Weltklima

Länderranking der Klimaschutzorganisation Germanwatch Deutschland rutscht im Klima-Index ab

Stand: 03.12.2012 14:52 Uhr

Deutschland tut laut der Klimaschutz-Organisation Germanwatch nicht genug gegen den Klimawandel. Im Länderranking der klimafreundlichsten Staaten rutscht die Bundesrepublik deshalb ab. Größere Sorgen machen den Experten allerdings China. Dort sei die Emissionsentwicklung "dramatisch".

Von Werner Eckert, SWR-Hörfunk

Umweltaktivisten fordern bei der Klimakonferenz in Doha lautstark eine Steuer auf Finanztransaktionen, die sie Robin-Hood-Steuer nennen. So soll endlich Geld für den Klimaschutz zusammenkommen. Kein Land leistet da genug, zeigt auch die Hitliste der Klimaschutz-Staaten von Germanwatch, einer Denkfabrik in Sachen Klima. Die ersten drei Plätze ließen die Experten leer - Christoph Bals, der politische Direktor der Organisation erklärt, wie diese Entscheidung zustande kam: "Gemeinsam ist, dass überall die Anstrengungen nicht ausreichen, um das viel beschworene Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Selbst in den Staaten, die besonders progressiv gegenüber den anderen dastehen."

UN-Klimakonferenz: Schwieriger Kampf gegen Erderwärmung
Werner Eckert, SWR
03.12.2012 13:55 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Deutschland muss sich verbessern"

Das sind Dänemark, Schweden und Portugal. Am Ende der Liste von 58 untersuchten Staaten stehen Kasachstan, Iran und Saudi-Arabien. Katar, das Gastgeberland der Klimakonferenz, hat keine offiziellen Daten übermittelt. Es steht aber wohl noch schlechter da. Deutschland ist auf Rang acht zurückgefallen. Jan Burck, der den Index erstellt hat, nennt die Gründe: "Deutschland war nicht sprachfähig bei der Energieeffizienzrichtlinie der EU. Es gibt momentan ein Gerangel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium bei sehr vielen wichtigen Fragen. Die Experten fürchten, dass die Energiewende ins Stocken gerät wenn das so weiter geht. Hier muss Deutschland deutlich bessere Leistungen zeigen."

Rauch steigt aus zwei Schornsteinen auf (Bildquelle: REUTERS)
galerie

Die chinesische Industrie verursacht besonders viel Emissionen.

China und die USA liegen weiter weit hinten beim Klimaschutz. Dabei sieht Germanwatch-Direktor Bals vor allem die Entwicklung in China mit großer Sorge. "Die Emissionsentwicklung in China ist dramatisch. Das Boom-Land hat die USA weit überflügelt, was die absoluten Emissionen angeht. Und auch pro Kopf sind die Emissionen nicht mehr weit unter dem Durchschnitt der EU, so dass dort in den nächsten zwei oder drei Jahren vermutlich die Pro-Kopf-Emissionen der EU übertroffen werden." Dann produzieren die 1,3 Milliarden Chinesen dreimal so viel Klimagase wie die gut 500 Millionen Bürger der EU.

Sparen will keiner

Dabei sprechen die Autoren der Studie China nicht den Willen ab, einen sauberen Weg zu gehen. Allerdings fresse der Boom alle Erfolge bei den Erneuerbaren Energien auf. Das ist nach der Beobachtung von Klimaexperte Burck ein Problem, das weltweit existiert. "Bei den erneuerbaren Energien ist Hoffnung. Aber wir wissen alle: das reicht nicht! Wir brauchen eine doppelte Strategie: Energieeffizienz und Erneuerbare zusammen erst reduzieren die Emissionen." Sparen will keiner - und alleine nur mit mehr Sonne und Windstrom ist die Welt nicht zu retten.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (Bildquelle: dpa)
galerie

Bundesumweltminister Altmaier will ehrgeizigere Ziele beim Klimaschutz.

Die deutsche Delegation wird zu Beginn der zweiten Woche von Umwelt-Staatssekretärin Katharina Reiche angeführt. Der innenpolitische Streit, der Deutschland im Index nach hinten wirft, ist ihrer Meinung nach den normalen Auffassungsunterschieden zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium geschuldet. Trotzdem schließt sie eine Mahnung an Wirtschaftsminister Rösler an: "Gleichwohl wird auf Deutschland in besonderem Maße geschaut. Und das muss auch jeder wissen, der in diesem Kabinett Verantwortung trägt."

Altmaier fordert mehr Einsparungen

Im Gegensatz zu seinem Wirtschaftskollegen Philipp Rösler will Bundesumweltminister Peter Altmaier zum Beispiel, dass die EU ihr Klimaziel aufstockt: statt 20 sollen sogar 30 Prozent der Emissionen eingespart werden. Diese ehrgeizige Ziel scheitert zurzeit unter anderem an Polen. Altmaier hatte angedeutet, die EU könne auch ohne Polen in Doha für Schub sorgen und die Latte höher legen. Ein Satz, den seine Staatssekretärin Reiche relativiert: "'Es geht ohne Polen' heißt, dass Europa sicherlich insgesamt dazu in der Lage wäre zu mindern. Der Satz war aber nicht so zu verstehen, dass es egal ist, was Polen denkt. Gleichwohl ist es sinnvoll, zusammenzubleiben, sich auf ein gemeinsames Ziel festzulegen mit den polnischen Nachbarn." Reiche wird ihren Chef auch in der Ministerrunde vertreten. Altmaier wird erst am Donnerstag in Doha selbst übernehmen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau 24 um 16:30 Uhr

Darstellung: