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Die Feuchtgebiete der Erde schrumpfen dramatisch - mit Folgen für das Klima, denn die Austrocknung setzt zuvor gespeicherte Treibhausgase frei. Ein Beispiel sind die Tablas de Daimiel, ein riesiges Feuchtgebiet in der Nähe von Madrid. Jetzt wird dort ein Fluss umgeleitet, um das Gebiet zu retten. Zu spät?
Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Hörfunkstudio Madrid
[Bildunterschrift: Einst ein riesiges Feuchtgebiet, nun trocknet es immer mehr aus: Die Tablas de Daimiel. ]
Es ist Mitte November, und noch immer schwül-warm. Wir sind unterwegs in der Meseta, dem kastilischen Hochland, knapp 200 Kilometer südlich von Madrid. Den Geländewagen des botanischen Gartens von Madrid steuert Santos Cirujano. Kaum einer kennt das Biosphärenreservat so gut wie er: "Gleich sehen wir das, was früher mal die 'Ojos de Guadiana' waren. 1957/58 haben diese Quellen dazu geführt, dass die Straße hier überschwemmt war. Heute ist alles trockengelegt und Ackerfläche. Hier sind wir am Ursprung des Desasters der 'Tablas de Daimiel'."
Unter der Hochebene der Mancha gibt es riesige Grundwasservorkommen, sie sind nummeriert: Nummer 23 speiste früher die Quellen des Flusses Guadiana und versorgte ein Feuchtgebiet riesigen Ausmaßes mit Wasser: die "Tablas de Daimiel", eine fast 20 Quadratkilometer große Sumpf- und Seenlandschaft. Heute sind die Quellen versiegt, auf dem Weg zum Besucherzentrum fährt man kilometerweit durch trocken gefallene Senken - ein trauriger Anblick: "Traurig? Eigentlich müsste man heulen, dann gäbe es wenigstens ein paar Tropfen Wasser", sagt Cirujano.
Vor 20 Jahren noch lebten hier abertausende von Wasservögeln - doch seitdem haben sich die Verhältnisse dramatisch verändert. Und seit 2005 ist das Biosphärenreservat praktisch ausgetrocknet. Rund um das Naturschutzgebiet haben Bauern die Landwirtschaft immer weiter intensiviert – in einer Gegend, in der der Niederschlag alleine dafür nicht ausreicht. Tausende von Brunnen fördern deshalb Wasser für die Beregnung an die Oberfläche. "In den 60er-Jahren gab es eine fortschrittsfanatische Politik, man wollte unproduktive Böden unter den Pflug nehmen und dachte, unter der Mancha gäbe es ein unerschöpfliches Süßwasser-Meer", sagt Cirujano.
Niemand habe sich daran gestört, dass illegale Brunnen gebohrt wurden, erinnert er sich. Doch das Süßwasser-Meer ist endlich; inzwischen müssen die Brunnen immer tiefer gebohrt werden. Die hölzernen Stege im Biosphärenreservat sind nur noch auf einem Prozent der Fläche des Naturschutzgebietes von Wasser umspült. Das Wasser für diesen Vorzeige-See stammt - natürlich - aus einem Brunnen. Im größten Teil des Naturparks bietet sich ein anderes Bild.
Wo früher Wasser stand, steht heute bestenfalls vertrocknetes Schilf - und von Jahr zu Jahr machen sich mehr fremde Pflanzen breit. Das Feuchtgebiet droht von Allerweltskräutern überwuchert zu werden. Als ob das noch nicht genug wäre, haben extreme Sommer in den vergangenen Jahren die Erde aufreißen lassen - riesige Spalten klaffen im Boden.
Die Folgen beschreibt Cirujano so: "Durch die Spalten gelangt Sauerstoff in die Torfschichten im Boden, und zusammen mit der Wärme, die sich bei der Zersetzung der Pflanzen im Boden entwickelt, sind dadurch unterirdische Brände im Torf entstanden."
[Bildunterschrift: Weißer Rauch über den Tablas de Daimiel: Unterirdisch schwelt der Torf und setzt so das Treibhausgas CO2 frei. ]
Die Torfschichten sind aus abgestorbenen Sumpfpflanzen entstanden - eine Vorstufe zu Kohle, sozusagen ein junger fossiler Brennstoff. So lange der Boden durchfeuchtet oder gar von Wasser überschwemmt ist, ist das Gebiet eine wichtige Kohlenstoffsenke, sagt Rosa Mediavilla vom Staatlichen Institut für Geologie und Bergbau: "Wenn dieser Naturpark nicht unter Wasser steht, dann stirbt er. Das bedeutet, dass wir eine Kohlenstoff-Senke verlieren würden. Und das, wo der Klimawandel bevor steht. Und eines ist klar: Feuchtgebiete wie das der Tablas de Daimiel, die jahrtausendelang als Kohlenstoffsenke gewirkt haben, gibt es nicht viele. Es ist etwas besonders."
Doch jetzt, wo große Flächen trocken gefallenen Torfes unterirdisch vor sich hin schwelen, wird der glimmende Torf selbst zur Klimagefahr, der Tonnen von Treibhausgasen freisetzt. Mit Planierraupen versucht man nun, die Spalten im Boden zu schließen - so soll die Sauerstoffzufuhr zu den Bränden gekappt werden. Und aus zwei Brunnen wird Wasser dorthin geleitet, wo die größten unterirdischen Brandherde vermutet werden.
Bis Januar soll eine Leitung fertig sein, die Wasser vom nördlich verlaufenden Tajo in den Park bringt - als Notfall-Maßnahme. Langfristig sollen die Grundwasservorkommen wieder aufgefüllt werden - schon seit 2007 gibt es einen Plan zur Neuordnung der Wasserressourcen rund um den Naturpark. Doch die Umsetzung gemeinsam mit - aber manchmal auch gegen - Bauern ist langwierig. Und schon jetzt ist klar, dass das Biosphärenreservat nie wieder so aussehen wird, wie vor 20 Jahren.
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