Menschen am Straßenrand beobachten einfahrende Panzer der irakischen Armee | Bildquelle: AFP

Kampf um Ölregion Kirkuk Tausende Kurden auf der Flucht

Stand: 16.10.2017 15:41 Uhr

Nach dem Angriff irakischer Regierungstruppen auf die ölreiche Provinz Kirkuk fliehen Tausende Einwohner in die kurdischen Städte Erbil und Suleimanija. Das Militär meldet die Einnahme zweier wichtiger Ölfelder und des Flughafens.

Tausende meist kurdische Einwohner von Kirkuk fliehen vor irakischen Regierungstruppen, berichtet die lokale Migrationsbehörde. Die Menschen versuchten, in die kurdischen Städte Erbil und Suleimanija zu gelangen. An den Ausfallstraßen bildeten sich lange Staus. Ganze Familien zwängten sich in Autos, um der Armeeoffensive zu entkommen.

Großoffensive seit dem Morgen

Die irakische Armee hatte am Morgen eine Großoffensive auf die von Kurden kontrollierte Region um Kirkuk im Norden des Landes gestartet. Sie will bereits wichtige Ziele eingenommen haben. Nach Angaben der Armee übernahmen die Regierungstruppen nahezu kampflos den Flughafen von Kirkuk sowie beiden großen Ölfelder North Oil Company und Baba Gurgur. Auch eine Erdgasanlage, ein Kraftwerk sowie große Gebiete rund um die Millionenstadt seien unter Kontrolle. Aus Sicherheitskreisen verlautete, auch das Gebäude der Regionalregierung sei kampflos eingenommen worden.

Irakische Zentralregierung übernimmt Kurden-Stadt Kirkuk
tagesthemen 22:15 Uhr, 16.10.2017, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Kirkuk und die nahegelegenen Ölfelder werden seit 2014 von Peschmerga-Kämpfern kontrolliert. Sie übernahmen die Region, nachdem die irakische Armee vor dem anrückenden "Islamischen Staat" floh. Kirkuk wird sowohl von Kurden als auch der irakischen Zentralregierung beansprucht.

Zustand von vor 2014 das Ziel

Aus Sicht von Awad al-Awadi, einem schiitischen Abgeordneten im irakischen Parlament, geht es jetzt darum, den Zustand von vor 2014 wieder herzustellen. "Die Forderung der Zentralregierung, dass die Peschmerga zu ihren Stellungen von vor 2014 zurückkehren, ist rechtens und verfassungsmäßig", sagte er. "Die Peschmerga und die Regionalregierung müssen zur Vernunft kommen und diese Gebiete freigeben. Dann beginnt ein Dialog auf friedlicher Basis."

Gestern Nachmittag waren kurdische Spitzenpolitiker zu einem Krisentreffen zusammengekommen. Mit dabei war auch der irakische Staatspräsident Fuad Masum, ein Kurde. Anschließend hieß es, man wolle Verhandlungen mit Bagdad. Die Bedingung der irakischen Regierung, dass die Kurden zuerst das Unabhängigkeitsreferendum vom 25. September für nichtig erklären müssten, werde man aber nicht erfüllen.

Bei dem Referendum hatte sich eine deutliche Mehrheit für eine Loslösung vom Irak ausgesprochen. Die Zentralregierung in Bagdad lehnte die Volksabstimmung als verfassungswidrig ab und pocht auf die Einheit des Landes. Auch die Nachbarn Türkei und Iran erklärten das Referendum für nichtig.

Streit um Gewinn aus Ölhandel

Vor allem über die Verteilung der Einnahmen der Ölfelder vor Kirkuk gibt es seit langem Streit. Dieser hat sich seit dem Referendum verschärft.

Durch den Angriff zogen die Ölpreise auf dem Weltmarkt an. Marktbeobachter erklärten den Preisanstieg mit der Sorge vor Förderausfällen im Norden des Iraks. Laut Ölministerium ist die Öl- und Gasförderung nicht beeinträchtigt.

USA mahnen Kampf gegen IS an

Die US-geführte Koalition im Irak bezeichnete die Gefechte als Missverständnis. Die Koalition beobachte Militärfahrzeuge beider Seiten und glaube, es handele sich um "koordinierte Bewegungen, nicht um Angriffe", hieß es in einer Erklärung.

Ein Sprecher der Koalition rief beide Seiten auf, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Stattdessen solle man sich darauf konzentrieren, den gemeinsamen Feind, die Terrormiliz "Islamischer Staat", zu bekämpfen, hieß es aus dem Pentagon. Die USA hatten beide Seiten im Kampf gegen den IS ausgebildet und bewaffnet.

Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Oktober 2017 um 12:00 Uhr.

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