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Gola Forest ist ein Regenwald entlang der Grenze von Sierra Leone und Liberia. Beide Regierungen wollen ihn mit einem gemeinsamen Nationalpark schützen. Doch nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes, die beiden armen Staaten sehen in dem Wald auch eine Geldquelle.
Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat
[Bildunterschrift: Nur 200.000 Hektar Tropenwald sind in Westafrika noch übrig. ]
Unterwegs durch Westafrikas letzten Tropenwald. 200.000 Hektar sind übriggeblieben. Es ist feucht und heiß, in der Luft liegt der Geruch von Erde und exotischen Blüten. Durch die Kronen der riesigen Bäume dringt kaum Sonnenlicht– ein dunkelgrünes Paradies, sagt Umweltschützer John Moriba, der sich mit der Machete den Weg bahnen muss. "Wir schützen hier Tiere, die nur in dieser Region vorkommen – kleine Elefanten, Zwergnilpferde, seltene Vögel. Sogar die scheuen Waldantilopen wurden hier schon gesichtet, obwohl sie eigentlich schon als ausgestorben gelten", erklärt John Moriba.
Der Gola Forest zwischen Sierra Leone und Liberia ist das letzte noch weitgehend unberührte Ökosystem der Region. Vor mehr als einem halben Jahr haben die Staatschefs beider Länder, Ernest Bai Koroma und Ellen Johnson-Sirleaf, ihn zu einem grenzübergreifenden Nationalpark gemacht, mit millionenschwerer Hilfe der Europäischen Union - und praktisch in letzter Minute.
[Bildunterschrift: Der Gola Forest liegt an der Grenze zwischen Sierra Leone und Liberia. ]Denn der Regenwald ist bedroht: durch illegalen Einschlag und Verkauf von Tropenholz, durch Brandrodung für Diamantenminen und durch internationale Wilderei im großen Stil. Und dann sind da noch die Menschen aus den Dörfern, die der Natur und damit sich selbst das Leben schwer machen. Weil sie für ihre Reisplantagen den Wald planlos abholzen, mit fatalen Folgen für die Wasserversorgung. "Wir müssen miteinander reden – so können wir nicht weitermachen", sagt der Farmer Mustafa Koroma. "Hier in den Dörfern, wo viel abgeholzt worden ist, gibt es kein Wasser mehr. Und das trotz der langen Regenzeit. Schauen Sie sich mal um, alles trocken und ausgedörrt. Wir graben uns selbst das Wasser ab."
Langsam begreifen die Menschen rund um den Gola Forest, dass sie eine intakte Umwelt brauchen, um zu überleben. Dennoch ist mühsame Überzeugungsarbeit gefragt, so Projektmanager David Zeller: "Wer Hunger hat und immer von der Jagd gelebt hat, vom Verkauf von so genanntem Bushmeat, der lässt sich nicht von heute auf morgen einfach verbieten, Tiere zu töten, selbst wenn sie vom Aussterben bedroht sind. Man muss Alternativen anbieten und der Bevölkerung klarmachen, dass dieses Ökosystem geschützt werden muss. Und dafür brauchen wir viel Zeit und Geduld."
[Bildunterschrift: Brandrodung in Sierra Leone ]
Am Ende könnte dieser Umweltschutz bares Geld bedeuten. Denn Sierra Leone und auch Liberia könnten sich die Aufnahme und Speicherung des Treibhausgases CO2 durch den Gola Forest anrechnen lassen. Auf der Klimakonferenz in Bali 2007 hatten die Vereinten Nationen vereinbart, dass dem in den Wäldern gespeicherten Kohlenstoff künftig ein wirtschaftlicher Wert beigemessen wird. Nach Ansicht von David Zeller ist das ein guter Anreiz für alle Beteiligten, um die Entwaldung zu stoppen. Vor allem, wenn der Waldschutz der natürlichen Kohlenstoffsenkung mit dem Emissionshandel verbunden wird. Von einem Erfolg des Klimagipfels in Kopenhagen hängt deswegen auch viel für den Gola Forest ab, sagt David Zeller.
"Der Emissionshandel wird eine wichtige Rolle spielen – nicht nur, weil dadurch Geld in die Kassen des Gola Forest Projekts kommt und die laufenden Kosten gedeckt werden können. Sondern auch weil die Menschen dadurch erkennen, dass es sich lohnt, solche großartigen Ökosysteme zu schützen", erklärt Zeller.
Sebatu Koroma hat allerdings noch nie etwas von Kohlendioxid gehört, und den Treibhauseffekt kennt sie auch nicht. Sie arbeitet auf dem Feld, um ihre zwei kleinen Kinder satt zu bekommen. Aber sie weiß jetzt, dass das dunkelgrüne Paradies des Gola Forest dabei eine große Rolle spielt: “Ich will, dass dieser Wald für immer geschützt wird. Denn wenn wir das nicht schaffen, dann werden meine Kinder und auch die nächsten Generationen keine Lebensgrundlage mehr haben. Ohne den Wald können wir nicht überleben.“
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