Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Weitere ARD Online-Angebote.

21.11.2009

ARD-Logo

Suche in tagesschau.de

Hauptnavigation
Multimedia
  • VideoLivestream.tagesschau 10:00 Uhr
  • Videotagesschau24.
  • VideoLetzte Sendung.tagesschau 05:14 Uhr
Inhalt
Ausland

Porträt Cristina Kirchner

Porträt Cristina Kirchner

Die "Hillary des Südens"

Cristina Kirchner ist zur Präsidentin Argentiniens gewählt worden. Sie gilt als forsch und durchsetzungsstark. Ihren Mann hat sie bereits in den vergangenen vier Jahren im Präsidentenamt beraten. Jetzt will sie zeigen, dass sie selbst regieren kann.

Von Gottfried Stein, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

Cristina Kirchner nach ihrem Wahlsieg (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Cristina Kirchner nach ihrem Wahlsieg. ]
"Sie warten hier vor der Tür und berühren mich weder mit ihren Mikrofonen noch mit ihren Aufnahmegeräten. Ordnen Sie sich ruhig und zivilisiert." Es war eine typische Szene, als Cristina Kirchner nach ihrem Wahlsieg einen Pulk von Journalisten zur Ordnung rief. Die First Lady, in Zukunft erste Frau des Staates, ist bekannt für ihre aufbrausende, herrische Art, mit der sie nicht nur die Presse mitunter behandelt. Manche sagen, in einem "Macholand" wie Argentinien könnten sich weibliche Politiker nicht anders durchsetzen.

"Als Frau ist das Leben schwerer"

Kirchner selbst betont immer wieder, wie schwer die Rolle der Frau im öffentlichen Leben sei. "Als Frau ist das Leben viel schwerer, im Beruf, in der Politik, im Unternehmen, bei der Arbeit, einfach bei allem", sagt sie. "Wir sind funktionell darauf vorbereitet, verschiedene Aufgaben gleichzeitig zu übernehmen, im öffentlichen wie im privaten Leben, selbst in den höchsten Entscheidungsebenen."

Kirchner wurde 1953 in La Plata, der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires, geboren. Sie ist die Tochter eines Fuhrunternehmers und einer Gewerkschafterin und engagierte sich schon als Jurastudentin für die peronistische Partei. An der Uni lernte sie ihren Mann Nestor Kirchner kennen. Nach dem Militärputsch zogen sie nach Santa Cruz und arbeiteten als Grundstücksanwälte. In der südlichsten Provinz Argentiniens starteten beide auch ihre politische Karriere - er als Bürgermeister und Gouverneur, sie als Abgeordnete im Parlament.

"Königin Cristina"

Vor zwei Jahren gewann Kirchner die Senatorenwahl in der bevölkerungsreichen Provinz Buenos Aires - es war das politische Sprungbrett ins Präsidentenamt. Stets hochgestylt, extravagant gekleidet, verziert mit teurem Schmuck wird sie gerne als "Reina Cristina", Königin Cristina, bezeichnet, was sie eher geschmeichelt zur Kenntnis nimmt.

Der Oppositionspolitiker Alvaro de la Madrid aus Santa Cruz bemängelt dagegen fehlendes soziales Engagement. Von Kirchner seien keinerlei soziale Aktivitäten bekannt, keine Beziehungen zu Hilfsorganisationen, keine Aktivitäten im Kampf für Menschenrechte. "Auch nicht während der Diktatur", sagt Madrid. "Sie zeichnete sich nicht als Rechtsanwalt der Bedürftigen, der Arbeiter, aus. Sie widmete sich vielmehr der Vertretung der Interessen der Großindustrie, und das tut sie heute noch."

Jetzt ist sie die erste vom Volk gewählte Präsidentin Argentiniens. Und sie fühlt sich wohl im Kreise der Frauen, die sie bewusst im Wahlkampf besuchte: Hillary Clinton, Michele Bachelet und Angela Merkel. Allerdings wird ein wesentlich aggressiverer Stil von ihr erwartet. Ein argentinisches Magazin bezeichnete sie kürzlich als "Madame Guillotine", wegen ihrer scharfzüngigen, mitunter jähzornigen Auftritte im argentinischen Kongress.

"Eine fähige, entschlossene Frau"

Das Ehepaar Cristina und Nestor Kirchner (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das Ehepaar Cristina und Nestor Kirchner im Präsidentschaftswahlkampf. Cristina hat ihren Mann in den vergangenen Jahren bereits beraten. ]
"Sie ist eine Frau, die ihre eigene politische Karriere gemacht hat, die parlamentarische Arbeit geleistet hat, bevor Nestor Kirchner Präsident wurde", sagt Marcelo Leiras, Professor für Politikwissenschaft an der Universität San Andres. "Ich erinnere mich vor allem an ihre Arbeit in der Kommission, die die Geldwäsche in Argentinien untersuchte. In dieser schwierigen Situation war sie sehr klug. Sie ist eine fähige, entschlossene Frau mit Erfahrung." Als engste Beraterin ihres Mannes bestimmte Cristina Kirchner bereits die Politik der vergangenen vier Jahre mit. Allgemein wird erwartet, dass sie im wesentlichen diese Politik fortsetzt.

Fehlende Regierungserfahrung?

Ein Manko habe sie allerdings, meint der Politikexperte Rosendo Fraga. "Sie gelangt an die Macht ohne jegliche Regierungserfahrung. Nie hatte sie irgendeine Regierungsfunktion inne, weder auf städtischer, lokaler oder nationaler Ebene." Dass sie im Kongress gewesen sei, sei eher eine Schwäche als ein Vorteil. Kirchner sei eine Frau, mit einer offensichtlichen politischen Berufung und klarem Machtstreben. Doch Fraga ist überzeugt: "Sie wird die Mitarbeit von Nestor Kirchner benötigen, um regieren zu können."

Stand: 29.10.2007 16:50 Uhr
 

© tagesschau.de

tagesschau.de ist für den Inhalt externer Links nicht verantwortlich.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW