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10.02.2010

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Ausland
Premier Wen Jiabao
China will CO2-Ausstoß reduzieren - relativ
Vor dem Weltklimagipfel

China will CO2-Ausstoß reduzieren - relativ

Nach der Zusage von US-Präsident Obama hat auch Chinas Regierungschef Wen angekündigt, persönlich zum Weltklimagipfel nach Kopenhagen zu kommen. Erstmals kündigte er konkrete Ziele an: Relativ zur Wirtschaftsleistung soll Chinas CO2-Ausstoß bis 2020 um bis zu 45 Prozent gegenüber 2005 gesenkt werden.

Von Petra Aldenrath, ARD-Hörfunkstudio Peking

Smog über Peking (Foto: AFP) [Bildunterschrift: Der Preis des Booms: Schwerer Smog über Peking ]
Stinkende Abgase, qualmende Fabrikschlote und dichter Smog, der in den Augen brennt. Chinesischer Alltag, über den immer häufiger berichtet wird. Chinas Wirtschaft boomt und dieser Boom hält an. Nach wie vor sind weite Teile des Landes arm und Millionen Bauern wollen das, was wir in Europa für selbstverständlich halten: mehr Wohlstand. Dazu gehören neue Häuser, neue Kühlschränke und Autos.

Einfach sei die Situation in China nicht, sagt Pan Jiahua, Klimaberater der chinesischen Regierung: "China braucht ein gewisses Maß an Wachstum, um Armut und Rückständigkeit zu bekämpfen. Aber gleichzeitig versuchen wir alles, um Emissionen bis zum Jahr 2020 drastisch zu verringern."

China will den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren

Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen will China zeigen, dass es bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Zum einen sollen erneuerbare Energien noch stärker gefördert werden und zum anderen will China eigene Klimapläne präsentieren. Die sehen vor, dass China den Ausstoß der Treibhausgase bis zum Jahr 2020 absenken will: Gegenüber dem Jahr 2005 soll der Schadstoffausstoß pro erwirtschaftetem Yuan um 40-45 Prozent reduziert werden.

Chinas zweifelhaftes Angebot:

Das Angebot klingt auf den ersten Blick gut: Pro erwirtschaftetem Yuan soll der CO2-Ausstoß um bis zu 45 Prozent bis zum Jahr 2020 sinken. Beim genaueren Hinsehen erweist sich die Offerte aber als ziemlich fragwürdig - nach allem, was bislang bekannt ist, lässt sie die Inflation komplett außen vor. Anders - und stark vereinfacht - formuliert: Je höher die Inflation in China, umso mehr darf verschmutzt werden.

Kostet beispielsweise ein Produkt heute 100 Yuan und bei der Herstellung werden 100 g CO2 ausgestoßen, so denkt man zunächst, der Ausstoß für dieses Produkt solle auf 55 g CO2 sinken. Allerdings lässt das alle Preissteigerungen außer Acht: Kostet das gleiche Produkt 2020 beispielsweise 200 Yuan, dürften für die Herstellung sogar 110 g CO2 ausgestoßen werden - und damit zehn Prozent mehr als heute.

 

Höhepunkt der Emissionen wohl frühestens 2030

Das China sich auf solche Ziele festlegen will, ist ein Beginn. Was aber bei der Rechnung oft nicht bedacht wird: China produziert bereits heute viel mehr als im Jahr 2005 und stößt daher auch viel mehr Schadstoffe aus. Die Industrialisierung Chinas ist noch längst nicht beendet. Experten schätzen, dass der Höhepunkt der Emissionen erst zwischen 2030 und 2040 erreicht wird.

Industrieanlagen in China (Archivbild 2005) (Foto: REUTERS) [Bildunterschrift: Industrieanlagen in China (Archivbild 2005) ]
Der Schadstoffausstoß des gesamten Landes wird daher also erstmal insgesamt nicht ab-, sondern zunehmen. Das Wirtschaftswachstum hat oberste Priorität. Dabei hat das ungehemmte Wachstum massive Schäden in der Umwelt hinterlassen. 70 Prozent der chinesischen Flüsse gelten als verseucht, die Krebsraten steigen immens und auch die Klimafolgen sind spürbar. Zum einen schmelzen die Gletscher auf dem Himalaja immer schneller ab, zum anderen nehmen entlang der Küste Sturmkatastrophen zu und im Westen breiten sich Wüsten aus.

Die Alarmglocken klingeln nicht laut genug

Auch die Korruption blüht: Bestehende Umwelt- und Klimaschutzauflagen werden gegen Schmiergeld umgangen. Die Alarmglocken klingelten längst nicht bei allen laut genug und auch die Aufklärung der einfachen Bevölkerung reiche nicht aus, sagt Umweltschützerin Yang, Mitglied bei Greenpeace in Peking: "Wir haben herausgefunden, dass die meisten Chinesen mittlerweile etwas über Umweltschäden wissen. Aber mit dem Klimawandel können viele nichts anfangen. Viele Menschen hier wissen, dass der Fluss, der vor ihrem Haus entlang fließt, verseucht ist. Aber sie wissen nicht, dass die Gletscher schmelzen."

Stand: 26.11.2009 16:27 Uhr
 

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