Australische Import-Kohle in China | Bildquelle: dpa

Zukunft der Energieversorgung Kohle ohne Ende

Stand: 01.12.2015 21:04 Uhr

Eine Forderung prägt den Anfang der Klima-Konferenz in Paris: die Abkehr von der Kohle . Sie wird von vielen Regierungen propagiert, doch tatsächlich bauen viele Länder weiter neue Kohlekraftwerke. Dabei ist absehbar, dass diese bald unrentabel sein werden.

Von Werner Eckert, SWR

Ausgerechnet die deutsche Kanzlerin drängt den Klimagipfel zum Kohleausstieg. Angela Merkel machte schon zu Beginn in Paris klar, was es bedeutet, den Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzen zu wollen: "Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass wir im Lauf des 21. Jahrhunderts eine weitgehende Dekarbonisierung unserer Volkswirtschaften brauchen."

Weg von der Kohle heißt das - und von Öl und Gas. Doch die Realität sieht anders aus: Die Regierungsparteien haben sich gerade offengehalten, bestehende Kohlekraftwerke auch nach 2018 zu subventionieren - das geht aus einer Vereinbarung zum Kraft-Wärme-Kopplung-Gesetz hervor, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Weiter bauen - mit fatalen Folgen

Und das ist nicht nur in Deutschland so: Kohle schwärzt die Klimabilanzen weltweit. Und mehr noch: 2500 neue Kohlekraftwerke sind global in Planung, einige Hundert sind schon im Bau. Die Folgen fürs Klima hat Niklas Höhne von der Denkfabrik New Climate Institute ausgerechnet: "Wenn wir uns anschauen, was Länder derzeit umsetzen wollen, dann sind wir schon bei 3,6 Grad."

Im Jahr 2030 wären dann die Emissionen vier mal so hoch, wie sie sein dürften, will man die 2-Grad-Grenze einhalten. Ein dramatischer Gegensatz tut sich da auf. Viele Kraftwerksplanungen seien aber einfach von der Aktualität überholt worden, sagt Höhne: "Zum einen dauert es sehr, sehr lange, um Kohlekraftwerke zu planen - ungefähr zehn Jahre, bis das dann auch zur Realität wird. Und auf der anderen Seite sehen wir, dass Alternativen wie zum Beispiel Erneuerbare Energien sich in den letzten zehn Jahren sehr schnell entwickelt haben."

Schaufelbagger in Garzweiler | Bildquelle: dpa
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Der Ausstieg aus der Braunkohle ist in deutschland gerade dort umstritten, wo sie noch abgebaut wird.

Erneuerbare Energien machen Kohle unwirtschaftlich

Die Folge: Große Schwellenländer planen und bauen gleichzeitig Kohlekraftwerke und Erneuerbare. Auch für die Türkei hat das New Climate Institut die Auswirkungen berechnet. Absehbar ist ein Problem, das Deutschland bereits kennt: Wenn all diese Kapazitäten am Netz sind, verfallen die Strompreise. Die Kohle wird dann den Kürzeren ziehen, ist sich der Analyst sicher: "Die Erneuerbaren Energien sind, wenn sie erst einmal stehen, quasi umsonst. Und das bedeutet, dass die Kohlekraftwerke vor Ende ihrer Lebensdauer abgeschaltet werden müssen. Und so etwas muss unbedingt vermieden werden - aus ökonomischer Sicht."

Der Markt allein kann das nicht regeln, meint Höhne. Die Regierungen müssten jetzt handeln: "Sie können jetzt einschreiten und jetzt die Kohlekraftwerke in der frühen Planungsphase stoppen. Wenn sie sich damit Zeit lassen und das erst tun, wenn die Kraftwerke schon gebaut werden, dann wird das sehr, sehr teuer."

Die Klimakonferenz und ein mögliches Klimaschutzabkommen in Paris könnten den nötigen Rahmen dafür setzen. Allerdings ist das ein heikles Thema bei den Verhandlungen. Denn, so sagt Bill Hare von Climate Analytics, einer anderen Denkfabrik: Dekarbonisierung sei ein vergifteter Begriff. Gerade die Schwellenländer glauben nämlich, alle Energie zu brauchen, die sie kriegen können.

Windräder und Kohlekraftwerk in Hohenhameln (Landkreis Peine) | Bildquelle: dpa
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Machen Windkrafträder Kohlekraftwerke bald überflüssig?

Dieser Beitrag lief am 01. Dezember 2015 um 15:43 Uhr auf InfoRadio.

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