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UN-Konferenz in Doha
Warum dauern Klimagipfel immer so lange?
Verzögerungen gehören zu jedem Klimagipfel - wirklich pünktlich ist selten Schluss. Deshalb werden Flugtickets umgebucht und Regierungschefs mitten in der Nacht aus dem Bett geholt. Auch in Doha wird ein zähes Ringen um die endgültigen Beschlüsse erwartet. Gewinnen tut der, der am längsten wach bleibt.
Von Jakob Mayr, BR, zzt. Doha
Mit dem Rollkoffer zum Finale: Viele Gipfelteilnehmer kommen schon heute mit Gepäck. Der letzte Tag kann lang werden, sehr lang. Nur einmal kam ein Gipfel rechtzeitig zum Ende - vor sechs Jahren in Nairobi. Damals waren einige so überrascht, dass sie gar nicht gehen wollten.
Die Regel ist: Der Hammer fällt erst in der letzten Nacht oder Samstag früh. Bundesumweltminister Peter Altmaier hat sich in Doha darauf eingestellt: "Wenn wir etwas Konkretes erreichen wollen, müssen wir auch bereit sein, möglicherweise auf ein paar Mützen Schlaf zu verzichten und ein paar Stunden länger zu verhandeln." Ann-Kathrin Schneider vom BUND rechnet mit dem Schlimmsten: "Ich glaube, wir werden unsere Flugtickets umbuchen müssen. Ich glaube, bis Sonntag müssen wir auf jeden Fall hier bleiben."
Warum müssen Klimagipfel immer so lange dauern?
J. Mayr, BR zzt. Doha
07.12.2012 08:27 Uhr
"Es wird zwei Wochen um den heißen Brei herumgeredet"
Ganz entscheidende Fragen sind noch nicht geklärt. Aber warum? Die Probleme liegen seit Jahren auf dem Tisch, seit Monaten treffen sich die Beteiligten und in Doha haben die Beamten tagelang alles vorbereitet. "Es war schon vor der Konferenz klar, wo eigentlich die Knackpunkte liegen und es ist unverantwortlich, dass hier wirklich zwei Wochen lang um den heißen Brei herumgeredet wird und erst in den letzten Stunden dann die Minister und Ministerinnen die Entscheidungen treffen", sagt Greenpeace-Sprecher Martin Kaiser.
Christoph Bals von Germanwatch hat da mehr Verständnis: "Am Ende entscheiden die Minister, aber auch die müssen davor ihre Chefs fragen und die sind nicht immer erreichbar." Bei einem Gipfel sei Putin in einer anderen Weltregion unterwegs gewesen und man habe versucht, ihn um drei Uhr nachts ans Telefon zu bekommen.
Stühle unter den Hintern weggezogen
In den Ministerrunden siegt, wer am längsten wach bleibt und den Überblick behält: Ist im großen Paket genug drin? Und der Druck steigt ständig: Die einen Minister reisen schon ab und auf der anderen Seite muss man von den Regierungen zuhause das Okay bekommen haben, dass man sich bewegen kann. Das verzögert die ganze Geschichte. Am Schluss segnen die Delegierten im Plenum hohläugig und graugesichtig das Ergebnis ab.
In Durban hat es vergangenes Jahr bis Sonntag gedauert. So lange will der Bundesumweltminister in Doha nicht warten: "Ich habe jedenfalls dafür Vorsorge getroffen, dass ich bis Samstag Abend bleiben kann. Was ich nicht machen werde, ist ein endloses Gerede, das am Ende dann ausgeht wie das Hornberger Schießen."
Bei einigen Klimagipfeln haben die Veranstalter den Teilnehmern buchstäblich die Stühle unter den Hintern weggezogen, das Konferenzgelände war anderweitig vermietet. In Doha ist das nicht der Fall. Im Prinzip könnte der Klimagipfel hier bis Weihnachten weitermachen.
Werner Eckert (ARD) zum Klimagipfel in Doha
tagesschau 17:00 Uhr, 07.12.2012
Stand: 07.12.2012 07:45 Uhr
