Philippinischer Delegierter hungert für bessere Klimapolitik

Der Philippiner Yeb Sano auf der Warschauer Konferenz

Hungern für eine bessere Klimapolitik

In seiner Heimat hungern Hunderttausende - darunter auch sein Bruder. Yeb Sano, der philippinische Delegierte auf der Klimakonferenz in Warschau, weigert sich darum zu essen. Sein Ziel: dass sich die Menschheit dem Klimaproblem stelle.

Von Andrea Rönsberg, Deutsche Welle, zzt. Warschau

Yeb Sano von den Philippinen bei der Klimakonferenz in Warschau am 12.11.13 (Bildquelle: AFP)
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Yeb Sano von den Philippinen bei der Klimakonferenz in Warschau am 12.11.13

Mittag in Warschau. Es riecht nach Brathuhn und gekochtem Gemüse. Delegierte der Klimakonferenz setzen sich mit ihren Tabletts an die Tische der Cafeteria im Nationalstadion. Nur an einem Tisch sitzt ein Mann, der weder ein Tablett vor sich hat noch etwas isst.

Yeb Sano leitet die Delegation der Philippinen. Vor den versammelten Unterhändlern der über 190 Teilnehmerländer hat er am Montag in einem emotionalen Appell erklärt, dass er von nun an fasten werde - aus Solidarität mit seinen Landsleuten und seinem Bruder, die in den vom Taifun "Haiyan" zerstörten Regionen seit Tagen kaum etwas zu essen haben. Das will er durchhalten, bis ein "bedeutendes" Abkommen verhandelt ist.

Jetzt, am zweiten Tag seines Fastens, schaut er sich in der Cafeteria um und erzählt, dass sein Arzt ihm gesagt habe, er solle Orte meiden, in denen es nach Essen rieche. Das klappe wohl noch nicht so gut, meint er schulterzuckend.

"ich gebe mich keinen Illusionen hin"

In seinem dunklen Anzug, mit weißem Hemd und blauer Krawatte wirkt Sano eher wie ein nüchterner Politiker denn wie ein Träumer. Er gebe sich keinerlei Illusion hin, dass seine Fastenaktion oder selbst die Tragödie auf den Philippinen die Verhandlungen auf der Klimakonferenz drastisch verändern werde, sagt er. "Aber wir hoffen schon, dass die Menschheit diese Herausforderung annimmt und wir hier in Warschau vorankommen." 

Vorankommen, das bedeutet für Sano, dass die Industrieländer Geld für die sogenannte Anpassung zusagen. Diese beinhaltet finanzielle Unterstützung, damit die Entwicklungsländer einen wirksamen Katastrophenschutz aufbauen oder auch Pläne entwickeln, wie sie ihre Raumplanung und Bodennutzung ändern können. Ziel ist, dass extreme Wetterereignisse keine so horrenden Schäden mehr anrichten. Vorankommen bedeutet aber auch, dass in Warschau ein Mechanismus beschlossen werde, wie die Länder für klimawandelbedingte Kosten aufkommen.

Ob der Taifun "Haiyan" vom Klimawandel verursacht wurde, sei schwer zu sagen. "Wissenschaftler wissen nicht eindeutig, ob einzelne Wetterphänomene infolge des Klimawandels auftreten oder nicht", sagt Sano. "Aber sie können sagen, dass die Erwärmung der Ozeane zu mehr Niederschlag führt, und dass das wiederum heftigere Stürme begünstigt."

Weltweiter CO2 Austoß
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Nur in der Wirtschaftskrise 2009 ging der CO2-Ausstoß merklich zurück - ansonsten steigen die Emissionen seit Jahren kontinuierlich an.

Wetterkatastrophen treffen meistens die Armen

Das sieht Christoph Bals genauso. Er ist politischer Geschäftsführer der Organisation Germanwatch, die Jahr für Jahr in ihrem Klima-Risiko-Index analysiert, welche extremen Wetterereignisse welche Länder heimgesucht haben, wie viele Menschen dabei zu Tode gekommen sind und welche finanziellen Schäden entstanden sind.

Auf der Rangliste der 2012 am schwersten betroffenen Länder stehen die Philippinen weit oben. Den Platz hat ihnen vor allem der Taifun "Bopha" eingebracht: Über 1400 Tote und Schäden von 1,2 Milliarden US-Dollar - so lautete die Bilanz im Dezember 2012.

"Industrieländer können sich besser schützen"

Auch in einer weiteren Rangliste von Germanwatch stehen die Philippinen unter den Top Ten: auf der, die die Länder ermittelt, die in den vergangenen 20 Jahren am stärksten von extremen Wetterereignissen betroffen waren. Auch ansonsten finden sich unter den ersten Zehn ausschließlich Entwicklungsländer. "Das liegt in erster Linie daran, dass sich Industrieländer besser vor solchen Katastrophen schützen können", sagt Bals.

Es mag ironisch erscheinen, dass ausgerechnet die Philippinen laut Bals zu den Entwicklungsländern gehören, die vergleichsweise gut gerüstet sind. "Die Philippiner werden in Afrika ständig als Experten für dieses Thema angefragt."

Woher soll das Geld für besseren Schutz kommen?

Ja, sagt Yeb Sano, die Regierung habe einen nationalen Aktionsplan zum Klimawandel verabschiedet und einige Regionen hätten sicherlich Fortschritte gemacht. Aber "Haiyan" habe eines deutlich gezeigt: dass alles, was man bisher getan habe, nicht genug gewesen sei.

Doch mehr, meint Sano, könnte sein Land allein nicht stemmen: "Wir haben doch auch noch diese ganzen anderen Probleme eines Entwicklungslandes, die wir bewältigen müssen", sagt er, "Armut, Bildung, Gesundheit - da bleibt nicht genügend Geld übrig."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. November 2013 um 09:00 Uhr.

Stand: 12.11.2013 17:44 Uhr

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