Offshore-Windanlage bei Nantong in China | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Aus für Kohlekraftwerke Chinas Weg zu den Erneuerbaren

Stand: 06.11.2017 12:03 Uhr

China wird zwar noch lange von Kohle als Energieträger abhängig sein. Doch die Staatsführung schickt sich an, eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu übernehmen und investiert Milliarden in Erneuerbare Energien. Leidtragende sind die Kohlekumpel.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Mit je 30 Tonnen Kohle beladene Lastwagen donnern durch die Stadt Yangquan. Sie liegt in einer der wichtigsten Kohleregionen Chinas, in der nordchinesischen Provinz Shanxi. Im Zentrum der Stadt gibt es drei staatliche Kohleminen. An einem der Werkstore steht Kohlekumpel Pan: "Bis vor einigen Jahren lief es noch gut, aber jetzt wird unsere Mine wohl bald schließen", erzählt er.

Die Produktion sei in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgefahren worden. "Nächstes Jahr könnte nun ganz Schluss sein, heißt es. Die staatliche Betreiberfirma wird sich etwas ausdenken müssen für uns Arbeiter."

Kumpel der Kohlemine in Yangquan | Bildquelle: Steffen Wurzel
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Kumpel der Kohlemine in Yangquan

Hunderte Milliarden Euro Investitionen in Ökostrom

Weltweit gesehen wird immer noch rund die Hälfte aller Kohle in China verbrannt. Doch das große Geld investiert die Regierung in Peking inzwischen in den Ökostrom-Sektor. Anfang des Jahres kündigte die Führung in Peking an, bis 2020 rund 310 Milliarden Euro für Erneuerbare Energien auszugeben. Staats- und Parteichef Xi Jinping sagte: "Wir bauen eine grüne und kohlenstoffarme Wirtschaft auf. Wir werden energiesparende und umweltfreundliche Industrien fördern. Wir treiben die Energiewende voran, hin zu sauberen und hoch effizienten Energiequellen."

Nach Zahlen der Internationalen Energieagentur entstehen heute etwa 40 Prozent aller weltweit neuen Ökostrom-Kraftwerke in China, gemessen an der Leistung der Anlagen. Blickt man nur auf die Photovoltaik, liegt das Land sogar noch weiter vorne: Jede zweite Solarzelle auf diesem Planeten wird inzwischen in China verbaut.

"China ergreift Führungsrolle"

Noch vor sieben, acht Jahren galt China noch als ausgesprochener Klimasünder. "China macht nicht nur mit beim internationalen Umwelt- und Klimaschutz, sondern ergreift auch eine Führungsrolle. Das ist bemerkenswert", sagt der Klimaschutzexperte von Greenpeace in Peking, Li Shuo. "China hat das Wort 'Führungsrolle' selbst bisher immer vermieden, wenn es um Umweltschutz geht. Es ist sehr interessant, dass Chinas Führung diesen Begriff nun immer selbstverständlicher benutzt."

Kohlemine in Yangquan | Bildquelle: Steffen Wurzel
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Die Mine in Yangquan liegt in einer der wichtigsten Kohleregionen Chinas.

Beim Klimagipfel von Paris hatte sich die chinesische Regierung verpflichtet, den Höhepunkt des CO2-Ausstoßes, den "Peak CO2", im Jahr 2030 zu erreichen. Ab dann werde der CO2-Ausstoß zurückgehen. Li Shuo von Greenpeace rechnet damit, dass China dieses Ziel aber schon 2020 oder sogar noch eher erreichen wird.

Doch so ungetrübt, wie es sich nach diesen Statistiken anhört, ist die Situation nicht. Immer noch ist das bevölkerungsreichste Land der Welt abhängig von Kohle.

"Neue Technologien machen Menschen arbeitslos"

Lu Jisheng betreibt einen Nudelsuppen-Laden in der Nähe einer Mine in der Kohlestadt Yangquan. Früher hat er selbst unter Tage gearbeitet. Angesprochen auf Chinas neue Rolle als vermeintlicher Klimaretter und den Ausbau der Erneuerbaren, schüttelt er nur mit dem Kopf: "Ich sehe die neuen Technologien als Bedrohung. Sie machen Menschen arbeitslos. Mein Sohn ist 20. Er hat sich nach der Berufsschule bei der Kohlemine beworben, hat aber keinen Job bekommen. Viele junge Leute hängen jetzt zu Hause herum, und das ist natürlich keine gute Sache."

Kohlemine in Yangquan | Bildquelle: Steffen Wurzel
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Von der Kohlegrube in die Suppenküche: Lu Jisheng musste neu anfangen.

Was Chinas Rolle als Klimaschützer angehe, sei das Glas eher halb voll als halb leer, so das Fazit von Greenpeace-Experte Li. Die entscheidende Frage sei nun, wie das Land den Rest des Glases voll bekomme.

Trotz Kohle: China erreicht Klimaschutz-Ziele schneller als gedacht
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
06.11.2017 12:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2017 um 07:17 Uhr.

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