Pflanze auf trockenem Boden | Bildquelle: dpa

Vier Wochen vor dem Klimagipfel Aktueller Stand: 2,7 Grad wärmer

Stand: 30.10.2015 18:29 Uhr

In vier Wochen verhandeln fast 200 Staaten in Paris darüber, wie ein Temperaturanstieg begrenzt werden kann. UN-Klimachefin Figueres hat die bisherigen Zusagen der Länder zusammengerechnet und spricht von einem guten Schritt, der aber nicht genug sei.

Von Alex Krämer, RBB, ARD- Hauptstadtstudio

Mehr als 140 Staaten haben ihre Zusagen schon abgeliefert, darunter alle Industrie- und Schwellenländer. UN-Klimachefin Christiana Figueres klingt zumindest nicht unzufrieden mit dem, was da auf dem Tisch liegt: "Ein sehr guter Schritt, ein bemerkenswerter Schritt, aber nicht genug."

Rechnet man alles zusammen, was die Nationalstaaten bisher versprochen haben, landet man bei einem Temperaturanstieg von 2,7 Grad im Jahr 2100. Als verkraftbar gelten maximal zwei Grad. Doch ohne die Zusagen, die jetzt vorliegen, sagt Figueres, würde die Temperatur um bis zu fünf Grad steigen. 2,7 Grad also.

Christiana Figueres | Bildquelle: AFP
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UN-Klimachefin Christiana Figueres ist vorsichtig optimistisch.

Bessere Situation als noch 2009

"Na ja", sagt Jochen Flassbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium: "ist besser als vier oder fünf Grad und schlechter als 1,5 oder zwei Grad. Aber wir müssen erkennen, dass wir eine positive Dynamik durch den Verhandlungsprozess jetzt schon ausgelöst haben."

Deshalb müsse in Paris auch verabredet werden, wie es anschließend weitergeht, um irgendwann doch noch bei zwei Grad zu landen. Flassbarth und Figueres sind sich einig: Im Unterschied zu 2009, als die Klimakonferenz von Kopenhagen scheiterte, gebe es diesmal viel Bewegung. "Die Situation ist nicht nur unterschiedlich, sondern sie ist vor allem sehr viel besser."

Und dafür gibt es gute Gründe, meint Figueres. "Solarstrom ist seit 2008 80 Prozent billiger geworden, Windenergie ist billiger geworden - alles ganz anders als vor Kopenhagen." Das mache es attraktiver, in Erneuerbare Energien zu investieren. Außerdem spürten immer mehr Länder die negativen Auswirkungen des Klimawandels. Auch das erhöhe den Druck, zu einem Abkommen zu kommen.

Umweltorganisationen nicht zufrieden

Alles richtig, sagen Umweltschutzorganisationen, aber sie teilen den offiziellen Optimismus dennoch nicht. Tobias Austrup ist Klimaexperte bei Greenpeace Deutschland: "Wir laufen zu auf eine Welt mit einer Erderwärmung von drei Grad. Das ist deutlich zu viel. Das ist nicht nur für die Industrieländer zu viel, das ist vor allem für die Entwicklungsländer nahezu unbeherrschbar. Also, jetzt müssen mehr Ambitionen auf den Tisch."

Windräder und Kraftwerksturm bei Sonnenaufgang | Bildquelle: dpa
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Windenergie ist wesentlich günstiger geworden.

Das gelte auch für Deutschland: Die Bundesregierung setze noch zu stark auf Kohle, von Deutschland als Vorbild könne man deshalb nicht mehr sprechen. UN-Klimachefin Figueres sieht das anders. Die Welt schaue sehr genau hin, wie es mit der Energiewende laufe. "Die Welt hungert nach guten Beispielen. Deshalb ist Deutschland definitiv im Blick.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. November 2015 um 12:00 Uhr.

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