Thermometer in der Sonne (Bildquelle: dpa)

Folgen des Klimawandels Die Ärmsten trifft es am härtesten

Stand: 27.11.2012 16:14 Uhr

193 Staaten beraten in Doha über Maßnahmen gegen den Klimawandel. Denn die Folgen der Erderwärmung betreffen alle. Allerdings nicht im gleichen Ausmaß: Am stärksten leiden Menschen in armen Ländern unter dem Klimawandel. Diese fordern daher einen finanziellen Ausgleich.

Von Andrea Rönsberg, Deutsche Welle, zzt. in Doha

"Zehn Tage am Stück hat es einmal geregnet", erinnert sich Antonio Cañas Calderón, "und insgesamt war der Niederschlag im Jahr 2011 um 41 Prozent höher als im Jahresdurchschnitt der vergangenen vier Jahrzehnte". Infolge dieser Regenfälle habe El Salvador mehr als ein Drittel seines in 2011 erwirtschafteten Bruttoinlandprodukts verloren, erzählt Cañas, der zur Delegation des mittelamerikanischen Landes bei der Klimakonferenz in Doha gehört.

Es sind diese Regenfälle, die El Salvador einen vierten Platz eingebracht haben: den vierten Platz im Klima-Risiko-Index, den die Umweltorganisation Germanwatch in Doha veröffentlicht hat. Anhand der Angaben über Schäden aus Naturkatastrophen, die beim Rückversicherer Munich Re (vormals Münchener Rück) in einer Datenbank gesammelt werden, untersucht Germanwatch zum Beispiel die Zahl der Todesopfer sowie Daten über wirtschaftliche Schäden und ermittelt daraus einen Wert für seinen Index.

An der Spitze dieses Indexes für das Jahr 2011 steht Thailand. Bei Überschwemmungen waren laut Germanwatch im vergangenen Jahr fast 900 Menschen gestorben und Schäden von mehr als 75.000 US-Dollar entstanden.

Überflutung in Bangkok (Bildquelle: AFP)
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2011 kam es in Thailand zu schweren Überschwemmungen. Fast 900 Menschen starben.

Extremes Wetter infolge des Klimawandels?

Einzelne Wetterereignisse wie die Flut in Thailand oder die starken Regenfälle in El Salvador können nicht ursächlich auf den menschengemachten Klimawandel zurückgeführt werden, darauf weist Germanwatch in dem Bericht hin. Und dennoch, meint der Teamleiter für internationale Klimapolitik, Sven Harmeling, seien manche Wetterereignisse ohne den Klimawandel nicht zu erklären. Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch ergänzt: "Wenn extreme Wetterereignisse auftreten, die eigentlich nur alle 4000 Jahre oder so auftreten, dann sind sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Klimawandel zurück zu führen." Ein Beispiel sei die Rekord-Hitze in Europa im Sommer 2003.

Ernte (Bildquelle: dpa)
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Auch die USA bekommen den Klimawandel zu spüren. 2011 litten mehrere Bundesstaaten unter einer Dürreperiode.

Bei Hitzewellen sei es einfacher als bei starken Regenfällen, eine Verbindung zum Klimawandel herzustellen, meint Bals. Schließlich steige durch den Klimawandel erwiesenermaßen die globale Durchschnittstemperatur. Insofern seien sich die Wissenschaftler auch ziemlich sicher, dass die Hitze- und Dürreperiode, die die US-amerikanischen Bundesstaaten Texas, Oklahoma, Louisiana und Neu-Mexiko im Jahr 2011 erlebt hätten, auf den Klimawandel zurückzuführen sei.

Auch USA in den "Top Ten"

Es ist allerdings nicht die Hitzewelle von 2011 allein, die den USA einen Platz in den "Top Ten" des Klima-Risiko-Indexes eingebracht haben. Tornados und Hurrikan "Irene" haben dazu das ihre beigetragen. Diese Wetterextreme, und jetzt im Jahr 2012 die Dürre sowie Hurrikan "Sandy" veränderten das Bewusstsein der amerikanischen Bevölkerung, meinte der Unterhändler der USA in Doha, Jonathan Pershing, bei einer Pressekonferenz.

Vor allem Entwicklungsländer betroffen

Saleemul Huq
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Saleemul Huq von der Unabhängigen Universität in Bangladesch sieht einen Fortschritt im Kampf gegen die Naturgewalten.

Repräsentativ für die Länder, die am meisten von extremen Wetterereignissen betroffen sind, sind die USA ohnehin nicht. Unter den zehn Ländern, die zwischen 1992 und 2011 am stärksten betroffen waren, ist kein einziges Industrieland. Vielmehr sind es Länder mit geringem Einkommen wie Honduras, Myanmar, Nicaragua und Bangladesch.

Gerade Bangladesch ist durch seine geografische Lage im niedrig gelegenen Ganges-Delta sehr gefährdet. Dennoch ist es im langfristigen Klima-Risiko-Index der Jahre 1992 bis 2011 vom ersten auf den vierten Platz gerutscht. Das liege daran, sagt Saleemul Huq vom International Centre for Climate Change and Development an der Unabhängigen Universität in Bangladesch, dass zwar die Zahl der Zyklone in den letzten Jahren gestiegen sei, es aber trotzdem gelungen sei, die daraus resultierenden Todesfälle zu reduzieren.

Eine Mutter und ihre zwei Kinder in Bangladesch sind durch "Aida" obdachlos geworden. (Bildquelle: dpa)
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Zyklon "Aida" machte 2009 mehr als 500.000 Menschen in Bangladesch obdachlos.

Bei den letzten beiden Zyklonen hätten zwei Millionen Menschen erfolgreich evakuiert werden können. Dies sei einem Frühwarnsystem zu verdanken - und der Aufklärung an der Schule. "Früher haben die Leute die Signale nicht verstanden und wussten nicht, wann sie die Schutzräume aufsuchen müssen", erzählt Huq. "Jetzt wird es den Kindern an der Schule beigebracht und die Kinder sagen dann zu Hause ihren Eltern und Großeltern, was bei einer Warnung zu tun ist."

Auch eine Frage des Geldes

Die Frühwarnsysteme zu verbessern, meint Huq, sei nicht in erster Linie eine Frage von finanzieller Unterstützung durch die Industrieländer. Wenn die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder auf Klimakonferenzen wie der in Doha aber Geld fordere, um Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu finanzieren, sei das sehr wohl eine Frage von Verantwortlichkeit: "Das sind ja keine gottgegebenen Wetterereignisse."

So sieht es auch Mónica López Baltodano von der Umweltorganisation Centro Humboldt in Nicaragua: "Die Industrieländer sorgen mit ihren übermäßigen Emissionen von Treibhausgasen dafür, dass sich die Erde erwärmt und lassen uns arme Ländern mit den Katastrophen und deren Folgen allein", meint sie. "Deshalb fordern wir Technologietransfer und einen finanziellen Ausgleich für die Schäden, die wir erleiden."

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