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Viele Evangelikale in den USA interessieren sich mehr für den Kampf gegen Abtreibung als für den Klimawandel. Einige engagieren sich für den Umweltschutz. Doch bei den meisten dominiert Argwohn, wenn es um Programme gegen die Erderwärmung geht.
Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington
Ist es nur eine Spinnerei der politischen Linken oder steckt mehr dahinter? Die Evangelikalen in den USA sind verunsichert, wenn es um den Klimaschutz geht. Immerhin engagieren sich inzwischen einige wenige prominente Pastoren für die Umwelt.
[Bildunterschrift: Die Evangelikalen wissen: Beten alleine wird den Klimawandel nicht stoppen. ]
Einer ihrer Vorreiter ist der Geistliche Joel Hunter, der sogar in Fernsehspots dafür wirbt, sich für diese Welt einzusetzen. "Als Christen zwingt uns unser Glaube in Jesus, unsere Nachbarn zu lieben und Diener Gottes für das zu sein, was er hier auf Erden geschaffen hat", heißt es in dem Werbefilm. "Die gute Nachricht ist: Mit Gottes Hilfe können wir die Klimaerwärmung stoppen. Für unsere Kinder. Für unsere Welt und für Gott!"
Pastor Hunter weiß: Mit Beten alleine wird man die Klimaerwärmung nicht in den Griff bekommen. Er plädiert für harte gesetzliche Regelungen beim CO2-Ausstoß. Doch solche Forderungen kommen bei der Mehrheit der Evangelikalen in den USA nicht gut an. Eine Umfrage des Pew-Instituts hat ergeben, dass nur 34 Prozent der weißen Evangelikalen glauben, dass die Menschen auf Erden die Hauptschuld an der Klimaerwärmung tragen; bei der amerikanischen Gesamtbevölkerung sind es immerhin fast 50 Prozent.
Warum ist das so? Die Evangelikalen in den USA seien sehr konservativ und deswegen sehr skeptisch, wenn es darum gehe, staatliche Programme zu entwickeln, die Teile der Wirtschaft oder des Klimaschutzes kontrollieren sollen, erklärt Allan Wisdom vom Institut für Religion und Demokratie. "Da sind die Evangelikalen ausgesprochen argwöhnisch, weil sie glauben, dass solche Programme nur vorgeschoben werden, damit die Regierung ihre Macht weiter ausbauen kann."
Politisch stehen die Evangelikalen weit rechts. Sie sind vor allem gegen Abtreibung und gegen die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare. Ihre politischen Ziele sehen sie am ehesten bei den Republikanern gut aufgehoben. Kein Wunder, dass 60 Prozent der republikanischen Parteimitglieder evangelikale Christen sind.
Aber Richard Cizik - ein evangelikaler Pastor und engagierter Klimaschützer - sieht noch einen anderen Grund, warum sich seine Glaubens-Brüder und -Schwestern so schwer tun bei diesem Thema. "Die religiösen Väter unserer Kirchen haben sich vor allem um spirituelle Fragen gekümmert", sagt Cizik. "Sie setzten sich theologisch mit Martin Luther und Calvin auseinander. Und man hat geglaubt, dass unsere Existenz auf der Erde nur ein Übergangsstadium sein werde - aus diesem Grund hat man sich nicht so sehr um die Erde gekümmert."
Eine Gegenposition zu den Klimaschützern bei den Evangelikalen nimmt Bischof Harry Jackson aus Washington ein. "Euer Klimaschutz-Programm ist in Ordnung, aber denkt daran, dass viele Umweltschützer die Klimaerwärmung dafür benutzen wollen, eine Geburtenkontrolle einzuführen", sagte er kürzlich. "Es gibt Leute, die wollen Frauen sterilisieren und schwarze Kinder umbringen, weil wir eine Klimaerwärmung haben."
Abstruse Gedanken seien das, findet Pastor Jim Wallis. Er nutzt ein Bild, um auf die derzeitige konfuse Diskussion bei den Evangelikalen hinzuweisen: "Der Zug verlässt den Bahnhof. Einige der alten Führer stehen im Fluss, heben ihre Hände in die Höhe und rufen: Halt, halt, halt - es gibt nur zwei moralisch wichtige Themen: Abtreibung und die Homoehe. Aber der Zug fährt und der Fluss fließt weiter und sogar ihre eigenen Kinder laufen an ihnen vorbei."
Soll heißen: Für die junge Generation der Evangelikalen ist neben Fragen der Abtreibung und der Homoehe vor allem auch der Klimaschutz ein wichtiges Thema. Doch noch sind sie in ihren Kirchen in der Minderheit.
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