Leuchtinstallation am Eiffelturm | Bildquelle: AP

Endspurt beim Klimagipfel Bringt der neue Entwurf den Durchbruch?

Stand: 12.12.2015 05:02 Uhr

Schafft es der Gipfel in Paris, sich auf einen Kompromiss für ein globales Klimaabkommen zu einigen? Gastgeber Frankreich will am Vormittag einen erneut überarbeiteten Entwurf präsentieren. Es wäre der erste weltweite Klima-Vertrag überhaupt.

Von Jakob Mayr, BR-Hörfunkstudio Brüssel

Die Augen werden kleiner, die Hoffnung, endlich zu einem Ergebnis zu kommen, wird größer - der Klimagipfel ist in der Verlängerung. In der vergangenen Nacht haben die Unterhändler aus 195 Staaten wieder in kleinen Gruppen zusammengesessen. Am Morgen will Tagungsleiter Laurent Fabius einen weiteren Entwurf für den weltweiten Klimavertrag vorlegen.

Christoph Bals von der Entwicklungsorganisation Germanwatch: "Ich glaube, dass der französische Außenminister sehr viel eigenes politisches Kapital investieren wird, um einen Text hinzubekommen, mit dem er sich sehen lassen kann, mit dem die Konferenz zum Erfolg geführt wird und wo er die Kompromisse sorgfältig ausgelotet hat."

Weltklimagipfel auf der Zielgeraden
nachtmagazin 01:00 Uhr, 12.12.2015, Lorenz Beckhardt, ARD Paris

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Im aktuellen Textentwurf ist das Fernziel verankert, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten. Dafür sollen die Staaten in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Emissionsneutralität erreichen - also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als auch wieder eingefangen werden.

"Da sind wir noch nicht durch", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. "Das steht im Textentwurf drin und natürlich gibt es Länder, die sich dagegen positionieren. Beim Überprüfungsmechanismus ist erst einmal wichtig, dass er insgesamt akzeptiert wird, alle fünf Jahre stattfindet und kurz nach 2020 beginnt."

Nachbesserungen nötig

Dann sollen die nationalen Klimaschutzpläne, die alle Staaten vor dem Paris-Gipfel vorgelegt haben, überprüft und nachgebessert werden. Denn die reichen bisher nicht aus, um die Folgen der Erderwärmung wirksam im Griff zu halten. Luxemburgs Umweltministerin Carole Dieschbourg, die für die EU spricht, bemängelt zwei Punkte im Entwurf: "Eines davon ist der Ambitionslevel, wo wir in der EU stark kritisieren, dass das verwässert wird. Das zweite ist der Bereich Finanzen."

Die Entwicklungsländer möchten ab 2020 mehr Klimahilfe als die von den Industriestaaten zugesagten 100 Milliarden Dollar pro Jahr. Aus Sicht der Industrieländer müssen dann auch Ölstaaten und große Schwellenländer mitzahlen. Das große Schwellenland Brasilien hat sich einer Koalition für ein starkes Abkommen angeschlossen. Aber China und Indien wehren sich sogar dagegen, anderen freiwillig zu helfen.

Bundeskanzlerin Merkel und Umweltministerin Hendricks fordern ein verbindliches Klimaabkommen. | Bildquelle: AP
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Bundeskanzlerin Merkel und Umweltministerin Hendricks fordern ein verbindliches Klimaabkommen.

Nicht nur China und Indien bremsen

Zwei Bremser? Ministerin Hendricks sieht das auch so:  "Ja, das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber das sind auch nicht die einzigen. Man kann nicht China und Indien die Schuld an allem geben, wenn es nicht so glatt vorangeht. Es gibt auch andere. Außerdem: Aus deren Sicht sind wir natürlich diejenigen, die bremsen."

Wissenschaftler auf dem Klimagipfel warnen: Das bisher Erreichte reicht nicht. Der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans-Joachim Schellnhuber, befürchtet, dass der Text weiter verwässert wird: "Wir müssen sehen, dass wenn wir mit diesem Vertrag leben müssen, dass dann starke Signale in die Finanzwelt und in die Zivilgesellschaft gehen und gleichzeitig müssten viele Länder nachlegen."

Wer wieviel nachlegt in den Verhandlungen - darüber wird bis zuletzt gestritten. Aus verschiedenen Hauptstädten schalteten sich Staats- und Regierungschefs ein. Auch der Draht ins Kanzleramt nach Berlin steht für den Fall des Falles, so Umweltministerin Hendricks: "Es ist jedenfalls besprochen, dass die Bundeskanzlerin dann, wenn es nötig ist, eingreift."

Klimagipfel geht in Verlängerung
Jakob Mayr, BR-Hörfunkstudio Brüssel
11.12.2015 23:27 Uhr

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