. Doch Masdar hält er für das vielleicht spannendste Umwelt-Projekt, das derzeit weltweit läuft: “Das Problem ist eigentlich folgendes, dass da, wo das Geld ist und das Umweltbewusstsein ist, da ist keine Sonne. Da, wo die Sonne ist, zum Beispiel in Nordafrika, da ist kein Geld, und wenn es irgendwo Sonne und Geld gibt, wie in den Ölländern, dann haben die Öl, und deshalb interessieren die sich nicht für Sonne“, sagt Göbel.  “Abu Dhabi ist jetzt ein ölexportierendes Land, aber der Grund, warum ich hergekommen bin, ist Masdar.  Das ist eine Sache, die hat Potenzial!“

Stand: 28.11.2009 02:59 Uhr

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